Schwerpunkt
Elektrovelos stärken den Fachhandel
Mit rund 315000 neuen Velos bewegten sich 2008 die Verkäufe in der Schweiz knapp über Vorjahresniveau. Vor allem dank des anhaltenden Elektrobooms stieg der Branchenumsatz um 6,5 Prozent auf 394 Millionen Franken. Peter Hummel
Die Verbandsstatistik zeigt für das Jahr 2008 für mehrere Velotypen
leicht rückläufige Verkäufe. Kompensiert wurden diese jedoch durch die
Elektrovelos. 11631 E-Bikes wurden abgesetzt, also doppelt so viele
wie im Jahr zuvor. Mit einem Marktanteil von fast vier Prozent werden
E-Bikes inzwischen fast so häufig verkauft wie klassische
Strassenrenner
In der Schweiz buhlen über 80 Fahrradmarken um KonsumentInnen.
Fachmärkte, Grossverteiler und Internetanbieter liefern dem Fachhandel
harte Konkurrenz. Letzterer konnte seine Position allerdings trotz der
Billiganbieter wieder ausbauen. Professionelle Beratung und guter
Service zahlen sich aus, und der E-Bike-Boom bringt den Fachgeschäften
viele neue Kunden.
Velokäufer sind in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden,
kommen aber auch besser informiert ins Geschäft und sind preisbewusster
geworden. Jede und jeder sucht sich genau jenes Velo, das zu ihr oder
zu ihm passt. Die Folge davon ist eine immer stärkere Segmentierung der
Produkte und Dienstleistungen. Die Ausweitung des Modellangebotes und
die Individualisierung mit den «Custom-Bikes» lassen allerdings die
Lagerhaltung zum Problem werden. Dies mache in näherer Zukunft neue
Dienstleistungen nötig, kommentiert der Branchenverband Velosuisse.
Statistik ist nicht mehr aktuell
Diese Verkausfzahlen des Branchenverbandes werden allerdings seit
Jahren in Frage gestellt, denn die eidgenössische Zollstatistik weist
wesentlich höhere Velo-Importzahlen aus. Gallus Komenda, bis Ende
letzten Jahres Verbandspräsident, erklärt die Differenz hauptsächlich
mit Lagerbeständen und den in der Verbandsstatistik nicht
mitgerechneten Kindervelos. Immerhin sei durch die kontinuierliche
Zählweise der jährliche Vergleich gewährleistet. Vermutet wird, dass
sich hinter den 60000 in der Zollstatistik aufgeführten günstigen
Kindervelos zum Teil auch Billigvelos für Erwachsene «verstecken».
Ungereimte Hochrechnungen
Aus der Branchenstatistik geht hervor, dass der Absatz der
Grossverteiler innert Jahresfrist um acht Prozent gesunken und deren
Marktanteil auf unter 30 Prozent gefallen sei. «Ungereimt» sind in
diesem Zusammenhang auch Einzelpositionen, die der Verband den
Grossverteilern zuordnet: Keine Crossbikes und 150 E-Bikes? Hintergrund
dieser merkwürdigen Zahlen ist die Tatsache, dass die Grossverteiler
keine Absatzzahlen mehr liefern, wie Gallus Komenda bedauert. Deshalb
müssen die Gesamtzahlen hochgerechnet werden.
Eine Neugliederung der Statistik wäre dringend notwendig: Statt die
Verkäufe nur in Fachhandel und Grossverteiler aufzuteilen, sollten neu
auch die Direktvertreiber separat erfasst werden. Dazu gehören
Lieferanten wie Simpel.ch, Stöckli oder Thömus. Sie werden in der
aktuellen Statistik noch zum Fachhandel gezählt, obwohl sie diesen mit
ihrer Expansion zunehmend konkurrenzieren. Auch die Verkäufe in den
«qualifizierten» Fachmärkten sollten separat erfasst werden. Dazu
gehören etwa Athleticum, Coop, Migros und Ochsner. Daneben gibt es die
Billigmärkte und die Discounter.
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