Stadtverkehr: Helme retten Leben
Velohelm ja oder nein? Unser Kolumnist René Bortolani stellt sich auf den Standpunkt der Befürworter des Kopschutzes. René Bortolani
Bei der diesjährigen Tour de France stürzte der 38-jährige Deutsche
Jens Voigt schwer. Wie die Zeitlupenaufnahmen zeigten, rutschte dem
Radrennfahrer in der Abfahrt vom Kleinen St. Bernhard bei Tempo 80
wegen einer kleinen Unebenheit das Hinterrad weg. Er schlug mit dem
Kopf und der Schulter auf der Strasse auf. Diagnose:
Gehirnerschütterung und ein Jochbeinbruch. Voigt trug einen Velohelm.
Das hat ihm aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben gerettet. Im
Radsport herrscht Helmpflicht. Wie im Skisport. Wie für Motorradfahrer.
Wie auf exponierten Baustellen.
Was für die Profis selbstverständlich ist, wird unter Amateuren, welche
die Velowege in Stadt und Land bevölkern, noch immer diskutiert. Allen
Ernstes – und auf beiden Seiten mit fast sektiererischem Eifer. Nichts,
so höre und lese ich, entzweit die Velogemeinde mehr als die Debatte um
die Velohelmpflicht.
Die Befürworter beherzigen den Slogan «Kluge Köpfe schützen sich». Die
Gegner behaupten, dass Velohelme die Zahl der Kopfverletzungen nicht
reduzieren würden und berufen sich auf entsprechende Statistiken. Und
sie wollen wissen, dass bis zu 30 Prozent der Velofahrer auf ihr
bevorzugtes Verkehrsmittel verzichten würden, wenn sie einen Helm
tragen müssten. Die gemässigten Gegner befürworten das Tragen von
Helmen, lehnen aber eine Helmpflicht ab. Sie sagen: Ja, aber …
Ich sage Ja ohne aber. Doch mehr als auf Zwang setze ich auf Aufklärung
und Erziehung. Eltern sollten ihre Kinder dazu anhalten, auf Skipisten
oder beim Velo fahren Helme zu tragen. Und die Eltern sollten dabei mit
gutem Beispiel vorangehen, was nicht alle tun. Immer wieder treffe ich
auf meinen Velofahrten Familien auf Fahrrädern an – die Kinder mit, die
Eltern ohne Helm.
Ich wage die Prognose, dass die Velohelmpflicht in der Schweiz eines
nicht allzu fernen Tages eingeführt werden wird. Aus einem einfachen
Grund: Manchmal muss der Staat der Vernunft zum Durchbruch verhelfen
und seine Bürgerinnen und Bürger vor sich selber schützen. Der Sturz
des erfahrenen Radrennfahrers Jens Voigt beweist: Helme retten Leben –
also sollten alle einen tragen (müssen).
René Bortolani war Chefredaktor von Zeitschriften wie «Annabelle», «Tages-Anzeiger-Magazin» und «Schweizer Illustrierte».
Er ist als Berater für Kommunikation und Medienarbeit, als Sprach- und
Schreibcoach sowie als Dozent tätig. Sein bevorzugtes Verkehrsmittel
ist das Velo.