Dr. V. Love

Dr. V. Love

Vorsorgliche Verschandelung


Im velojournal lese ich immer wieder, wie schön unsere Pässe mit dem Velo zu befahren sind. Traurige Tatsache aber ist: Kaum beginnt der Frühling, braust alles, was einen Motor unter dem Hintern hat, wieder den Berg hoch und runter und verpestet die Luft. Vom Lärm ganz zu schweigen. Oder wie es in einer Werbebroschüre steht: «Gut ausgebaute Pass- und Landstrassen, glitzernde, saubere Seen und Flüsse, ein dichtes Tankstellen- und Gastronomienetz, überschaubare Distanzen und 370000 eingelöste Motorräder – die Schweiz ist ein sinnliches Töffparadies.»
Hilfe! Was kann gegen diese Seuche unternommen werden?
Harald K. aus R.

Sehr geehrter Herr Krombor
Sie sprechen von einer «Seuche», gegen die Sie zweifellos gröberes Geschütz auffahren möchten, nicht? Wie wäre es mit der Verhängung einer Quarantäne über alle Biker-Treffs? Oder sind Sie eher für eine gezielte physische Eliminierung der schlimmsten Seuchenherde? Sie wollen doch nur den Körper der Schweiz – Berge und Seen – sauber halten! Antworten Sie!
Nun, wir müssen vorsichtig sein mit unseren Wünschen: Im Namen der Reinheit wurden schon ganze Völker ausgerottet. Statt mit wilder Brutalität Auswüchse zu bekämpfen, setzen wir besser an der Wurzel an – bei Ihnen. Als ökologisch bewusster Mensch haben Sie die Grundlage für den Töff-Boom gelegt: Sie stehen ein für den Naturschutz. Als Mitglied der Grünen und Linken stemmen Sie sich gegen Entwicklungsprojekte in den Bergen und bekämpfen die Zubetonierung der Schweiz. Würden Sie damit aufhören, wären unsere Pässe und Landschaften längst nicht so attraktiv. Statt grüner Weiden hätten wir Fabriken und Einfamilienhäuser.
Statt also die Eliminierung der Motorradfahrer zu fordern, sollten Sie sich besser für mehr Landschaftsverschandelung einsetzen. Wenn nur erst auf jedem Pass ein Wasser- oder – noch besser! – ein Atomkraftwerk steht, bleiben auch die Töfffahrer weg. Garantiert.

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