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Full Suspension Mountainbikes

Vollgefederte Cross-Country-Bikes stellen die höchsten Anforderungen bezüglich Handlichkeit, Federungseigenschaften, Gewicht und Haltbarkeit. velojournal testet vier aktuelle «Fullies» aus Schweizer Werkstätten, respektive hiesigen CAD-Computern.
Cross-Country-Fullies müssen Alleskönner sein, weil sie sich bergauf über Wurzeln und Steine ebenso bewähren müssen wie in der ruppigen Abfahrt. Robustheit, zupackende Bremsen und leichtes Gewicht zu vereinen und dazu eine feinfühlig ansprechende Federung mit ausdauernden Gelenken zu konstruieren, gleicht fast der Quadratur des Kreises. Diese Eigenschaften entscheiden aber über Erfolg oder Misserfolg, sei es beim Marathon-Rennen oder der längeren Bike-Tour.
 
Entspannung bergauf
 
Ist der Nutzen der Federgabel – mit wachsenden Federwegen – kaum mehr umstritten, stellt sich für viele immer noch die Frage, welchen Nutzen die Hinterbau-Federung an Cross-Country-Velos beim Bergauffahren bringt. Die Antwort hat sich mit der Weiterentwicklung der Rahmen-Geometrie und der Federbeine stark vereinfacht: Sowohl was Ansprechverhalten, Zuverlässigkeit, Einstellbarkeit als auch die oft vermuteten Energieverluste betrifft, können die getesteten Velos von Arrows, BMC, Futec und MTB Cycletech empfohlen werden, zumal sich ihr Gewicht trotz des hohen technischen Aufwandes in Grössenordnungen bewegt, in denen vor Kurzem nur ungefederte Bikes zu finden waren. Gerade bei der wichtigen Frage der Energieverluste durch das Einfedern beweisen die Testbikes, dass ein Umdenken nötig ist: Am deutlichsten zeigten die beiden Mehrgelenker Quasimodo und Stinger, dass die über Wurzeln und Steinbrocken in der Federung gespeicherte Energie kontrolliert wieder zurückgegeben wird. Auf längeren Strecken im Gelände kann dies viel Energie sparen, weil die besonders strapaziösen kurzen Spitzenbelastungen stark reduziert werden. Auch bei den beiden Eingelenkern Sirius und Panterra wurden diese Vorteile deutlich: Allerdings mag das hier besser sichtbare Einfedern die Skeptiker weniger leicht von den Vorteilen überzeugen, besonders, wenn die Federbeine sinnvollerweise auf leichtes Ansprechen getrimmt wurden. Trotzdem: Nur wer mehrheitlich auf befestigten Strassen bergauf fährt, wird von einem starren Hinterbau – oder von einem fixierten Federbein – noch Vorteile haben.
 
