In den häufig verstopften
Zentren haben einige Polizeikorps heute schon Velopatrouillen im
taktischen Einsatz. Zum Beispiel die Berner Stadtpolizei (vgl. Seite
7). Andere Korps setzen Fahrräder ein, weil sie so auch dort flinke
Polizeipräsenz demonstrieren können, wo Autos und Motorräder chancenlos
sind. Die Basler Stadtpolizei überwacht mit der Bike-Patrol die
Fussgängerbereiche und die engen Gassen des Stadtzentrums. Gerade in
Einkaufs- und Vergnügungszonen ist eine gute Wahl der Einsatzmittel
wichtig. Die Art des Auftretens der Ordnungshüter muss genau abgewogen
werden. Velopatrouillen geben wenig Anlass für Aggressionen. Obwohl der
Eigenschutz bei der Basler Stadtpolizei hohe Priorität geniesst, sieht
Peter Zimmermann von der Bike-Patrol keinen grossen Sicherheitsnachteil
für die 33 Velo-BeamtInnen, auch ohne die unbequeme Schutzweste. Im
Notfall sei schnell Verstärkung zur Stelle, und eine
Winkelried-Mentalität sei gar nicht erwünscht.
Quartierpolizei
Für
die Polizeiarbeit in Quartieren, ausserhalb der Zentren, bietet sich
das Velo als kommunikatives und effizientes Verkehrsmittel an.
Einerseits ist die Polizei damit schnell vor Ort, andererseits
demonstriert sie Präsenz. Nach der Devise «Sehen und gesehen werden»,
aber ohne durchs Quartier schlendernd das Bild einer
«Spazierpatrouille» zu vermitteln. Für die demonstrative
BürgerInnennähe ist ein Verkehrsmittel gefragt, das nicht von diesen
abschottet. Daher ist das Velo für den Dienst im Quartier besser
geeignet als eine Patrouille «vom hohen Ross» herab, die Desinteresse
an kleinen Bürgernöten insinuiert.
In Genf stehen seit mehreren
Jahren auf praktisch allen Polizeiposten mehrere Mountainbikes samt
dazu gehörenden Trikots und Helmen zur Verfügung. Die Genfer
Quartierbeamten, «Ilôtiers» genannt, verwenden diese Velos für den
Dienst im Quartier und bei schwierigen Verkehrsverhältnissen –
allerdings im Unterschied zu ihren Kollegen von der Basler Bike-Patrol
ohne Blaulicht und Horn. In der Stadt Zürich stehen jeder der neu
konzipierten Quartierwachen zwei normale Velos zur Verfügung, die
vorwiegend der Fortbewegung im Quartier dienen. Auch in St. Gallen
steigert das Velo die Beweglichkeit der BeamtInnen auf kurzen Wegen und
in der Innenstadt, weniger allerdings beim taktischen Einsatz oder in
den hügeligen Quartieren.
Respekt vor dem Velo
Die
Basler machen vor, wie auch in hügeligen Schweizer Städten der tägliche
Polizeieinsatz bei fast jedem Wetter per Velo machbar ist – dank einer
Box, die von der Schreibmappe über das Leucht-Gilet bis zu Blaulicht
und Polizeihorn das Wichtigste fasst. Die Autorität scheint dabei nicht
zu leiden. Vielmehr kann die Polizei anderen Velofahrenden mit gutem
Beispiel vorangehen und zeigen: «Wir wissen, wovon wir reden». Mag
sein, dass in anderen Korps die Vorstellung überwiegt, per Velo werde
die Polizei nicht ernst genommen. Mag auch sein, dass sich BeamtInnen
im Schutz des Autos oder auf dem Motorrad sicherer fühlen. Diese
Befürchtungen scheinen aber unbegründet. Im Gegenteil:
Velo-Polizeipatrouillen können einen entscheidenden Beitrag zur
Sicherheit aller Velofahrenden leisten, indem sie dem Fahrrad im
motorisierten Verkehr zu mehr Respekt verhelfen.