Sport

Sorgenfalten bei den Veranstaltern

Aus sportlicher Sicht waren die 52. Zürcher Six Days einmal mehr ein Erfolg – bloss die Zuschauer bleiben weiterhin aus. Die nächste Austragung des Sechstagerennens ist freilich noch gesichert. Der Anlass selbst liefert wichtige Impulse für den hiesigen Bahnfahrer-Nachwuchs. Pascal Meisser

Allmählich macht sich bei den Organisatoren des Zürcher Sechstagerennens etwas Ratlosigkeit breit. Weil schon letztes Jahr die Zuschauerzahl unter der Break-even-Marke von 25000 geblieben war, hatten Max Hürzeler, Urs Freuler und Ueli Gerber dieses Mal einige Retouchen angebracht: Das Rennen wurde von der Altjahrswoche in die Vorweihnachtszeit verlegt, das Showprogramm überarbeitet und der Zugang zum Innenraum vereinfacht. Es half nichts. Die Zuschauerzahl sank weiter. In den sechs Nächten wurden etwas mehr als 20000 Besucher­Innen im Oerliker Hallenstadion gezählt. Diese Zahl hinterlässt bei den Veranstaltern ein beträchtliches Loch in der Kasse. Bei einem Budget von rund 1,2 Millionen Franken beträgt das Defizit rund 150000 Franken – dafür müssen die drei Organisatoren selber geradestehen.
Mit dieser Entwicklung steht Zürich indes nicht alleine da. In Deutschland, früher ein Mekka des Sechstagerennsports, sind in den vergangenen Jahren verschiedene Rennen ganz verschwunden, zuletzt jenes von Stuttgart, das in diesem Winter nicht mehr durchgeführt wurde. Als offizieller Grund wurden die jüngsten Dopingfälle im Radsport angegeben. Aber auch München und Dortmund kämpfen mit Schwierigkeiten – trotz Zuschauerzahlen von über 60000. Einzig in Berlin und Bremen scheinen die Rennen noch gut anzukommen. An diesen beiden Orten strömen die Leute mitunter auch deshalb ins Stadion, weil das Spektakel als Volksfest angelegt ist. Da sind Auftritte von Blödelbarden wie Frank Zander oder Klaus & Klaus wichtiger als die Leistungen auf der Bahn.

Wichtiges Heimrennen
An Vorschlägen, wie man die Zürcher Halle künftig füllen könnte, mangelt es Ueli Gerber nicht. «Natürlich kann man uns sagen: Bringt doch DJ Bobo. Doch ein solcher Act ist für uns nicht finanzierbar.» Gerber zweifelt ausserdem, ob dann wirklich mehr Leute kämen. Für die Veranstalter wäre es interessanter, wenn wieder – wie früher – Veloclubs mit Dutzenden von Mitgliedern ihren Vereinsausflug ans Sechstagerennen organisiern würden.
Trotz der Probleme: Die Ausgabe 2009 des Zürcher Sechstagerennens ist gesichert. Dann wird der Urner Bruno Risi seine grosse Abschiedsvorstellung geben. Risi, der zusammen mit seinem neuen Partner Dany Stam das Rennen in Zürich knapp vor Franco Marvulli/Juan Llaneras gewonnen hat, plant für den kommenden Winter seinen Rücktritt vom Spitzensport.
Wichtig ist das einzige Schweizer Sechstagerennen indes nicht nur als Heimrennen für die Spitzenfahrer Risi und Marvulli, sondern auch für den heimischen Nachwuchs. Während die jungen Schweizer im Ausland in der Regel keine Verträge fürs Profifeld erhalten, setzt sich Hürzeler in Zürich für sie ein. So komplettierten mit Marguet/Bally, Menzi/ Kraus und den Gebrüdern Baumgartner gleich drei Schweizer Nachwuchsduos das hochkarätige Profifeld. Diese Chance nützte insbesondere der Romand Tristan Marguet, der als eines der hoffnungsvollsten Talente gilt. Er könnte in die Fussstapfen von Risi und Marvulli treten. Marguet zeigte nach dem frühen Ausfall seines Partners Bally einen frechen Auftritt. An der Seite des deutschen Routiniers Christian Lademann setzte er in Ruhephasen des Feldes immer wieder zu Rundengewinnen an. Für einen Spitzenplatz reichte es zwar noch nicht, dafür mit Hilfe von Max Hürzeler zu einem zweiten Profivertrag für das Rennen in Bremen. Diese Belohnung ist für den jungen Schweizer viel wert, denn neben den renntechnischen Abläufen wie den Ablösungen ist die Erfahrung das A und O im Six-Days-Business.

www.sixdays-zuerich.ch

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