Schwerpunkt

Die Velomauer rund um die Schweiz ist gefallen

Freie Fahrt gilt ab Fahrplanwechsel vom 10. Juni für die Velos bei unseren westlichen Nachbarn in Frankreich, und dies im wörtlichen Sinn. Auf der CityNightLine Berlin/Hamburg fahren ab Juli gar ganze Velowagen mit, und Italien verdoppelt sein Angebot.
Lauter gute Nachrichten überbringt der SBB-Velodelegierte Peter Rüfenacht. Er berichtet von einem massiv verbesserten Angebot für den Velotransport – viele lang gehegte Träume werden wahr. Beginnen wir mit dem Elsass, das dank dem Fall der langjährigen Velomauer zwischen der Schweiz und Frankreich zum neuen Ausflugsziel wird, denn sämtliche Regionalzüge von Basel SNCF nach Mulhouse und Strasbourg sind velotauglich (bisher war die Velomitnahme nur vereinzelt möglich). Auch die Velofahrer in der Romandie profitieren seit letztem Jahr vom analogen Angebot zwischen Genf und Lyon. Aber auch der Paris-Erkundung steht nun nichts mehr im Weg, denn alle Züge Basel–Paris via Chaumont (eingeschlossen der Zug Chur–Paris sowie ein Nachtzug) bieten den Transport im Selbstverlad an, und dies ganzjährig und täglich – bis auf wenige Ausnahmen. Und die beste Nachricht kommt erst noch: Die SNCF überrascht uns damit, dass all diese Angebote ab der französischen Grenze gratis sind – natürlich nur fürs mitfahrende Velo.

Reservation empfohlen
Damit nicht genug. Die SNCF rüsten die Serviceabteile der ganzen TGV-Flotte Mediteranné mit vier Velostellplätzen aus. Warum so plötzlich? Der SBB-Velodelegierte Peter Rüfenacht dazu: «Die SNCF sind den Extremen verhaftet, entweder tun sie nichts oder dann alles – und in diesem Fall haben sie alles gemacht.» So nimmt je ein TGV um die Mittagszeit ab Genf die Velos nach Montpelier bzw. Nizza mit. Hier kostet das Vergnügen pro Richtung SFr. 15.50 inkl. obligatorischer Reservation bei Rail Europe, 0900 57 10 56 (0,86 Fr./min). Peter Rüfenacht empfiehlt angesichts der knappen Plätze sehr frühzeitige Reservation. Umgekehrt gebietet die Bike-Korrektness die Annullation, falls ein gebuchter Platz nicht beansprucht wird. Generell können nach Frankreich nur gewöhnliche Velos verladen werden.

Berlin per Bike entdecken
Auch Städte in Deutschland werden dank dem neuen Angebot der CityNightLine (CNL) zum Mekka der helvetischen Velogemeinde. Der «Berliner» und der «Komet», welcher auf dem Weg nach Hamburg auch wieder in der velofreundlichen Stadt Bremen hält, haben ab 1. Juli in der Zugsmitte einen Gepäckwagen mit 40 Stellplätzen. Hier sind auch Tandems, Dreiräder und Kinderanhänger willkommen. Wer von Berlin aus zur Mecklenburgischen Seenplatte bzw. an die Ostseeküste will, steigt mit Vorteil in Berlin Wannsee um und spart so eine Stunde Wartezeit. Ein Fahrplan-Check lohnt sich. Für die Heimreise empfiehlt die Verkaufsleiterin der CNL, Claudia Kristensen, dringend, im Berliner Ostbahnhof einzusteigen, weil der Zug am Bahnhof Zoo nur zwei Minuten hält und dort jeweils ein grosses Gedränge herrscht.
Die übrigen Angebote bleiben wie bis anhin bestehen: Ganzjährig gehts mit allen bzw. den meisten Velo-Konstruktionen und zumeist täglich nach München, Stuttgart, Hamburg, Kiel, Stralsund, Dortmund, Münster, Luxemburg, Brüssel, Amsterdam, Wien samt zahlreichen Zwischenstationen. Einzig das bisherige Zugspaar Vauban von Mailand nach Brüssel fällt weg.

