Schwerpunkt

Marketingobjekt Veloversicherung

Die Leistungen bei Velodiebstählen sind zu einem Marketinginstrument der Versicherungsgesellschaften geworden. Gestohlenen Bikes werden oft grosszügig vergütet, doch Voraussetzung ist ein Zusatz zur Hausratsversicherung gegen Diebstahl auswärts.
Früher konnte man gleich beim Velohändler für 15 Franken eine Diebstahlversicherung abschliessen. Das war allerdings noch vor dem Bike-Boom, der die Preise für die Zweiräder in teilweise astronomische Höhen trieb. Die günstigen Prämien genügten bei den ständig steigenden Schadenssummen schnell nicht mehr. Das praktische Angebot verschwand. Heute gibt es keine speziellen Velodiebstahl-Versicherungen mehr. Eine Ausnahme ist das Angebot des VCS, das sich vor allem an Leute mit mehreren oder besonders teuren Bikes wendet. Die grossen Gesellschaften hatten über längere Zeit das Interesse an günstigen Angeboten ganz verloren. Dann begannen sie, Veloklaus über Hausratspolicen abzudecken. Die Versicherten müssen aber den nicht eben billigen Zusatz «einfacher Diebstahl auswärts» mit abschliessen.


Vergleiche lohnen sich
Die Hausrats-Versicherungspolicen unterscheiden sich nur wenig. Bei der Grunddeckung wurde in den letzten Jahren ein gestohlenes Velo in der Regel nur noch zum Zeitwert ersetzt. Wer mehr Leistung wollte, musste dafür extra bezahlen. Alternativen gab es kaum.
Das ist inzwischen anders geworden. Dafür sorgten die Telefonversicherungen mit ihren Tiefpreisen. Inzwischen herrscht harter Wettbewerb, und Vergleiche lohnen sich. Für die VelofahrerInnen ist diese Entwicklung von Vorteil. Es gibt zwar immer noch Gesellschaften, wie etwa Helvetia Patria, die ihren Kunden als Entschädigung für das geklaute Zweirad nur den Zeitwert anbieten. Auch die VCS-Hausratsversicherung reguliert Schäden so. Bei älteren Velos bekommt man bei diesen Leistungen wegen des Selbstbehalts von üblicherweise 200 Franken meist nur noch ein paar Franken ausbezahlt.

Trend Richtung Neuwertversicherung
Der Trend geht allerdings in die andere Richtung: Praktisch alle grossen Versicherer ersetzen inzwischen das gestohlene Bike zum Neuwert, abzüglich eines Selbstbehaltes von normalerweise 200 Franken. Dazu gehören die Basler, Berner, Winterthur oder die Zürich Versicherung. Auch die Elvia, die bisher Bikes nicht einmal in die Grunddeckung der Hausratsversicherung aufgenommen hatte, überlegt sich Zusatzleistungen. «Eine Änderung dieses Konzepts ist in Vorbereitung», kündigt Elvia-Sprecher Hansjörg Leibundgut an.
Gedanken, die Hausratsversicherung für Velofans auszubauen, macht sich auch der VCS. Hier weist man allerdings auch darauf hin, dass allzu attraktive Neuwertversicherungen nicht rentieren können und die Gefahr bestehe, dass versprochene Leistungen später rückgängig gemacht werden.

