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Schutz vor Velo-Klau

In der Schweiz sind mehr Velos als Personenautos gemeldet: rund 3,8 Millionen. Jedes Jahr werden aber auch weit über 60'000 Velos geklaut. Da eine griffige Veloregistratur nach wie vor fehlt, gibt es vorläufig nur eines: Eine gute Versicherung und ein sicheres Schloss! velojournal gibt Tipps.

Mindestens 60'000 SchweizerInnen wird jährlich das Velo geklaut. Rechnet man die Dunkelziffer mit ein, liegt die Zahl bei weit über 100'000. Wer mehrmals Opfer eines Diebstahls wird, investiert oft nur noch in ein «Bahnhofvelo» und meldet einen Verlust gar nicht mehr an. So verslumen die Parkplätze rund um Bahnhöfe und öffentliche Plätze und ärgern gleichermassen PassantInnen, Behörden und VelolobbyistInnen. Das Velo, dessen Gebrauch gefördert werden und attraktiv sein soll, macht so eine «schlechte Falle», und Schrotthaufen rund um Bahnhofsareale tragen kaum zum Image des erfolgreichen Tandems Velo und öffentlicher Verkehr bei. Immerhin hat die öffentliche Hand in den letzten Jahren das Problem erkannt und oft Hand in Hand mit den regionalen IG Velo in sichere Abstellplätze investiert. Das hat dazu geführt, dass der Veloklau nicht mehr ganz so krass ist wie Anfang der 90er Jahre nach der Abschaffung der Veloregistratur.  

Nur Versicherungen profitieren

Durch den Veloklau entsteht ein jährlicher volkswirtschaftlicher Schaden von einer Viertelmillion Franken. Wären statt Velos Töffs und Autos betroffen, würde wohl eine ganze Sicherheitsindustrie entstehen und der Langfingerzunft die Riegel schieben. Nicht so in der Velobranche. Seit zehn Jahren spielen sich Behörden und Versicherungen gegenseitig den Ball zu. Die Polizei verrichtet ihre Kontrollpflicht widerwillig im Rahmen des Gesetzes (tatsächlich gibt es sinnvollere Arbeiten, als zig Diebstahl-Rapporte auszufüllen), die Versicherungen schweigen zum Thema und bieten der gebeutelten Kundschaft lediglich Neuwertversicherungen an.

Verbände und Private beissen auf Granit

Verbände und Private kämpfen seit Jahren für Verbesserungen. Angefangen bei der Nationalen Velomeldezentrale über die abgelehnte Motion für die Wiedereinführung der Veloregistratur von Nationalrat und Ex-IG Velo-Präsident Peter Vollmer bis zu Firmen beissen sich alle regelmässig die Zähne an einem griffigen Velosicherheitssystem aus. Im Moment ist dies v.a. der rührige «Veloindex»-Initiant Eugen Vetter. Er hat im vergangenen Herbst Behörden, Interessengruppen und Branchenvertreter an einen Tisch gebracht und wurde zudem bei der kantonalen Zürcher Polizeivorsteherin Rita Fuhrer vorstellig. Zusagen von VCS, IG Velo und auch ein grundsätzliches O.K. des TCS liegen vor.
Aber auch andere stehen in den Startlöchern und erproben Sicherheitssysteme. Sei es der vom Kanton Zug praktizierte Velocode, der bernische Bycicode oder das weltweit auf Objektschutz spezialisierte Unternehmen «Securmark»: Sie alle bieten Lösungen für Zweiräder an. Laut Hans W. Schmidig, Geschäftsleiter der Securmark, ist das einfache und billige Markierungssystem v.a. in Italien und Belgien an den autofreien Aktionstagen sehr erfolgreich. In der Schweiz und in Deutschland fällt das Angebot jedoch «wegen der hohen Versicherungsdichte» auf wenig fruchtbaren Boden. Kommt hinzu, dass Velofahrende kaum bereit sind, einen grösseren Beitrag für die Sicherheit des Rades zu investieren, zumal das Vertrauen in die Wiederauffindbarkeit gering ist.

Eigenverantwortung kontra Klau

Bleibt also die Eigenverantwortlichkeit. Hier haben es Velofahrende weitgehen in der Hand, ob ihr Rad leichtsinnig ein Klau-Opfer wird. Erfahrene VelofahrerInnen wissen: Einfache Speichenschlösser, Spiralkabel, Kabelschlösser, Ketten und kleine Bügelschlösser lassen sich im Handumdrehen kappen. Wer klug ist, kauft nur hochwertiges Material. Als Faustregel für den Kauf eines Schlosses kann deshalb auch gelten: 10–15 Prozent des Velowertes (siehe Marktübersicht).
Die Investition spart Ärger, und die Eigenverantwortung kann auch vor künftigen Kosten schützen. Denn «Veloindex»-Initiant Eugen Vetter will eine vorgezogene Entsorgungsgebühr wie etwa bei den Kühlschränken einführen. Damit würde die Velogemeinde noch vor der Einrichtung einer griffigen Registratur per teurere Vignetten zur Kasse gebeten. Wir haben es selber in der Hand, ob das Szenario Wirklichkeit wird.

 
TIPPS GEGEN DEN KLAU 
  1. | Nach dem Kauf unbedingt Rahmennummer notieren, weil damit ein gestohlenes Velo am einfachsten identifiziert werden kann.  
  2. | Die Kaufquittung aufbewahren. 
  3. | Der beste Schutz vor einem Schaden ist eine gute Versicherung. Der Trend geht zur Neuwertversicherung, abzüglich eines Selbstbehalts von Fr. 200.–.  
  4. | Velo immer abschliessen, auch wenn man/frau es nur kurz aus den Augen lässt. Velos nie tagelang draussen stehen lassen, schon gar nicht an Bahnhöfen und auf öffentlichen Plätzen. 
  5. | Den besten Schutz bieten grosse Bügelschlösser aus gehärtetem Stahl oder Kabelschlösser (siehe Marktübersicht). 
  6. | Velo an Pfosten, Zäunen oder in Veloständern anbinden. Hölzerne Abschrankungen, Metallketten oder Pfosten mit demontierbaren Verkehrsschildern bieten nicht genug Sicherheit. 
  7. | Sicherheitsvorrichtung mit Rädern und Rahmen verschlaufen. Schloss durch den Rahmen schieben und nicht bloss um den Sattel ziehen.
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