Kultur
Villiger fährt um die Welt
Mit dem Velo durch die Welt zu fahren, ist für Leo Villiger eine spirituelle Erfahrung. Der gelernte Bauer kam allerdings erst spät und nach ein paar Verkehrsverstössen dazu. Bruno Angeli
Der 53-jährige, ausgebildete Landwirt Leo Villiger lebt und arbeitet in
Fruthwilen im Kanton Thurgau. Hier bewirtschaftet er ein paar Hektaren
Kulturland. Beeren, vor allem Himbeeren und Kirschen, sind im Sommer
seine Einnahmequelle. Im Winter betätigt sich Villiger als freier
Forstarbeiter. Und seit 1993 ist er immer wieder auf grossen Velotouren
unterwegs. Zuerst bereiste er auf mehrwöchigen Touren den Alpenraum.
«Gegenüber anderen Menschen nehme ich immer eine neutrale Position
ein», sagt Villiger. Und diese Unvoreingenommenheit ist es denn auch,
die ihm bei Begegnungen mit anderen Menschen immer wieder zugutekommt.
Leo Villiger entdeckte das Velo erst spät. Als junger Mann musste er
mehrmals den Führerschein abgeben. «Ich liess mich hetzen, war
ungeduldig», blickt er auf jene Zeit zurück. Doch dann wechselte er
seine Fortbewegungsmittel und fuhr bald nur noch Traktor und Velo. Vor
sieben Jahren starb dann Villigers Mutter, mit der er eine
Wohngemeinschaft führte. Der gläubige Mann unternahm daraufhin eine
einmonatige Veloreise nach Lourdes und Santiago de Compostela. Diese
Tour bildete den Auftakt zu weiteren, längeren Veloreisen. Er suchte
dabei christliche Orte auf und lebte unter anderem in
Franziskanerklöstern. Villiger fuhr 2003 quer durch die USA, 2005
stand eine Zentralamerika-Reise auf dem Programm, und 2007 fuhr er
durch Nord- und Ostafrika. Zwischen Dezember 2008 und April 2009 war
der Thurgauer in Südamerika auf Tour – 8000 Kilometer von Caracas bis
nach Santiago de Chile. Zurück in Fruthwilen, geht der bodenständige
Mann seiner gewohnten bäuerlichen Arbeit nach. Aber abends studiert er
Landkarten aus aller Welt. Bald gehts wieder los!