Federbeine und Gabel: Einstellungssache
 
Das hohe Niveau der Federungstechnologie mag bei vielen FahrerInnen den Spieltrieb ansprechen. Eine gut funktionierende Federung setzt aber Kenntnisse voraus, die auch bei vielen Velo-Shops noch nicht immer selbstverständlich sind. Die gut konstruierten Federgeometrien zeigten sich bei den Testvelos am deutlichsten daran, dass sich die Federvorspannung auf das Körpergewicht einstellen lässt. Der Vergleich der Geometrien gestaltete sich umso einfacher, als alle Bikes mit fast identischen Federgabeln und Federbeinen ausgestattet waren: Die luftgefederten SID-Beine lassen sich über die Haupt-Luftkammer mit einer fein einstellbaren Pumpe genau abstimmen, über die kleinere Kompensationskammer kann zusätzlich das Druckluft-typische Losbrechmoment reduziert werden, sodass ein sehr spontanes Federverhalten erreicht werden kann. Der einstellbaren hydraulischen Öl-Dämpfung kommt die Aufgabe zu, die Schwingungen des Federbeins im Schach zu halten, damit der Kontakt des Hinterrades mit dem Boden nicht verloren geht: Damit lassen sich bergauf Traktionsverluste minimieren, bergab verbessert die richtig eingestellte Dämpfung das Bremsverhalten. Die Feineinstellungen sind eine Frage der Fahrpraxis und sollten systematisch und mit Bedacht vorgenommen werden, da die Veränderungen sich gegenseitig beeinflussen.
Die leichten SID-XC- und Race-Gabeln, die auf allen Bikes für die vordere Federung sorgten, sprachen ohne die Belastung durch die Scheibenbremsen gut an und zeichneten sich durch mässige Verwindung aus. Nicht ideal ist das Verziehen der Gabeln bei Beanspruchung durch die Scheibenbremse, welches das Ansprechen der Federung beeinträchtigt. Eine Verringerung der Verwindung bringt bereits die Reduktion des Federweges vom möglichen Maximum auf ca. 80 mm. Wer Wert darauf legt, auch bergab beim Bremsen über die volle Federwirkung zu verfügen, sollte sich zwischen den diesbezüglich unproblematischeren V-Brakes oder einer stabileren – und etwas schwereren – Gabel wie der Psylo von Rock Shox entscheiden.
 
Scheibenbremsen
 
Obwohl auch moderne V-Bremsen kräftig zupacken, gehört den ungemein kräftig und fein dosierbaren Scheibenbremsen die Zukunft, denn die Vorteile wie Unempfindlichkeit, kein Abrieb der Felge und Kompatibilität des Bremssystems sollten bei diesen Velos den Mehrpreis wert sein. Die Bikes wurden daher soweit möglich mit Scheibenbremsen getestet: Arrows und BMC bremsen mit den bewährten Scheiben der Hydraulik-Spezialisten Magura, Futec verbaut am 2001er Pro Disc. Separat getestet wurden Hayes-Scheiben, die sich mit den Sintermetall-Belägen als sehr zupackend erwiesen. Der Stinger hatte die Vier-Kolben-XT-Scheibenbremse von Shimano montiert, die deutlich sanfter zur Sache geht als die Hayes und die Magura. Ein nachträgliches Umrüsten auf Scheiben ist zwar bei vorbereiteten Rahmen und Gabeln möglich, verlangt aber auch nach neuen Naben. Hydraulische Scheibenbremsen brauchen kaum Unterhalt. Wenn es einmal so weit ist, sollte aber eine zuverlässige Werkstätte verfügbar sein, da die verschiedenen hydraulischen Systeme eine strikte Einhaltung von «hygienischen» Vorschriften verlangen. Eine Verschmutzung einer Bremsflüssigkeit kann zu Bremsausfällen führen. Shimano geht so weit, dass die Systeme nur geschlossen ausgeliefert werden und daher nicht abgelängt oder in Ösen eingezogen werden können: Daher die eher unschönen Überlängen des Metallgeflecht-Schlauches.
 
Positives Gesamtbild
 
Die meisten Bikes sind in verschiedenen Varianten verfügbar, unsere Wahl fiel auf leichte Disc-Versionen für den Marathon- und Toureneinsatz. Die Bikes werden alle komplett für ihren Einsatzzweck gerüstet mit Klickpedalen geliefert. Bei den Reifen spielt der Einsatzzweck eine Rolle: Zusammen mit Scheibenbremsen sollten aber eher breitere traktionsstarke Reifen bevorzugt werden, denn mit den leichtesten Modellen konnte das Brems-Potenzial nicht genutzt werden.
Wohin mit dem Bidonhalter an voll gefederten Rahmen? BMC macht den Buckel und liefert einen speziellen Flaschenhalter mit seitlicher Entnahme dazu, auch beim Stinger hat ein 7-dl-Bidon Platz, beim Panterra und Sirius ist der einzige dreckgeschütze Halter auf dem Oberrohr im Abstehbereich möglich. Die Technik der vollgefederten Bikes ist inzwischen sehr ausgereift. Probleme traten weder an den Mehrgelenkern Stinger und Quasimodo noch an den mit einem Gelenk etwas einfacher konstruierten Sirius und Panterra auf. Dem Preisniveau entsprechend kamen die Bikes gut und sinnvoll ausgestattet daher, ohne Versuche, an versteckten Stellen noch Rappen zu sparen. Gesamthaft hinterliessen die getesteten Velos den Eindruck, dass es – ausser den Kosten – kaum Gründe gibt, sich den erholsamen Bike-Spass nicht mit einem Fully aus einheimischer Küche zu gönnen.

