
Wer sich auf die Suche nach einem Occasions-Velo macht, tut gut daran,
schon im Vorfeld festzulegen, was er eigentlich braucht: Welcher
Velotyp soll es sein? Wie muss das Modell ausgerüstet sein? Wie viele
Gänge werden benötigt? Danach kann das grosse Angebot an den Velobörsen
durchforstet werden. Wobei man sich nicht blenden lassen sollte: Eine
schöne Lackierung bürgt dabei ebenso wenig für gute Qualität wie ein
hoher Verkaufspreis. Andererseits: Ein billiger Preis bedeutet nicht
immer ein günstiges Velo, denn nach dem Kauf können schnell teure
Reparaturen nötig werden.
Ein kritischer und genauer Blick lohnt sich deshalb. Neben dem
Allgemeinzustand kann auf dem Platz rasch beurteilt werden, ob die
Räder rund laufen, die Lager kein Spiel haben, nichts klappert und das
Licht funktioniert. Ein geübtes Auge erkennt zudem, ob die Felgen noch
nicht zu stark abgebremst und Ketten und Zahnkränze nicht verschlissen
sind. Beides kann happige Reparaturkosten nach sich ziehen. Am besten
macht man auch eine kleine Probefahrt: Lässt sich der Sattel auf die
richtige Position bringen? Ist die Sitzposition bequem? Funktionieren
alle Gänge und die Bremsen? Allenfalls lohnt es sich, jemanden
beizuziehen, der sich mit Velos auskennt. An den meisten
Pro-Velo-Börsen gibt es einen kostenlosen Beratungsservice.
Das A und O für einen seriösen Handel an einer Velobörse ist ein fairer
Preis. Wenn es als Verkäuferin oder Verkäufer darum geht, diesen
festzulegen, dient zur groben Orientierung die Tabelle zu den
Wiederverkaufswerten, die für revidierte(!) Velos gelten (siehe Box).
Wurde das Velo wenig gefahren und ist in einem entsprechend guten
Zustand, kann etwas mehr verlangt werden. Stark benutzte Fahrzeuge
sollten unter dem Richtpreis verkauft werden. Auch der optische
Eindruck hat einen Einfluss auf den Wert. Ist der Lack noch gut im
Schuss, kann mehr verlangt werden, gibt es hingegen viele rostige
Stellen, so sollte der Preis um 10 bis 30 Prozent gesenkt werden.
Eine Frage der Ehre
Natürlich spielen bei der Preisfindung auch Angebot und Nachfrage: Für
Kindervelos oder Kinderanhänger, die als Occasionen sehr gesucht und
rar sind, gibt es gute Erlöse. Für eines der oft angebotenen,
zehnjährigen Stadtvelos sollte man aber ein günstiges Angebot machen,
wenn man es sicher verkaufen will.
Schwierig zu verkaufen sind Velotypen, die in den letzten Jahren eine
rasante technologische Entwicklung erlebt haben, zum Beispiel
Mountainbikes und Elektrovelos. Diese sollten mit einem deutlichen
Rabatt im Vergleich zur Abschreibungstabelle angeboten werden.
Aktuelle Modelle dieser Fahrzeugklassen bieten oft schon zu günstigen
Preisen deutlich bessere Funktionen als ein drei-, vierjähriges
Topmodell. Um ein Gefühl für gängige Gebrauchtpreise zu erhalten, lohnt
sich ein Blick auf die Occasions-Velobörsen im Internet. Hier finden
sich oft Beispiele von hochwertigen Velos. Und zum Schluss noch die
Ehrensache: Allfällig versteckte Mängel sind zu deklarieren, und das
Velo wird geputzt zum Verkauf angeboten.
Ein siebenjähriges Stadtvelo einer bekannten Schweizer Marke soll verkauft werden. Es hatte einen Neuwert von 1400 Franken und war regelmässig im Service. Es weist allerdings ein paar rostige Stellen auf. Zudem ist der Hinterradreifen stark abgenutzt. Gemäss der Richtwert-Tabelle hat das Velo nach sieben Jahren noch einen Wert von 20 Prozent des Neupreises. In diesem Fall wären dies 280 Franken. Von diesem Betrag werden nun aber die Kosten für einen neuen Pneu (ca. 45 Franken, inkl. Arbeit) abgezogen. Die rostigen Stellen werten das Velo um 30 bis 50 Franken ab. Dies ergibt einen Endpreis von 200 Franken.