Sport
Ein neues Radabenteuer namens Tortour
Ein neues Nonstop-Radrennen verläuft durch sechzehn Kantone der Schweiz, führt über eine Gesamtstrecke von 1000 Kilometern Länge und umfasst 15000 Höhenmeter. Der Name der Veranstaltung ist dabei Programm: Tortour. Graziano Orsi
Definition des Begriffs Tortur: Er stammt aus dem 16. Jahrhundert und
leitet sich vom lateinischen tortura (die Krümmung, die Verrenkung) ab.
Die übertragene Bedeutung meint: Folterung, Marter, Peinigung. Und wenn
Tortur mit einer Biketour verbunden wird, entsteht das erste mehrtägige
Nonstop-Radrennen der Schweiz: Tortour. Nomen est omen: 1000 Kilometer
und 15000 Höhenmeter müssen die Teilnehmenden bewältigen – tagsüber und
nachts. Start und Ziel befinden sich in Neuhausen am Rheinfall. «Wir
wollen in der Schweiz eine führende Ausdauersportveranstaltung für
Breiten- und Spitzensportler etablieren», sagte Hape Narr,
Geschäftsführer der Tortour GmbH und OK-Mitglied.
Gestartet wird am Freitagmorgen, 21. August, um 6 Uhr. Und am Sonntag,
23. August, um 10 Uhr ist Zielschluss. In diesem Zeitintervall gilt es,
eine Strecke zurückzulegen, die zu Beginn dem Bodensee entlang und dann
nach Graubünden führt. Es folgen die Pässe Julier, Oberalp, Gotthard
und Nufenen (aufs «Dach» der Tour). Durchs Wallis gehts dann über
Morges, Estavayer-le-Lac, Delémont und Zurzach zurück nach Neuhausen.
Die Tortour führt durch insgesamt sechzehn Kantone.
«Erfinder» dieses Wettbewerbs waren 2007 Hape Narr, Matthias Knill,
Günter Wagner und Joko Vogel. In der Extremradsportszene gelten sie als
feste Grössen, da sie entweder als Fahrer oder als Crewmitglied beim
härtesten Radrennen der Welt, dem Race Across America (RAAM), mit dabei
waren. Hape Narr wurde dort 2007 Sieger im Zweierteam. Mittlerweile
besteht das erweiterte Tortour-OK aus 27 Personen.
Investition in ein Pionierrennen
Die Startliste umfasst gegenwärtig 85 Personen (Stand Mitte Juni), die
sich auf drei Kategorien verteilen: Solofahrerinnen und -fahrer,
Dreier- und Sechserteams. «Wir sind mit der Anzahl Anmeldungen absolut
zufrieden», sagt Matthias Knill, der für die Kommunikation bei der
Tortour zuständig ist. Die Szene funktioniere hervorragend. «Breiten-
und Spitzensportler haben die Tortour wahrgenommen, obwohl wir im
ersten Jahr auf Anzeigen oder Broschüren verzichteten», ergänzt er.
Damit ist auch das Stichwort Geld gefallen. Das Startgeld beträgt 890
Franken für Solofahrende, 1800 Franken für die Dreier- und 2700 Franken
für die Sechserteams. Das Budget für die erste Tortour bewegt sich im
Bereich eines tiefen sechsstelligen Betrags. Die Geldsuche war zwar
alles andere als einfach, aber dennoch konnten mehrere Partner und
Sponsoren gefunden werden. Eine Ausdauerleistung erfordern auch die
nötigen Bewilligungen. «Alle sechzehn Kantone wurden angefragt. Erste
Bewilligungen liegen vor. Zurzeit läuft alles planmässig», erklärt
Matthias Knill.
Race Across America als Vorbild
Es braucht ohne Zweifel Mut, organisatorisches Geschick und ein
intaktes Netzwerk von begeisterungsfähigen Leuten, um in der Schweiz
ein neues Rennen im Ultradistanzbereich zu lancieren. Denn: Das
traditionelle Wysam 333, das neunmal durchgeführt wurde, findet in
diesem Jahr aus diversen Gründen nicht mehr statt (siehe
www.wysam333.ch). Mit dem RATA (Race Across the Alps) und dem Schweizer
Radmarathon existieren bereits zwei Ultradistanzrennen, die durchs Land
führen. Ausserdem haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim
Schweizer Radmarathon die Möglichkeit, sich für das RAAM zu
qualifizieren. Diese Option bietet die Tortour nicht an. «Wir wollen
primär ein unvergleichliches und einmaliges Abenteuer im Veloland
Schweiz ermöglichen. Eine Partnerschaft mit einem anderen Rennen könnte
später einmal ein Thema sein», sagt Matthias Knill. Die Tortour-Macher
sind überzeugt, dass das neue Nonstop-Radrennen grosses Potenzial hat.
«Es gibt wenige Extremrennen in Europa. Wenn ein solches in der Schweiz
stattfindet, dann sollte ein Schweizer Extremradfahrer auch daran
teilnehmen», begründet Thomas Ratschob aus Siebnen seine Teilnahme. Er
legt rund 35000 Kilometer pro Jahr zurück.
Das «Tag und Nacht»-Virus
In der Funktion als Organisator wird hingegen Ivano Deana bei einem
Sechserteam mit dem Namen Springböcke Schaffhausen tätig sein. Dieser
Verein hat gemäss den Statuten den Zweck, «die gute Kameradschaft aus
alten Zeiten bei sportlichen und unterhaltsamen Anlässen zu pflegen».
Zweifelsohne übt die Tortour einen hohen sportlichen Reiz aus. Nicht
alle werden sie wohl «on the road» als unterhaltsam bezeichnen. Für
Hape Narr steht jedoch fest: «Wer einmal Tag und Nacht gefahren ist,
den lässt das Virus nicht mehr los.»
www.tortour.ch
Die Initianten der Tortour
Hape Narr:
Kommunikationsdesigner, Schaffhausen. Ironman Hawaii, 2-mal Race Across
America, 2005, 2007 (Sieger 2er-Team), Ultra-Cycling-EM 06.
Günter Wagner: Unternehmer, Schaffhausen. Teamchef des Teams IWC Schaffhausen am Race Across America 2005 und 2007.
Joko Vogel: Experte für Szenenmarketing, Zürich. Triathlet/Gigathlet, Crewmitglied Race Across America 2007.
Matthias Knill: Kommunikationsberater, Zürich/Schaffhausen. Ironman Hawaii (2-mal) und Race Across America. 2005 (2. Platz 4er-Team).