
Es fällt mir auf, dass wir Velofahrenden vielerorts von der
«grünen Welle» vernachlässigt werden. Tagein und tagaus kämpfen wir uns
durch Blechkolonnen und bekommen doch von der Ampel die rote Karte
gezeigt. Nun habe ich gelesen, dass ein amerikanischer Erfinder ein
System für Fahrräder entwickelt, mit dessen Hilfe Verkehrsteilnehmer
Ampelanlagen austricksen können. Das System täuscht den Ampeln ein
heranfahrendes Auto vor und erreicht damit, dass die Ampelsteuerung
eine Grünphase einleitet. Kann man so etwas in der Schweiz nicht auch
einführen?
Hildegard K., aus B.
Sehr geehrte Frau Kratochwili
Was die Amis gerade erst erfunden haben, haben wir in der Schweiz schon
lange. Sowohl in Zürich als auch in Bern gibt es Systeme, die zum
Beispiel indirekt abbiegenden Radfahrenden Grün geben. Allerdings
scheinen diese Steuerungen nicht sehr gut zu funktionieren und sind
auch zu selten, um den Veloverkehr auf breiter Basis in die «grüne
Welle» einzuschliessen. Aber: Ist so eine Welle überhaupt wünschbar?
Jeder will schnell vorwärtskommen, natürlich. Doch eine «grüne Welle»
für Radfahrende einzuführen, würde viele Konflikte schaffen. In diesem
Falle würden die Ampelanlagen so eingestellt, dass sie bei einer
gewissen Durchschnittsgeschwindigkeit freie Fahrt zulassen. Und was
bedeutete dies? Pro Velo Schweiz müsste die
Durchschnittsgeschwindigkeit des Schweizer Radfahrers ermitteln – in
unserem föderativen System beinahe eine Unmöglichkeit. Zürcher wären zu
schnell, Berner zu langsam, und die Romands hätten sowieso ihren
eigenen Index.
Und dann erst die Velointeressengruppen: Gümmeler protestieren gegen
die schlechte körperliche Verfassung der Schweizer Velofahrenden,
Velokuriere verlieren entweder ihren Job oder die Geduld und stossen
alte Frauen aus dem Weg. Letztere gründen eine Velo-Bürgerwehr und
kämpfen mit Waffengewalt für ihr Recht auf der Strasse – ein
Bürgerkrieg der Radler.
So geht es also nicht. Ich persönlich bevorzuge da eine andere Lösung:
die Abschaffung sämtlicher Ampelanlagen. Das würde dann endlich zu
richtigem Wettbewerb an den Strassenkreuzungen und zur Trennung der
Spreu vom Weizen führen – ohne Bürgerkrieg.
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