 

Nochmals einen Franken gespart

Die grenzüberschreitende Velomitnahme Schweiz-Ausland kostet nur noch Fr. 16.– (bisher Fr. 17.–) plus Fr. 5.– für die obligatorische Reservation. Umgekehrt gelten die lokalen Preise. Ein Transport aus Deutschland in die Schweiz kostet DM 20.– (Reservation gratis), der Transport Italien-Schweiz 15'000 Lire.
Fahrplaninfos für Deutschland und viele weitere Länder, besonders Italien, gibts bei www.bahn.de.
Die Broschüre «Velo und Bahn» sollte rechtzeitig auf den Fahrplanwechsel erscheinen und ist gratis an allen besetzten Bahnhöfen oder über den
Wettbewerbstalon erhältlich.

Verdoppeltes Angebot in den Stiefel
Gute Nachrichten kommen auch aus Italien. In drei zusätzlichen Zugspaaren ist der Veloverland nun ebenfalls möglich. Besonders attraktiv ist der Zug Zürich–Mailand–Genua–La Spezia. Er führt neuerdings einen Gepäckwagen mit und beseitigt das leidige Problem mit den begrenzten Kapazitäten. So wird auch ein einigermassen spontanes Verreisen nach Oberitalien möglich. Auch die Rückfahrt wird risikoärmer, zumal die Reservation Italien–Schweiz nicht möglich ist. Neu ist auch das Sommer-Zugspaar Zürich–Rimini an Samstagen. Schliesslich empfiehlt Peter Rüfenacht die neue Umsteigeverbindung Zürich ab 17.33 via Innsbruck nach Pescara, die in der Hauptsaison täglich besteht. n

Weitere Informationen unter
www.bahn.de
www.sbb.ch (Stichwort «Veloselbstverlad» eingeben)

Tipps zum Velotransport nach Italien

(nmi). Der im Inland mittlerweile meist problemlose Velotransport per Bahn stösst in Richtung Italien schnell an Grenzen. In den schnellen Pendolino-Verbindungen ist der Velotransport wegen der prekären Platzverhältnisse auch in einem Velosack ausgeschlossen – dies gilt auch für den Schweizerischen Streckenanteil. Leider gibt der Web-Fahrplan der SBB hierüber falsch Auskunft. Der Fahrplan der Deutschen Bundesbahnen (http://reiseauskunft.bahn.de) ist die bessere Web-Adresse. Generell hat sich gezeigt, dass Schweizer IC- oder EC-Züge am problemlosesten sind. Diese wurden in den letzten Jahren mit vergrösserten Velo-Abteilen versehen. So verkehrt der EC 383/382 Cinqueterre zwischen Schaffhausen und La Spezia und bietet damit Anschlüsse an das westliche Ligurien sowie Richtung Florenz und Rom. Auch die IC 251, IC 252, IC 253, IC 254, IC 331, IC 332, IC 344, IC 345, IC 382, IC 383, D 1557/D 1155, D 1154/D 356 sollten problemlosen Velotransport ermöglichen.
Eine andere – nicht ganz offizielle – Möglichkeit ist es, das Velo im Velosack mit in das Schlafwagenabteil zu nehmen. Das funktioniert relativ gut mit einem Velo in einem 2er- oder 3er-Abteil, bei zwei Velos wird es knapp – aber von Fremden im Abteil wäre zu viel Toleranz gefordert. Von der allfälligen Möglichkeit, das Velo unbeaufsichtigt im Gepäckwagen nachts durch Italien reisen zu lassen, raten die Schlafwagenschaffner ab: «Sonst finden Sie am Morgen plötzlich zwei statt ein Velo vor…!».

Fahrplan der Deutschen Bundesbahnen:
reiseauskunft.bahn.de
Fahrplan der SBB:
www.sbb.ch/pv/index_d.htm

Abo
© 2011 velojournalImpressum