Szene

Deutschland auf Radkurs

Die Velobewegung und -förderung ist gut vernetzt. Das zeigt sich immer wieder an internationalen Tagungen. Zu einem Hearing des Verkehrsausschusses des deutschen Bundestages war unter anderem auch die IG Velo Schweiz eingeladen.

Mustersituationen wie in Münster und Nordrhein-Westfalen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser nördliches Nachbarland in Sachen Veloförderung einiges Potenzial aufweist. Immerhin darf sich die Bundesrepublik nun rühmen, das Thema auf höchster Ebene an die Hand genommen zu haben. Ende Januar führte der Verkehrs-Ausschuss des Bundestages ein öffentliches Hearing mit Experten aus dem In- und Ausland durch. Der Geschäftsführer der IG Velo Schweiz durfte bei dieser Gelegenheit über den aktuellen Stand in der Schweiz berichten. Auf besonderes Interesse stiessen «Veloland Schweiz» als umfassendes und gefragtes Serviceangebot, das über die einheitliche Beschilderung von Radrouten hinausgeht, und die Aktivitäten der Schweiz im Rahmen der Gesundheitsförderung.
Die Diskussion mit den ParlamentarierInnen zeigte die möglichen Handlungsfelder des Bundes auf. Zum einen steht die Erarbeitung eines Masterplanes nach dem Vorbild der Niederlande im Vordergrund. Zum anderen geht es um die Anpassung des GVFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz), das die Subventionierung von Radverkehrsanlagen entlang von Bundesstrassen ermöglicht. Allen Anwesenden klar war die Notwendigkeit, in Sachen Verkehr einen Klima- und Gesinnungswandel vollziehen zu müssen.
Für Wolfgang Grosse, den Bundesvorsitzenden des ADFC, der deutschen Schwesterorganisation der IG Velo, ist diese Anhörung ein Meilenstein auf dem Weg zu einem velofreundlichen Deutschland, auf den der Verband lange hingearbeitet hat. Mit ihm darf man gespannt sein, wie das Thema nun in der Mühle des Parlamentes weiterbearbeitet wird und welche konkreten Anträge dereinst auf der Traktandenliste des Bundestages stehen werden.
Aus Schweizer Sicht darf man sich durchaus beeindruckt zeigen über die Gründlichkeit, mit der die Deutschen das Thema Veloförderung angehen, auch wenn die Taten erst noch folgen müssen. Immerhin hatte der Bundestag schon vor einigen Jahren entschieden, dass die Regierung jährlich einen «Bericht über die Situation des Fahrradverkehrs» zusammenstellen muss. In der Schweiz warten wir noch auf einen solchen Bericht, ebenso wie auf eine Debatte zum Thema Veloförderung im Parlament. *

 
Flanierzonen vor dem Durchbruch
 
fb. Die Flanierzone nach Burgdorfer Vorbild mit Fussgängervortritt und Tempo 20 für alle Verkehrsteilnehmenden ist kurz vor dem schweizweiten Durchbruch. An einer Tagung in Burgdorf wurde das Interesse an der neuen Mischverkehrs-Zone, die in einem Jahr in die Signalisationsverordnung des Bundes aufgenommen wird, vor mehr als 100 GemeindevertreterInnen aus der ganzen Schweiz eindrücklich demonstriert. Burgdorfer Gewerbe, Stadtbauamt und Polizei priesen einhellig die Vorteile dieser "Begegnungszone", wie sie im Gesetz vermutlich heissen wird. Auch von Seiten des Bundes sind die Zweifel am Funktionieren des Mischverkehrs in Ortszentren offenbar ausgeräumt. Die Flanierzone vereinige die Forderungen von Gewerbe, zu Fuss Gehenden, Velofahrenden und AutomobilistInnen optimal, war der einhellige Tenor. Den FussgängerInnen würden zwar viele Freiheiten zugestanden, andere Verkehrsteilnehmende aber nicht wie in «reinen» Fussgängerzonen ausgeschlossen.

Weitere Infos unter:
www.modelcity.ch

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