
Das Ende kam nach 44 Jahren ziemlich jäh. Zwar war die Ifma mit ihrer
stets sinkenden Aussteller- und Besucherzahl seit Jahren das Sorgenkind
der Koelnmesse. Doch bislang stand zu viel Prestige auf dem Spiel. Man
wollte eine der traditionsreichsten Ausstellungen nicht einfach fallen
lassen. Es wurde am Konzept geschraubt, und nach der Durststrecke in
den alten Hallen gab es die Hoffnung, dass sich in den Neubauten das
Interesse zumindest auf tiefem Niveau stabilisieren würde. Was es nicht
tat. Die teuren Neubauten liessen die Messeleitung nun handeln: Als die
Chance winkte, zum Ifma-Termin die Gamescom, die neue Leitmesse der
Computergame-Industrie, nach Köln zu holen, war das Damoklesschwert auf
die seit Jahren nicht mehr profitable Ifma niedergegangen.
Der Anfang vom Ende geht aber weiter zurück, ins Jahr 1993. Die
Messeleitung in Köln hielt es damals nicht für nötig, mit der
Konkurrenz in Friedrichshafen über einen zweijährlichen Turnus –
abwechselnd Ifma und Eurobike – zu reden. Auch mit Intercycle Cologne,
die dreimal als «Gegenmesse» veranstaltet wurde, gab es keine Kontakte.
Schliesslich war die Ifma, die Internationale Fahrrad- und
Motorradmesse, damals noch der Nabel der Zweiradwelt.
Aus der Not eine Tugend gemacht
Beim diesjährigen «Schwanengesang» war die Stimmung eigenartig: Nachdem
der Anlass jahrelang totgeredet worden war, herrschte plötzlich
Bedauern über das Ende. Am meisten vermisst wird wohl die legendäre
Rheinterrassen-Party, die ein Jahrzehnt lang als bester Branchentreff
galt. Bereits war die Rede von einer zu organisierenden
Nostalgie-Ifma-Party …
Fakt ist, dass die verbliebenen Aussteller dieses Jahr zufrieden waren.
Die Bestellungen und Verkäufe waren gut. Auch die wenigen Schweizer
Aussteller stimmten dem zu: Flyer konnte sich den niederländischen und
norddeutschen Händlern widmen, Katz einen Markttest bei der
Hauptzielgruppe für das Alltagsrad machen und Pletscher die
Aufmerksamkeit finden, die an der Eurobike vielen Zubehörhändlern fehlt.
Nicht nur Händler und Produzenten, auch die Besucherinnen und Besucher
werden die Ifma vermissen. Das Rhein-Ruhr-Gebiet mit seinem
Millionen-Einzugsgebiet war ein Publikumsgarant. Die Ausstellung
vermochte zwar längst nicht mehr eine umfassende Marktübersicht zu
bieten, doch sie hat aus der Not eine Tugend gemacht und den reichlich
vorhandenen Platz immer wieder für attraktive Sonderschauen genutzt
(Geschichte des Mountainbikes, Cruiser, Fixies, Weltumradler). Ein
Verlust ist das Ende der Messe auch für die Fahrradförderung im
Bundesland Nordrhein-Westfalen, das in Deutschland eine führende Rolle
spielt. An den Ifma-Radverkehrskongressen fanden immer wieder Vertreter
aus Industrie und Politik zusammen. Ein herber Verlust bedeutet das
Ende schliesslich auch für die Publizität des Fahrrads: In der
Medienstadt Köln konnte die Ifma viele und grossse Publikumsmedien
anziehen. Für die Eurobike in Friedrichshafen interessiert sich fast
nur die Fachpresse. Es gibt also Gründe, die für ein Weiterleben der
Ifma gesprochen hätten, aber es hätte den Mut gebraucht, sie zu einer
grossen Publikumsmesse zum Saisonbeginn im Frühling um- und auszubauen.
Allerdings: Nach offizieller Lesart ist die Ifma noch gar nicht am
Ende. Sie soll ab 2010 in die Motorradausstellung Intermot integriert
werden.
Das Interesse an der neuen Form scheint freilich gering. Die Branche
zeigte wenig Verständnis dafür, dass die Kölner Messeleitung die
eigenständige Ifma so plötzlich eingehen liess. Mindestens fürs nächste
Jahr wäre dafür jedenfalls noch Platz gewesen. Doch für Messesprecher
Karsten Deicke ist klar: «Aus der Branche gabs kein klares Bekenntnis
mehr für eine Ifma, egal an welchen Schrauben wir auch drehten und
welche Marketingbemühungen wir immer wieder unternahmen.» Zweifellos
hat auch die nicht mehr gesicherte Teilnahme des grössten Verbandes,
ZEG, das Aus beschleunigt.
Tod in Raten
Inzwischen wird sich die Industrie wohl selber neu organisieren (noch
mehr Hausmessen). Ob sie später an einer Töffshow teilnehmen wird?
Nachdem die Motorräder vor einem Jahrzehnt aus der Ifma verbannt worden
sind, ist im Moment der Weg zurück kaum vorstellbar. Natürlich werden
indische und pakistanische Teileanbieter an einer gemischten Messe
präsent sein, doch wenn sich die Aussteller weiterhin und zunehmend auf
die Eurobike konzentrieren, ist fraglich, ob in Köln künftig überhaupt
noch eine ganze Fahrradhalle zustande kommt. Als blosser Wurmfortsatz
der Intermot hat die Ifma kaum Zukunft. Die Messeleitung aber hat der
Industrie mitgeteilt, sie habe es selber in der Hand, was aus der Ifma
werde. Damit hat die Koelnmesse das Gesicht wahren können – die Ifma
stirbt wohl in Raten.