Stadtverkehr: Service fürs Velo
Wie Autos sollten auch Velos regelmässig gewartet werden – aus Kosten- und Sicherheitsgründen. René Bortolani
Einmal im Jahr erhalte ich von meiner Garage einen Brief, in dem mir mitgeteilt wird, ein Service sei fällig und ich solle einen Termin vereinbaren. Ich fahre mein Auto zur Garage und vertraue den Mechanikern, dass sie wissen, was zu tun ist. Nach getaner Arbeit glaube ich ihnen, dass mein Auto für die nächsten paar tausend Kilometer in Ordnung sei.
Mit meinem Velo gehe ich bedeutend fahrlässiger um. Ich bringe es meist nur dann zu Martin Stocker in die «Velogarage», wenn ich einen Platten habe oder ein neues Licht brauche, weil mein altes wieder einmal gestohlen wurde, wenn die Gänge harzen oder die Kette verschmutzt und verklebt ist. Dabei fahre ich rund 2000 Kilometer pro Jahr, zur Arbeit und zum Vergnügen, auf Asphalt und Waldwegen, (fast) bei jedem Wetter – und bin eigentlich daran interessiert, ein funktionstüchtiges und sicheres Verkehrsmittel zu haben. Allerdings schreibt mir Martin auch keine Briefe, keine E-Mails und keine SMS mit der Aufforderung, mein Velo vorbeizubringen. Ich rufe ihn an: «Wie wichtig ist ein Veloservice?» Er sagt: «Sehr wichtig. Es zahlt sich vor allem kostenmässig aus, sein Velo einmal im Jahr oder – wenn man viel fährt – alle Halbjahre warten zu lassen. Und es erhöht die Sicherheit.»
Wer beispielsweise, so erläutert er, mit abgeschliffenen Bremsklötzen fährt, beschädigt die Felgen. Beides zu reparieren, kostet mehr, als die Bremsklötze rechtzeitig zu ersetzen. Grundsätzlich gelte: Mechanisches muss regelmässig gefettet und geölt werden.
Martin sagt, er fahre manchmal mit seinem Velo an einem anderen vorbei, das fürchterlich quietscht und klappert. Dann könne er sich nicht verkneifen, dem Fahrer dieses Velos seine Visitenkarte zuzustecken.
«Warum», frage ich Martin, «bietest du deine Kunden nicht schriftlich zum Veloservice auf.» – «Gute Idee», sagt er, «ich überlege mir das.» Vorsorglich vereinbare ich gleich am Telefon einen Termin mit ihm.
René Bortolani war Chefredaktor von Zeitschriften wie «Annabelle», «Tages-Anzeiger-Magazin» und «Schweizer Illustrierte».
Er ist als Berater für Kommunikation und Medienarbeit, als Sprach- und Schreibcoach sowie als Dozent tätig. Sein bevorzugtes Verkehrsmittel ist das Velo.