Schwerpunkt

Was bringt der 2-Rad-Frühling?

Die 2-Rad-Messe in den Züspa-Hallen ist für viele Velofahrende das Signal, dass der nächste Velo-Frühling nicht mehr weit sein kann. Der Termin der populären Zürcher Velo-Messe ist auch das Startzeichen für den neuen Produkte-Jahrgang. velojournal zeigt, was Neues zu erwarten ist.

Nach der gescheiterten Zusammenarbeit mit Mondia und dem darauf folgenden Konkurs der Schweizer Traditionsmarke Tigra wird der Markt unter den verbleibenden Herstellern von Qualitätsvelos neu verteilt werden. Profitieren werden davon wohl in erster Linie Villiger und Cresta, welche dank Eigenständigkeit und marktnaher Innovationsfreudigkeit die besten Karten haben. Die beiden Firmen sind auch ein Beispiel dafür, dass sich eigenständige Produkte und Produktion in Europa lohnen: Der von Tigra eingeschlagene Weg des Einkaufs von fertigen Rahmen aus fernöstlichen Gross-Serien mag zwar billiger sein, führt aber doch zu einer immer grösseren Verwechselbarkeit mit noch günstigeren ausländischen Fabrikaten.

Dass der durchschnittliche Verkaufspreis eines Velos in der Schweiz doppelt so hoch ist wie im benachbarten Ausland, liegt nicht nur an den schwierigeren topografischen Verhältnissen, sondern auch an der praktischen Erfahrung vieler SchweizerInnen, dass das Verkehrsmittel Velo vom Markt und den Herstellern ernst genommen wird. Die Kooperation von Villiger mit der innovativen Bike-Firma Rotwild verspricht eine Fortsetzung dieser Politik mit einer zunehmend europäischen Perspektive.


Edel-Zwitter von Cresta/Futec

Die Zusammenarbeit von Cresta mit Futec zeigt, dass die Innovationen ebenso gut aus dem Baselbiet stammen können. Ein Beispiel dafür ist das Bi-Bike, das auf der Basis des Panterra-Rahmens von Futecs vollgefedertem Crosscountry-Bike völlig unterschiedliche Charakteristiken erhalten kann (siehe auch Vergleichstest auf Seite 20). Geschickt wurde die Scheibenbrems-Technologie ausgenutzt und das einfache Austauschen der Radsätze ermöglicht. Aus dem vollgefederten Geländevelo wird mit einem solchen Rad-Wechsel ein Edelrenner mit schmaler 28-Zoll-Bereifung – und umgekehrt. Das Bi-Bike ist allerdings nicht die einzige Attraktion am Cresta-Stand. Dort wird auch ein Prototyp der Modellstudie «Scooter» zu sehen sein. Sie verbindet den Elektro-Antrieb von SRAM mit einem neuartigen Komfort-Cruiser, welcher die Ergonomie eines Liegevelos mit der Übersicht eines herkömmlichen Stadtvelos vereinigt. Die Schwächen des Liegevelos in der Schweizer Topografie soll der Elektro-Antrieb kompensieren. Das Konzept der Cresta-Studie gleicht nicht zufällig dem vor einem Jahr von Riese und Müller vorgestellten City-Cruiser – die jungen Deutschen haben in den letzten Jahren regelmässig wegweisende vollgefederte Fahrräder entwickelt. Das nunmehr serienreife Equinox zeichnet sich durch tiefen Einstieg und die aufrechte Sitzposition mit deutlich nach vorne gerückten Pedalen aus. Dass keine Kette sichtbar ist, hat nichts mit einem unfertigen Prototypen zu tun, sondern ist der eigentliche Clou: Der Antrieb verläuft gut geschützt im Inneren der Feder-Schwinge.


Schlauchlose Reifen

Im zweiten Anlauf scheint es jetzt für die Schlauchlosen zu klappen: Die wichtigsten Reifenhersteller haben sich inzwischen dem vom Felgenhersteller Mavic entwickelten UST-Standard angeschlossen. Die bei den Autos und Motorrädern schon längst verbreitete Technologie bietet auch für Velos viele Vorteile: Verringerte Pannenanfälligkeit und erhöhte Sicherheit bei niedrigem Luftdruck, sowie weniger Rollwiderstand. Mit Michelin, Hutchinson, Schwalbe, Continental und GEAX dürfte die Auswahl an MTB-Reifen kein Problem mehr sein. Zu hoffen ist vielmehr, dass das Angebot an schmaleren Semi-Slicks die Anwendung im Alltags- und Tourenbereich erschliesst. Auch bei den Rennvelos dürfte den schlauchlosen Reifen bald einmal die Zukunft gehören.


Accessoires

Vom Velohändler kann nicht erwartet werden, dass er die ganze Vielfalt kennen oder gar in seinem Laden zeigen kann: Die Züspa-typische Marktnähe ist für viele eine Gelegenheit, auch Zubehör, Accessoires und funktionelle Erweiterungen für das vielseitige Zweirad auf Nutzen und Gefallen zu begutachten. Genaues Hinschauen lohnt sich, weil Konstruktion und Qualität nicht immer mit dem ersten Augenschein übereinstimmen. Moderne Rahmenformen verlangen beispielsweise nach anderen Seitenständern; Pletscher ist führend bei Veloständern und Gepäckträgern und hat neu eine Lösung für variable Winkel beim Hinterbau entwickelt. Breit ist auch das Programm von Topeak: Mit den funktionell designten Zubehörteilen – vom Satteltäschchen über das Steckschutzblech und die passende Pumpe bis zum gefederten Kindersitz – kann häufig eine Lösung gefunden werden. Der durchdachte Kindersitz lässt sich an vielen Mountainbikes nachrüsten, der Gepäckträger ist dabei Teil des Systems. Der Sitz kann mit einem patenten Keil sekundenschnell und bombenfest mit dem Träger verbunden werden, in der passenden Mama-San-Tasche hat das Nötigste für das Kleinkind Platz, eine Wickelmatte wird in einer der Innen- und Aussentaschen schon mitgeliefert.

 

1 | Equinox
Equinox von Riese und Müller voll im Trend: Voll gefedert, mit innenliegender Kette und relaxter «Cruiser»-Position ist dieses Komfortrad für urbane GeniesserInnen gedacht. Die kleinen Räder sorgen für Handlichkeit und leichtes Abstehen, dank einstellbarer Federung kommt der Komfort dennoch nicht zu kurz.
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 2 | GEAX
GEAX setzt auf UST-Schlauchlos-Ausrüstung. Bei den Rädern und Felgen ist Mavic fast der einzige Anbieter. Das ältere Rigida System ist nur bedingt UST-kompatibel.
 
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 3 | Topeak
Ausgerüstet mit Träger und Mama-San Tasche ist der Topeak-Kindersitz praktisch und durchdacht. Er eignet sich besonders gut für die Nachrüstung eines Bikes mit starrem Hinterbau.
 
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 4 | Bi-Bike
Der vollgefederte Rahmen des Cresta Bi-Bike kann durch Austausch der Radsätze als wendiges MTB-Fully oder als edles Strassenvelo auf schnellen 28-Zoll-Rädern genutzt werden. Im Preis von 4’890.– inbegriffen: 2 Radpaare und XT-Scheibenbremsen.
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