
Allmählich macht sich bei den Organisatoren des Zürcher
Sechstagerennens etwas Ratlosigkeit breit. Weil schon letztes Jahr die
Zuschauerzahl unter der Break-even-Marke von 25000 geblieben war,
hatten Max Hürzeler, Urs Freuler und Ueli Gerber dieses Mal einige
Retouchen angebracht: Das Rennen wurde von der Altjahrswoche in die
Vorweihnachtszeit verlegt, das Showprogramm überarbeitet und der Zugang
zum Innenraum vereinfacht. Es half nichts. Die Zuschauerzahl sank
weiter. In den sechs Nächten wurden etwas mehr als 20000 BesucherInnen
im Oerliker Hallenstadion gezählt. Diese Zahl hinterlässt bei den
Veranstaltern ein beträchtliches Loch in der Kasse. Bei einem Budget
von rund 1,2 Millionen Franken beträgt das Defizit rund 150000 Franken
– dafür müssen die drei Organisatoren selber geradestehen.
Mit dieser Entwicklung steht Zürich indes nicht alleine da. In
Deutschland, früher ein Mekka des Sechstagerennsports, sind in den
vergangenen Jahren verschiedene Rennen ganz verschwunden, zuletzt jenes
von Stuttgart, das in diesem Winter nicht mehr durchgeführt wurde. Als
offizieller Grund wurden die jüngsten Dopingfälle im Radsport
angegeben. Aber auch München und Dortmund kämpfen mit Schwierigkeiten –
trotz Zuschauerzahlen von über 60000. Einzig in Berlin und Bremen
scheinen die Rennen noch gut anzukommen. An diesen beiden Orten strömen
die Leute mitunter auch deshalb ins Stadion, weil das Spektakel als
Volksfest angelegt ist. Da sind Auftritte von Blödelbarden wie Frank
Zander oder Klaus & Klaus wichtiger als die Leistungen auf der Bahn.
Wichtiges Heimrennen
An Vorschlägen, wie man die Zürcher Halle künftig füllen könnte,
mangelt es Ueli Gerber nicht. «Natürlich kann man uns sagen: Bringt
doch DJ Bobo. Doch ein solcher Act ist für uns nicht finanzierbar.»
Gerber zweifelt ausserdem, ob dann wirklich mehr Leute kämen. Für die
Veranstalter wäre es interessanter, wenn wieder – wie früher –
Veloclubs mit Dutzenden von Mitgliedern ihren Vereinsausflug ans
Sechstagerennen organisiern würden.
Trotz der Probleme: Die Ausgabe 2009 des Zürcher Sechstagerennens ist
gesichert. Dann wird der Urner Bruno Risi seine grosse
Abschiedsvorstellung geben. Risi, der zusammen mit seinem neuen Partner
Dany Stam das Rennen in Zürich knapp vor Franco Marvulli/Juan Llaneras
gewonnen hat, plant für den kommenden Winter seinen Rücktritt vom
Spitzensport.
Wichtig ist das einzige Schweizer Sechstagerennen indes nicht nur als
Heimrennen für die Spitzenfahrer Risi und Marvulli, sondern auch für
den heimischen Nachwuchs. Während die jungen Schweizer im Ausland in
der Regel keine Verträge fürs Profifeld erhalten, setzt sich Hürzeler
in Zürich für sie ein. So komplettierten mit Marguet/Bally, Menzi/
Kraus und den Gebrüdern Baumgartner gleich drei Schweizer Nachwuchsduos
das hochkarätige Profifeld. Diese Chance nützte insbesondere der Romand
Tristan Marguet, der als eines der hoffnungsvollsten Talente gilt. Er
könnte in die Fussstapfen von Risi und Marvulli treten. Marguet zeigte
nach dem frühen Ausfall seines Partners Bally einen frechen Auftritt.
An der Seite des deutschen Routiniers Christian Lademann setzte er in
Ruhephasen des Feldes immer wieder zu Rundengewinnen an. Für einen
Spitzenplatz reichte es zwar noch nicht, dafür mit Hilfe von Max
Hürzeler zu einem zweiten Profivertrag für das Rennen in Bremen. Diese
Belohnung ist für den jungen Schweizer viel wert, denn neben den
renntechnischen Abläufen wie den Ablösungen ist die Erfahrung das A und
O im Six-Days-Business.
www.sixdays-zuerich.ch