  1 | Futec Panterra
Aufgeräumt: Innenliegende Kabel und schwungvolle Rohre beim Futec Panterra. Ein wendiger Eingelenker für GeniesserInnen.
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  2 | Arrows Sirius
Das leichteste Bike im Test ist erste Wahl für Marathon-Spezis. Mit den schmalen Reifen limitierte Brems-Gewalt der Magura Louise. Der nützliche Spritzschutz ist im Lieferumfang ebenso enthalten wie die Mavic 317 Räder (Disc-Version).
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  3 | BMC Quasimodo
Laufruhe pur dank gekonnter Hinterbau-Geometrie aus der Tribe-Craft-Küche und dem längsten Radstand im Test. Das originelle Halstuch schützt die Lenkung vor Erkältung – und Schmutz. Das abgebildete 2001 Quasimodo ND hat breitere Reifen (im Bild V-Brake-Version).
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  4 | MTB Cycletech Stinger
Der fast unveränderte Klassiker ist dank kurzem Radstand auf Single-Trails bergauf und bergab im Element. Anlötteile für Spritzschutz und 2 Bidonhalter vorhanden.
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GLOSSAR
Federbein hinteres Federelement, vereint Dämpfung und Federung
Federgabel vorderes Federelement, vereint Dämpfung und Federung
Dämpfung bringt die Schwingungen der Feder unter Kontrolle
Federung ermöglicht die Nachgiebigkeit des Rades
Stahlfeder linear Feder mit Gewichtsnachteilen und leichtem Ansprechverhalten
Elastomer leichtere Feder als Stahl, aber progressiv und temperaturabhängig, leichte Eigendämpfung möglich
Luftfeder leichtestes Feder-Medium, stark progressiv
Losbrechmoment Kraft zur Überwindung der Haftreibung, besonders deutlich bei Luft-Federn
Eingelenker einfachste Hinterbau-Konstruktion; Position des Drehpunkts entscheidet über Einfluss des Kettenzuges beim Aufstieg
Mehrgelenker aufwändigere Konstruktion, mit der die Krafteinflüsse der Kette und Bremse genauer unter Kontrolle gebracht werden können
Federrate Verhältnis von Kraft und Weg der Federung
progressiv bei zunehmendem Weg verhärtend
linear Federrat unabhängig von Weg
degressiv bei zunehmendem Weg weicher
Traktion Kraftübertragung beim Bremsen und Beschleunigen

Typ/Hersteller Hinterbau F’weg* Feder- element Ge- wicht Bremsen Schal- tung Gabel F’weg* Preis
MTB Stinger
MTB Cycletech
www.mtb-cycletech.ch
Mehrgelenk 80mm RS SID 12.75 XT Disc Deore XT RS SID Racing 100 mm 4598.–
Quasimodo ND
BMC
www.bmc-racing.com
Mehrgelenk 80mm RS SID Race 12.25 Magura Clara XT RS SID XC 80 mm 4899.–
Sirius Red Racing
Villiger Arrow
www.arrowbikes.com
Aktiver Einge- lenker 95mm RS SID 12.15 Magura Louise XT RS SID XC 80 mm 5699.–
Panterra Pro Disc
Futec
www.futec.ch
Aktiver Einge- lenker 82mm RS SID 12.5 Hayes XC XT RS SID XC 100 mm 5253.-
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