Szene
Der Fahrplan stimmt
Trotz eines erneuten Verlustes von rund 200000 Franken befindet sich Swiss Cycling gemäss Selbsteinschätzung auf erfolgreichem Sanierungskurs. Bis 2012 soll der Verband schuldenfrei sein. Pascal Meisser
Das Positive zuerst: Das Jahr 2008 stand für Swiss Cycling nicht nur im
Zeichen des 125-Jahre-Jubiläums, sondern auch der sportlichen Erfolge.
Insgesamt 26 Medaillen gewannen die Athletinnen und Athleten an
internationalen Wettkämpfen, darunter vier an den Olympischen Spielen
in Peking. So viele olympische Auszeichnungen gab es für den Schweizer
Radsport noch nie.
Doch um die Finanzen des Verbandes steht es immer noch nicht gut. Die
übliche Negativmeldung: Im abgelaufenen Jahr erwirtschaftete der
nationale Veloverband einen Verlust von knapp 200000 Franken. Damit
erhöht sich die Gesamtschuld auf 1,37 Millionen. Dennoch endete 2008
nicht ganz so dramatisch wie ursprünglich befürchtet. Denn budgetiert
war ein noch höherer Verlust von 380000 Franken. Dank zusätzlicher
Mitgliederbeiträge und Spenden konnte der Fehlbetrag auf knapp 200000
Franken reduziert werden. Doch im laufenden Jahr will Swiss Cycling –
erstmals seit langem – wieder schwarze Zahlen schreiben. «Unser Ziel
ist ein Plus von 300000 Franken», sagt Geschäftsführer Viktor
Andermatt. Und dieser Gewinn soll auch in den Folgejahren erreicht
werden – so mindestens sieht der Fahrplan aus, um den seit Jahren
überschuldeten Verband zu sanieren. Erreicht werden sollen diese
ehrgeizigen Ziele mit dem wohl rigorosesten Sparprogramm in der
Geschichte von Swiss Cycling. Sowohl im Leistungs- als auch im
Breitensport wurden die Budgets stark gesenkt und ein
Selbstfinanzierungszwang eingeführt.
Sparten unter Spardruck
Konkret heisst das, dass der Verband bei Auslandeinsätzen nicht mehr
zwingend für alle Unkosten aufkommt. Athleten und Funktionäre müssen
sich unter Umständen an Kosten beteiligen. Allein mit dieser Massnahme
kann Swiss Cycling eine halbe Million Franken einsparen. Die Folgen
sind aber noch nicht absehbar, vor allem für die Mountainbiker. Sie
bildeten in den vergangenen Jahren die erfolgreichste Sparte von Swiss
Cycling und werden unter dem Rotstift leiden. Die Weltmeisterschaften
2009 und 2010 finden in Australien und Kanada statt. Schon jetzt ist
absehbar, dass die Schweiz eine massiv kleinere Delegation an die
Welttitelkämpfe schicken wird als im vergangenen Jahr, als die
Schweizer Fraktion im italienischen Val di Sole gut neunzig Personen
umfasste.
Positiv anzumerken bleibt, dass die 62 anwesenden Delegierten den
Sparkurs fast einstimmig unterstützen und mittragen. Dies zeigte sich
auch in einem deutlichen Ja zu einer Beitragserhöhung um zwanzig
Franken. Davon kommen dreizehn Franken dem Verband zugute, während die
restlichen sieben Franken zweckgebunden in die sieben nichtolympischen
Disziplinen wie Radquer, Hallenradsport oder Trial fliessen. Dieser
Beitrag soll helfen, den Spardruck etwas abzufedern.
Wenn es nach Verbandspräsident Melchior Ehrler geht, steht Swiss
Cycling schon bald vor grossen strukturellen Veränderungen. Obwohl
Velofahren ein Volkssport ist, gehört Swiss Cycling mit knapp 17000
Mitgliedern zu den kleineren Verbänden. Auch die jüngsten Versuche,
über die Veloklubs an neue Mitglieder heranzukommen, sind – wie alle
anderen zuvor – gescheitert. Zwar konnte der kontinuierliche Rückgang
der Mitgliederzahl gestoppt und ein kleiner Zuwachs verzeichnet werden,
von Zahlen wie jenen des Turnverbands (400000 Mitglieder) oder der
Schützen (200000) ist man aber meilenweit entfernt. Traditionell bilden
die Veloklubs die Basis von Swiss Cycling. Dies ist für Ehrler, der für
drei weitere Jahre als Präsident gewählt wurde, nicht mehr zeitgemäss:
«Bereits heute sind über die Hälfte der Mitglieder direkt dem Verband
angeschlossen und gehören keinem Klub mehr an», stellt er fest. Diesem
Streben nach mehr Individualität statt Vereinsleben wolle man künftig
Rechnung tragen und die Verbandsstruktur neu definieren. Was das
konkret heisst, will Ehrler nächstes Jahr an der Delegiertenversammlung
präsentieren.