
Sehr geehrter Dr. V. Love
Der Vormarsch der elektrobetriebenen Geh- und Fahrhilfe Segway ist
nicht aufzuhalten: Nun ist sie schon für das Gartenbauamt im Einsatz,
und die Polizei fährt damit in verschiedenen Städten der Welt schön
länger herum.
Bisher habe ich gedacht, dass Segways vor allem von faulen Touristen
auf Städtetouren verwendet werden. Ich verstehe die Vorteile: kein
Benzinverbrauch, niemand kann damit hinfallen (ausser natürlich George
W. Bush). Aber niemand spricht von den Problemen: verstellte Trottoirs,
auf denen faule Staatsdiener herumkurven, ganz zu schweigen von den
übergewichtigen Touristen. Endlich sind die Gehsteige von Autos
einigermassen freigeräumt. Folgt nun auf leisen Sohlen –
beziehungsweise Rädern – der nächste Angriff auf die knappen
Platzverhältnisse?
Mit freundlichen Grüssen
T. W., Hombrechtikon
Sehr geehrter Herr Way
Ihre Sorge ist nicht unberechtigt. Allerdings sehen Sie – typisch
schweizerisch – nur das Trottoir und die Platzverhältnisse als Problem.
Ich sage Ihnen jedoch: Die Grundfesten unseres Staates und unserer
Gesellschaft werden hier nachhaltig erschüttert.
Zu den weniger bekannten Nachteilen der Segways gehört nämlich, dass
sie Schönwetterfahrzeuge sind. Bei Regen stellt sich keiner darauf, bei
Schnee kommt man mit dem Segway keinen Meter weit. Wenn nun aber Parks
nur noch bei gutem Wetter geräumt und Verbrecher von der Polizei nur
noch bei Sonnenschein gefasst werden, sehen wir düsteren Zeiten
entgegen. Verbrecher nutzen Regenwetter aus, um ihren Geschäften
nachzugehen und können sicher sein, dass sie keiner erwischt. Statt die
Bürger in schlechten Zeiten zu schützen, verkommt die Polizei zur
reinen Schönwettertruppe.
Die Konsequenzen können Sie sich ja ausdenken: Rechtlosigkeit,
Anarchie, moralischer Zerfall. Deshalb appelliere ich an die
Velofahrenden: Stoppen Sie den Siegeszug des subversiven Segways!
Räumen Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Segway aus dem
Weg. Dann löst sich auch das Platzproblem von selbst.
In Verbundenheit
Ihr Dr. V. Love
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