Nötig – nützlich – Luxus
Was bezahlt meine Hausratversicherung für Schäden an meinem Bike? Kann ich sämtliche Risiken – wie bei einem Auto – absichern? Der Markt ist unübersichtlich. Deshalb gilt: Individuelle Bedürfnisse festhalten, wie hoch man das Bike abdecken will. Versicherbar sind Risiken wie Haftpflicht, Kollisionsschäden, Diebstahlschäden, Rechtsschutz.
Bei der Neuanschaffung eines Velos ist neben der obligatorischen Haftpflichtversicherung (die man mit dem
Vignettenkauf automatisch abschliesst) auf jeden Fall empfehlenswert, das Velo in die Hausratspolice einzuschliessen (s. nebenstehenden Text). Dieser Versicherungsschutz gilt übrigens auch bei einem Ferienaufenthalt. Versicherer kennen aber auch die Möglichkeit, Leistungen zu kürzen, d.h., Gründe, in welchen sie die Entschädigung reduzieren. Dies ist dann der Fall, wenn z.B. das Bike nicht abgeschlossen war.
Ob auch das Kollisionsrisiko versichert werden soll, hängt vom Preis des Bikes und von der eigenen Risikobereitschaft ab, bis zu welchem Betrag frau/man bereit ist, Kosten selber zu übernehmen. Grundsätzlich ist diese Versicherung nur für Bikes ab einem Neuwert von über 2'000 Franken sinnvoll. Dieses Risiko kann nicht in die Hausratversicherung integriert werden, es ist ein separater Versicherungsabschluss nötig. Dadurch können auch Doppelversicherungen entstehen. Auch hier gilt, das Angebot genau zu prüfen.
Die Rechtsschutzversicherung gehört in den Luxusbereich und ist als Grundabsicherung nicht notwendig. Wer mit dem Bike ins Ausland fährt, tut aber gut daran, für diese Zeit einen Schutzbrief zu organisieren (z.B. beim VCS). Darin ist für die Auslandreise auch der Rechtsschutz genügend abgedeckt.
Und wichtig für alle Versicherungsabschlüsse: Vertragsdauern sind verhandelbar. Empfehlenswert ist die Jahresversicherung und nicht Laufzeiten von fünf oder mehr Jahren.
fairsicherungsberatung®
Ruedi Ursenbacher

Kunden ködern
Doch bei den Versicherungen ist zur Zeit offenbar nicht die Rentabilität entscheidend: Mit grosszügigen Leistungen sollen Kunden geködert werden. «Wenn Bikes zum Neuwert ersetzt werden, ist das ein Wettbewerbsvorteil», erklärt etwa Ruedi Steiner von der Winterthur. Und für die Generali-Sprecherin Sibylle Dürst sind komfortable Leistungen für gestohlene Velos, Snowboards oder Natels gerade für jüngere Kunden ein wichtiges Kriterium, eine Police abzuschliessen.
Was kosten Zusatzversicherungen?
Wer bei der Basler Versicherung die maximale Deckung für das teure Velo von 2'000 auf 5'000 Franken erhöhen will, zahlt zusätzlich 170 Franken Prämie pro Jahr.
Bei der Schweizerischen Mobiliar kosten 1'000 Franken Versicherungssumme 46 Franken pro Jahr, bei einem Selbstbehalt von 10 Prozent, mindestens aber 200 Franken, die man selber bezahlen muss.
Eine Alternative ist die Velodiebstahlversicherung des VCS, die nach dem Katalogpreis des Rads berechnet wird. Ein Velo im Wert von 2'000 Franken kann gegen eine Jahresprämie von 145 Franken versichert werden. Für je 1'000 Franken mehr steigt die Prämie um weitere 50 Franken. Ausbezahlt werden bei einem Diebstahl im ersten Jahr nach dem Kauf 90 Prozent, im zweiten noch 80 Prozent und ab dem dritten Jahr noch 70 Prozent des Neuwerts.
Für die Gesellschaften sind die durch Velodiebstähle verursachten Schäden insgesamt nur Bagatellbeträge. Bei der Schweizerischen Mobiliar sind es beispielsweise rund 10 Mio. Franken im Jahr, die für gestohlene Zweiräder ausbezahlt werden. Doch die Gesellschaften wissen, dass es bei der Wahl zwischen verschiedenen Angeboten entscheidend sein kann, welche Leistungen zu erwarten sind. Schliesslich sind Velodiebstähle das Schadenereignis, mit dem die Versicherten wohl am ehesten rechnen müssen.

Unkomplizierte Abwicklung
Bei der Abwicklung geben sich die Versicherer deshalb ebenfalls kulant. Sie erwarten grundsätzlich alle die Kaufquittung als Beleg. Bei älteren Velos lassen sie allerdings mit sich reden, und es wird zwar gefragt, ob das Velo abgeschlossen war, doch nachgeforscht wird nicht. In der Regel genügt es, wenn beim nächsten Polizeiposten das Velo als gestohlen gemeldet und die Versicherung benachrichtigt wird, doch Alpina verlangt vor der Auszahlung noch eine Bestätigung der Polizei, dass das Velo nicht mehr gefunden wurde.
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