Szene

Image-Gewinn dank Velopatrouillen

Polizeipatrouillen zu Fuss, hoch zu Ross oder per Motorrad zeugen von Effizienz und BürgerInnen-nähe. Polizeieinsätze mit dem Velo kennen wir hier zu Lande vorwiegend aus amerikanischen Fernsehserien. Wird das Velo als Polizeiverkehrsmittel überhaupt ernst genommen? Oder leidet gar das Image der Polizei, wenn diese auf dem Drahtesel daherkommt?
Untersuchungen bestätigen die Erfahrung: In den Innenstädten ist das Velo das schnellste und unproblematischste Verkehrsmittel. Für die Polizei haben Bürgernähe und Effizienz heute eine hohe Priorität, ebenso wie ein angemessener Einsatz der Mittel. Zur Überwachung des Autoverkehrs auf Autobahnen und Kantonsstrassen werden daher Auto oder Motorrad adäquat sein. An Orten, wo Bürgernähe zählt und der städtische Raum eng ist, müsste man hingegen das Velo als bevorzugtes Verkehrsmittel für den urbanen Polizeieinsatz erwarten. Warum ist dies erst selten der Fall?

In den häufig verstopften Zentren haben einige Polizeikorps heute schon Velopatrouillen im taktischen Einsatz. Zum Beispiel die Berner Stadtpolizei (vgl. Seite 7). Andere Korps setzen Fahrräder ein, weil sie so auch dort flinke Polizeipräsenz demonstrieren können, wo Autos und Motorräder chancenlos sind. Die Basler Stadtpolizei überwacht mit der Bike-Patrol die Fussgängerbereiche und die engen Gassen des Stadtzentrums. Gerade in Einkaufs- und Vergnügungszonen ist eine gute Wahl der Einsatzmittel wichtig. Die Art des Auftretens der Ordnungshüter muss genau abgewogen werden. Velopatrouillen geben wenig Anlass für Aggressionen. Obwohl der Eigenschutz bei der Basler Stadtpolizei hohe Priorität geniesst, sieht Peter Zimmermann von der Bike-Patrol keinen grossen Sicherheitsnachteil für die 33 Velo-BeamtInnen, auch ohne die unbequeme Schutzweste. Im Notfall sei schnell Verstärkung zur Stelle, und eine Winkelried-Mentalität sei gar nicht erwünscht.

Quartierpolizei
Für die Polizeiarbeit in Quartieren, ausserhalb der Zentren, bietet sich das Velo als kommunikatives und effizientes Verkehrsmittel an. Einerseits ist die Polizei damit schnell vor Ort, andererseits demonstriert sie Präsenz. Nach der Devise «Sehen und gesehen werden», aber ohne durchs Quartier schlendernd das Bild einer «Spazierpatrouille» zu vermitteln. Für die demonstrative BürgerInnennähe ist ein Verkehrsmittel gefragt, das nicht von diesen abschottet. Daher ist das Velo für den Dienst im Quartier besser geeignet als eine Patrouille «vom hohen Ross» herab, die Desinteresse an kleinen Bürgernöten insinuiert.
In Genf stehen seit mehreren Jahren auf praktisch allen Polizeiposten mehrere Mountainbikes samt dazu gehörenden Trikots und Helmen zur Verfügung. Die Genfer Quartierbeamten, «Ilôtiers» genannt, verwenden diese Velos für den Dienst im Quartier und bei schwierigen Verkehrsverhältnissen – allerdings im Unterschied zu ihren Kollegen von der Basler Bike-Patrol ohne Blaulicht und Horn. In der Stadt Zürich stehen jeder der neu konzipierten Quartierwachen zwei normale Velos zur Verfügung, die vorwiegend der Fortbewegung im Quartier dienen. Auch in St. Gallen steigert das Velo die Beweglichkeit der BeamtInnen auf kurzen Wegen und in der Innenstadt, weniger allerdings beim taktischen Einsatz oder in den hügeligen Quartieren.

Respekt vor dem Velo
Die Basler machen vor, wie auch in hügeligen Schweizer Städten der tägliche Polizeieinsatz bei fast jedem Wetter per Velo machbar ist – dank einer Box, die von der Schreibmappe über das Leucht-Gilet bis zu Blaulicht und Polizeihorn das Wichtigste fasst. Die Autorität scheint dabei nicht zu leiden. Vielmehr kann die Polizei anderen Velofahrenden mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen: «Wir wissen, wovon wir reden». Mag sein, dass in anderen Korps die Vorstellung überwiegt, per Velo werde die Polizei nicht ernst genommen. Mag auch sein, dass sich BeamtInnen im Schutz des Autos oder auf dem Motorrad sicherer fühlen. Diese Befürchtungen scheinen aber unbegründet. Im Gegenteil: Velo-Polizeipatrouillen können einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit aller Velofahrenden leisten, indem sie dem Fahrrad im motorisierten Verkehr zu mehr Respekt verhelfen.

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