Szene
«twoo» zum Zweiten
Die Zweitauflage der Velomesse «twoo» in Basel vermochte deutlich mehr Publikum in die Muba-Halle 3 zu locken als das Debüt. Dazu trugen auch die Shows bei, während sich die Ausstelleranzahl in einem ähnlichen Rahmen bewegte wie im Vorjahr.
Peter Hummel
Vor Jahresfrist hatte die Messe Schweiz in Basel innert weniger Monate
die «twoo» als neue Schweizer Fahrradmesse aus dem Boden gestampft.
Messeleiter Frank Malter konnte dabei dank seiner Kontakte zur
Velobranche mit rund fünfzig Ausstellern auf Anhieb einen
Achtungserfolg erzielen. Doch kurz darauf trennten sich Malter und
Messeleitung, und Nachfolgerin Chantal Amhof musste den Verlust der
bereits geleisteten Aufbauarbeit wettmachen. So kam die twoo in der
zweiten Auflage punkto Ausstelleranzahl nicht entscheidend weiter. Das
könnte allerdings auch daran liegen, dass dieses Jahr die Bike Days
wieder stattfinden (siehe Seite 22).
Die meisten bekannten Schweizer Firmen beteiligten sich an der «twoo»
über ihre regionalen Händler (Canyon, Cresta, TDS, Villiger). Stark
vertreten waren die Direktvertreiber (Price, Simpel, Stöckli, Thömus),
die sich diese Publikumschance nicht entgehen lassen wollten. Auch
wenn die Mehrzahl der Neuheiten bereits im Herbst an der Eurobike zu
sehen war, gab es mit Simpels erstem Zahnriemenmodell und Cannondales
neuem «Badboy» doch echte Premieren. Entsprechend konnten sich die
Aussteller über das Publikums- und Medieninteresse freuen. Ein Hinweis
auch, dass eine Velo-Frühlingsmesse bei den EndkonsumentInnen ein gutes
Echo auslösen kann.
Miefige Halle als Handicap
Nach der Kritik im letzten Jahr war das Bemühen der Messe zu spüren,
den Mief aus der düsteren Halle zu vertreiben: Statt einer Bierschenke
gab es Thai- und Vegi-Catering, die Fläche für E-Bike-Aussteller und
den Testparcours wurde – dem Trend der Zeit gehorchend – vergrössert.
Die Trialshow und der Kinder-Testparcours wurden auf die Galerie
verlegt, was sich jedoch als Reinfall herausstellte. Generell bleibt
die düstere Halle 3, die in diesen Tagen die einzige freie Muba-Halle
war, ein Handicap.
Der neue Twoo-Wheel-Jump-Wettbewerb entpuppte sich statt als Höhepunkt
als Flop; topbesetztes Fahrerfeld und Szene-DJs hin oder her – nach
Messeschluss herrschte tote Hose. Diese Trend- und Randsportarten
funktionieren offensichtlich nur im spezifischen Szeneumfeld.
Besser positionieren
Als grosser Erfolg darf die Steigerung der Zuschauerzahl um 44 Prozent
gewertet werden. 35327 Eintritte wurden gezählt. Allerdings ist die
Zahl mit Vorsicht zu geniessen: Die «twoo» ist eine Nebenmesse der
Muba, der grössten Schweizer Publikumsausstellung, die über 300000
BesucherInnen anzieht. Eine separate Auswertung der Besucherzahlen
scheint schwierig.
Die Muba ist gleichzeitig die grosse Krux der «twoo»: Zum einen ist die
Velomesse auf diese Parallelität besuchermässig angewiesen, zum andern
geht sie punkto Werbebudget und Medienecho neben der grossen Schwester
völlig unter: Ausserhalb der Region Basel weiss kaum jemand, was die
«twoo» ist. Ein ähnliches Handicap haben auch die Bike Days, die am
zweiten Maiwochenende erstmals in Solothurn stattfinden. Bei den
heimischen Herstellern gelten beide Veranstaltungen als regional mit je
einem Einzugegebiet von sechzig Kilometern. Basel als Velostadt bietet
allerdings ein optimales urbanes Umfeld.
wert.
Einkaufen per Velo

pmh. Am Stand von Pro Velo und velojournal konnten BesucherInnen im
Rahmen der Umfrage «Bike to Shop» ihre Meinung zum Einkaufen mit dem
Velo kundtun. Unter den EinsenderInnen wurde ein «Pura Vida» der Firma
MTB Cycletech verlost (siehe Foto links: Der glückliche Gewinner: Urs
Waldburger aus Riehen freut sich über das «Pura Vida», das er seiner
Tochter schenken wird.).
650 Personen füllten den Fragebogen aus.
Die vorläufige Auswertung förderte neben Bekanntem auch Überraschendes
zutage: So kauft mehr als ein Drittel der Teilnehmenden stets mit dem
Velo ein, fast 50 Prozent empfinden die Zufahrt zu den besuchten
Geschäften als angenehm und sicher. Gleichzeitig wünschen sich 56
Prozent sicherere Strassen, um das Einkaufen mit dem Velo attraktiver
zu machen. Eine klare Forderung an die Adresse der Planer. Vor den
Geschäften wünschen sich 40 Prozent gedeckte Abstellplätze.
Fast 30 Prozent tätigen auch Grosseinkäufe mit dem Velo und widerlegen
damit die Behauptung, Velofahrende tätigten «nur» Kleineinkäufe. Für
das Wochenshopping werden neben dem Gepäckträger auch zusätzliche
Velokörbe oder Taschen mitgenommen. Die Antworten dieser Umfrage werden
nun mit Verwaltungsstellen und Institutionen diskutiert. Die
detaillierte Auswertung wird die Pro Velo anlässlich einer Tagung am
18. Juni in Grenchen vorstellen (vgl. Agenda).