Szene

The Last Waltz

Zum letzten Mal wurde die Kölner Ifma als eigenständige Messe durchgeführt. In zwei Jahren soll ihr als Anhängsel der Motorradmesse Intermot zwar neues Leben eingehaucht werden, doch die Branche bezweifelt, dass diese «Wiedervereinigung» gelingt. Peter Hummel

Das Ende kam nach 44 Jahren ziemlich jäh. Zwar war die Ifma mit ihrer stets sinkenden Aussteller- und Besucherzahl seit Jahren das Sorgenkind der Koelnmesse. Doch bislang stand zu viel Prestige auf dem Spiel. Man wollte eine der traditionsreichsten Ausstellungen nicht einfach fallen lassen. Es wurde am Konzept geschraubt, und nach der Durststrecke in den alten Hallen gab es die Hoffnung, dass sich in den Neubauten das Interesse zumindest auf tiefem Niveau stabilisieren würde. Was es nicht tat. Die teuren Neubauten liessen die Messeleitung nun handeln: Als die Chance winkte, zum Ifma-Termin die Gamescom, die neue Leitmesse der Computergame-Industrie, nach Köln zu holen, war das Damoklesschwert auf die seit Jahren nicht mehr profitable Ifma niedergegangen.
Der Anfang vom Ende geht aber weiter zurück, ins Jahr 1993. Die Messeleitung in Köln hielt es damals nicht für nötig, mit der Konkurrenz in Friedrichshafen über einen zweijährlichen Turnus – abwechselnd Ifma und Eurobike – zu reden. Auch mit Intercycle Cologne, die dreimal als «Gegenmesse» veranstaltet wurde, gab es keine Kontakte. Schliesslich war die Ifma, die Internationale Fahrrad- und Motorradmesse, damals noch der Nabel der Zweiradwelt.

Aus der Not eine Tugend gemacht
Beim diesjährigen «Schwanengesang» war die Stimmung eigenartig: Nachdem der Anlass jahrelang totgeredet worden war, herrschte plötzlich Bedauern über das Ende. Am meisten vermisst wird wohl die legendäre Rheinterrassen-Party, die ein Jahrzehnt lang als bester Branchentreff galt. Bereits war die Rede von einer zu organisierenden Nostalgie-Ifma-Party …
Fakt ist, dass die verbliebenen Aussteller dieses Jahr zufrieden waren. Die Bestellungen und Verkäufe waren gut. Auch die wenigen Schweizer Aussteller stimmten dem zu: Flyer konnte sich den niederländischen und norddeutschen Händlern widmen, Katz einen Markttest bei der Hauptzielgruppe für das Alltagsrad machen und Pletscher die Aufmerksamkeit finden, die an der Eurobike vielen Zubehörhändlern fehlt.
Nicht nur Händler und Produzenten, auch die Besucherinnen und Besucher werden die Ifma vermissen. Das Rhein-Ruhr-Gebiet mit seinem Millio­nen-Einzugsgebiet war ein Publikumsgarant. Die Ausstellung vermochte zwar längst nicht mehr eine umfassende Marktübersicht zu bieten, doch sie hat aus der Not eine Tugend gemacht und den reichlich vorhandenen Platz immer wieder für attraktive Sonderschauen genutzt (Geschichte des Mountainbikes, Cruiser, Fixies, Weltumradler). Ein Verlust ist das Ende der Messe auch für die Fahrradförderung im Bundesland Nordrhein-Westfalen, das in Deutschland eine führende Rolle spielt. An den Ifma-Radverkehrskongressen fanden immer wieder Vertreter aus Industrie und Politik zusammen. Ein herber Verlust bedeutet das Ende schliesslich auch für die Publizität des Fahrrads: In der Medienstadt Köln konnte die Ifma viele und grossse Publikumsmedien anziehen. Für die Eurobike in Friedrichshafen interessiert sich fast nur die Fachpresse. Es gibt also Gründe, die für ein Weiterleben der Ifma gesprochen hätten, aber es hätte den Mut gebraucht, sie zu einer grossen Publikumsmesse zum Saisonbeginn im Frühling um- und auszubauen. Allerdings: Nach offizieller Lesart ist die Ifma noch gar nicht am Ende. Sie soll ab 2010 in die Motorradausstellung Intermot integriert werden.
Das Interesse an der neuen Form scheint freilich gering. Die Branche zeigte wenig Verständnis dafür, dass die Kölner Messeleitung die eigenständige Ifma so plötzlich eingehen liess. Mindestens fürs nächste Jahr wäre dafür jedenfalls noch Platz gewesen. Doch für Messesprecher Karsten Deicke ist klar: «Aus der Branche gabs kein klares Bekenntnis mehr für eine Ifma, egal an welchen Schrauben wir auch drehten und welche Marketingbemühungen wir immer wieder unternahmen.» Zweifellos hat auch die nicht mehr gesicherte Teilnahme des grössten Verbandes, ZEG, das Aus beschleunigt.

Tod in Raten
Inzwischen wird sich die Industrie wohl selber neu organisieren (noch mehr Hausmessen). Ob sie später an einer Töffshow teilnehmen wird? Nachdem die Motorräder vor einem Jahrzehnt aus der Ifma verbannt worden sind, ist im Moment der Weg zurück kaum vorstellbar. Natürlich werden indische und pakistanische Teileanbieter an einer gemischten Messe präsent sein, doch wenn sich die Aussteller weiterhin und zunehmend auf die Eurobike konzentrieren, ist fraglich, ob in Köln künftig überhaupt noch eine ganze Fahrradhalle zustande kommt. Als blosser Wurmfortsatz der Intermot hat die Ifma kaum Zukunft. Die Messeleitung aber hat der Industrie mitgeteilt, sie habe es selber in der Hand, was aus der Ifma werde. Damit hat die Koelnmesse das Gesicht wahren können – die Ifma stirbt wohl in Raten.

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