Film

Tour de Suisse der Lausbuben

«Mein Name ist Eugen» basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker des Autors Klaus Schädelin und wurde auch in der Filmversion ein Erfolg. Nicht zuletzt dank der sorgfältigen Rekonstruktion der Sechzigerjahre. Bruno Angeli
Die Berner Lausbuben Eugen, Wrigley und Eduard hauen von zu Hause ab, um das berühmte Vorbild aller Lausbuben, Fritz Bühler, aufzuspüren. Die Buben treffen zunächst im Pfadilager auf Bäsch­teli, der das Team komplettiert. Zusammen fahren sie mit ihren Velos und dem Zug nach Zürich. Reibungslos verläuft diese Reise natürlich nicht. Das Quartett hat dabei einige Abenteuer zu bestehen.
In «Das Eugen Filmbuch» (Weltbild-Verlag) schildern Maria Cecilia Keller und die an der Filmproduktion beteiligten Simone Häberling und Meret Burger, wie es bei der Produktion und Realisation des Streifens zu- und herging. Schön, dass man sich darin auch an den Erfinder von «Mein Name ist Eugen» erinnert. Walter Däpp charakterisiert den «begnadeten Erzähler und Schreiber» Klaus Schädelin, der «auch ein bisschen ein Lausbub war wie Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli». Autor Schädelin war sechzehn Jahre lang als städtischer Fürsorge- und Gesundheitsdirektor tätig, und Walter Däpp schreibt über ihn: «Er war einer, der das Amt nie als Amt betrachtete, der als Politiker stets Mensch blieb – einer, der auch für die Menschen da war.»
Dieser Mann, der die Vorlage zum Film lieferte, schrieb anderthalb Monate vor seinem Tod am 13. Dezember 1987: «…müsste ich noch ein Büchlein schreiben, so wäre es eine Warnung vor dem Streben nach Dingen, die Ehre und saftige Nachrufe einbringen. Das alles ist Chutzenmist.»
Das zu den Klassikern zählende Jugendbuch «Mein Name ist Eugen» erschien im Jahr 1955.

Nostalgie und Humor als Erfolgsrezept
Für die filmische Umsetzung schrieben Michael Sauter und der leider früh und noch vor der Premiere verstorbene Christoph Frey das Drehbuch. Es gelang den Autoren, aus losen Episoden eine zusammenhängende Geschichte zu konstruieren. Das Realisationsteam um Regisseur Michael Steiner und Kameramann Pascal Walder schuf unter dem Originaltitel «Mein Name ist Eugen» einen der erfolgreichsten Schweizer Filme. Mit 541000 Eintritten (gemäss Film- und Kinostatistik) liegt er auf Platz vier der einheimischen Kino-Charts. Nur «Die Herbstzeitlosen», «Achtung, fertig, Charlie!» und der unerreichte «Schweizermacher» lockten bisher mehr Besucher ins Kino. Viel zum Erfolg hat die Besetzung beigetragen. Selbst für kleine Nebenrollen wurden einige der bekanntesten und beliebtesten Schweizer Schauspieler ver­pflichtet. So taucht beispielsweise Viktor Giacobbo als Polizist auf, und Max Rüdlinger spielt den Herrn Hauser, einen griesgrämigen Zeitgenossen.
Die Filmadaption spielt in den Sechzigerjahren. Es wird einem beim Zuschauen ganz nostalgisch zumute: Von der rustikalen Sprache über die Mode und Ausstattung bis zum Höhepunkt, der Krokodil-Lokomotive, wähnt man sich in jene Zeit zurückversetzt. Auch die Velos der Lausbuben rund um Eugen sind stilecht. In einer Szene erleidet Wrigleys Velo einen Defekt am Tretlager. Dabei kullern die Kugeln zu Boden. Zu allem Ärger pickt sich ein Huhn sechs der Kugeln – und weg sind sie! Ein geglückter, humorvoller Film. Sehenswert für die ganze Familie.

Die DVD


Titel: «Mein Name ist Eugen», Schweiz 2004
Regie: Michael Steiner
Drehbuch: Michael Sauter, Christoph Frey, Michael Steiner
Schauspieler: Manuel Häberli (Eugen), Janic Halioua (Wrigley), Dominic Hänni (Bäschteli), Alex Niederhäuser (Eduard), Beat Schlatter (Fritzli Bühler), Mike Müller (Vater von Eugen), Patrick Frey (Vater von Wrigley), Sabina Schneebeli (Mutter von Wrigley), Jörg Löw (Vater von Bäschteli)


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