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«MobilStation» – Pilotprojekte vor dem Start

Die Schweiz soll mit «MobilStationen» überzogen werden. Verkehrsverbände, SBB, Mobility und weitere Partner wollen ein einheitlich gekennzeichnetes Netz von Umsteigestationen aufbauen, die die unterschiedlichsten Bedürfnisse erfüllen.
Das Chaos auf den Veloparkplätzen rund um die Bahnhöfe soll ein Ende haben. Zürich hat mit seinen Anlagen bereits vieles erreicht. Nun stehen in Basel und Bern Projekte an. In beiden Städten will man neue Wege gehen und die Abstellplätze, die am nächsten zum Gleis liegen, bewirtschaften – lies: gebührenpflichtig machen. Was für die AutofahrerInnen gilt, kommt nun auch für die VelofahrerInnen: Die besten Plätze sind die teuersten. In Basel ist die unterirdische bewachte Velostation im Bau. In Bern ist mit dem Masterplan Bahnhof ein Projekt auf guten Wegen, das zwei, möglicherweise sogar drei bewachte Velostationen bringen soll. Wem die Aufsicht zu teuer ist und wer sein Zweirad unbewacht abstellen will, muss es spätestens nach vier Tagen wieder wegstellen resp. umparkieren – so ist es in Bern vorgesehen. Wer sein Zweirad noch länger parkieren will, muss sich mit den weiter entfernten Plätzen begnügen. Das Berner Projekt ist im Rahmen einer geplanten neuen Rampe auf der Westseite der Schanzenbrücke geplant. Die Velostation könnte man nach ersten Vorstellungen der Planer als Stahlkonstruktion unter die Brücke hängen, direkt über die Gleise.

Vorbilder Burgdorf und Bellinzona
Das bekannteste Vorbild einer Mobilstation in der Deutschschweiz ist die Velostation Burgdorf, die bereits viele dieser Aufgaben erfüllt. Als vorbildlich bezeichnet der Geschäftsführer von «Energie Schweiz», Ernst Reinhardt, auch die neue Station Bellinzona, wo Velos und Car-Sharing samt dem Elektrofahrzeug-Verleih «EasyMove» sowie Verkehrsinformationen am inzwischen autofreien Bahnhofvorplatz dicht nebeneinander zu finden sind. Auch drei Lausanner Vorortsbahnhöfe werden demnächst zu «MobilStation»-Testgebieten, und zwischen Bern und Langenthal sollen als Versuch an den Bahnhöfen ebenfalls einheitlich signalisierte MobilStationen entstehen.
Der Start verläuft allerdings etwas harzig. In mehreren Runden musste mit dem Bund über die Finanzierung und rechtliche Fragen verhandelt werden, obwohl Bern das Projekt als grundsätzlich richtig und wichtig bezeichnet. Der Berner Testbetrieb konnte bisher nicht starten, weil zur Zeit über eine neue Aufteilung des S-Bahn-Betriebs in der Region zwischen SBB und BLS verhandelt wird und sich damit die Frage stellt, wer die Signalisationen und die nötigen baulichen Massnahmen zahlt.

Politik vergessen?

 


pmh. An der Tagung der Velobeauftragten konnte wegen des gedrängten Programms die aktuelle politische Situation nicht diskutiert werden. Die Vorschläge zur Entlastung des Agglomerationsverkehrs der Kommission Bieri («Benzinfünfer» für die Entlastung der Agglomerationen), bzw. der Nutzen von kombinierter Mobilität blieben ausgeklammert und unkommentiert. So entstand der Eindruck, dass viele rührige BetreiberInnen aktiv sind, aber die Lobbyarbeit etwas zu kurz kommt. Und es bleibt der Wunsch, dass sich die Aktivisten trotz Tagesgeschäft vermehrt zusammenschliessen, um sich auch politisch eine Stimme zu verschaffen. Sonst könnten alle guten Modelle und Ideen auf halbem Weg steckenbleiben.
Akzeptanz testen
Wenn sie denn gestartet sind, sollen die Pilotprojekte die Akzeptanz bei den Alltags-BenutzerInnen, aber auch bei TouristInnen aufzeigen. Auch die Stationen an den touristischen «Veloland»-Routen sollen in den Pilotversuch mit einbezogen werden. Zu den Anforderungen gehören unter anderem Veloabstellplätze mit Sicherungsmöglichkeiten, kurze Distanzen zum Umsteigen, gute Weginformationen und nicht zuletzt Fahrpläne.
Bediente Mobilitätszentralen sind allerdings in der Schweiz kaum zu realisieren. Grund dafür ist der Umstand, dass die Zusammenstellung individueller Reiseauskünfte hierzulande nicht finanziert werden kann: «Jeder kennt die Schlangen an den Schaltern und weiss aus praktischer Erfahrung, dass man so kaum je rechtzeitig zu einer Fahrplan-Auskunft kommt», so Ernst Reinhardt.
Der kombinierte Personenverkehr soll trotzdem mit Umsteigestellen in unterschiedlichen Ausbaustandards getestet werden. Danach sollen die Stationen flächendeckend eingerichtet werden. Bis zu 50 pro Jahr, hofft Reinhardt.
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