Film

Strapazen einer Rundfahrt

Der Dokumentarfilm «Höllentour» bietet einen faszinierenden Einblick in das Rennfahrerleben während der Tour de France 2003. Auf den Spuren von Erik Zabel und Rolf Aldag leidet der Zuschauer mit. Bruno Angeli
Was macht die Faszination Tour de France aus? Der Journalist und TdF-Kenner Serge Laget, der im Dokumentarfilm «Höllentour» öfters zu Wort kommt, sagt: «Schon als Kinder sahen wir die Tour und später dann mit unseren Kindern. Einzigartig, wie diese Leidenschaft für die Tour vererbt wird … Sie ist Frank­reich, die Berge, die Ebenen, die Bretagne. Der ideale Schauplatz für Höchstleistungen.» Regisseur Pepe Danquart lässt Laget erzählen – unterlegt mit historischen Filmaufnahmen – und nimmt uns mit auf kleine Reise in die Vergangenheit der TdF, ins «grösste Sportstadion der Welt». Viele interessante Anekdoten und Aperçus von Serge Lagets sind in den eigentlichen Film über die Tour 2003 geschickt eingefügt. Mit drei Kamerateams fing Regisseur Danquart eindrückliche Bilder ein. Atemberaubende Abfahrten. Pannen, Freuden und Leiden der Rennfahrer, aber auch immer wieder Fans, ZuschauerInnen und der Blick auf den Begleittross oder den riesigen Apparat von Begleitpolizei, Hubschrauberflotte und mehr. Selbst Menschen, die mit Radsport nichts am Hut haben, werden dank Danquarts Film schnell eingestehen müssen: Diese Veranstaltung ist einzigartig!

Die Helden Aldag und Zabel
Die Tour des Jahres 2003: Wir erinnern uns. Es war die Tour zum 100-Jahre-Jubiläum dieses Sportanlasses, und sie wurde wieder zur siegreichen Angelegenheit für den Ausnahmerennfahrer Lance Armstrong. Der US-Amerikaner hat dieses Rennen bis zu seinem Profiausstieg 2005 insgesamt siebenmal in Folge gewonnen. Die Hauptakteure des Films sind aber nicht die Anwärter auf den Gesamtsieg, weder Armstrong noch seine Gegner und Herausforderer Jan Ullrich, Alexander Winokurow, Tyler Hamilton und Co. Die Helden dieses Streifens sind Sprintrakete Erik Zabel und der zähe Rolf Aldag vom Team der Deutschen Telekom. Die beiden teilen sich schon seit vielen Jahren bei der Tour ein Zimmer und verstehen sich bestens. Sprinter Zabel gesteht: «Ich verdanke ihm (Aldag) unheimlich viel. Das kann man im Leben nicht mehr zurückgeben.» Regisseur Danquart über seine Hauptakteure: «Gerade in den Augenblicken der Erschöpfung spürt man einfach nur das grosse, ehrliche Vertrauen, das sie zueinander haben. Sie sind sehr bescheiden und uneitel. Der Film soll diesen Geist transportieren, den ich vorher nicht kannte. Ich würde diesen Spirit wirklich olympisch nennen. Diesen Respekt vor der Leistung anderer; da gibt es keinen Neid und keine Ausflüchte vor dem eigenen Versagen!»

Kein Wort zur Dopingproblematik
Einen brisanten Aspekt der Tour hat Regisseur Danquart ausgeblendet. Er verliert kein Wort zur Dopingproblematik. Die Frage, ob ein Radrennfahrer die Tour de France ohne leistungssteigernde, verbotene Substanzen durchstehen oder sie nur gedopt gewinnen kann, sollte ein Dokumentarfilm zumindest in den Raum stellen. Von der TdF 2008 sind diverse Fahrer ausgeschlossen worden. Der Kampf um einen fairen und sauberen Sport wird wohl eine Daueraufgabe bleiben.

PS: Am 24. Mai 2007 gestanden Aldag und Zabel an einer Pressekonferenz, auch schon Doping­substanzen eingenommen zu haben. Zabel sagte, es habe sich um einen einmaligen Test gehandelt, als er 1996 Epo eingenommen habe. Aldag gab zu, erstmals im Vorfeld der TdF 1995 Epo eingenommen zu haben. Im Jahre 2002 habe er aber damit aufgehört und einen Schlussstrich gezogen.

Die DVD

ImageHöllentour – Tour d’Enfer, Deutschland, 2004
Regie: Pepe Danquart, Werner Swiss
Schweizer Darsteller: Erik Zabel, Rolf Aldag, Andreas Klöden, Alexander Winokurow, Steve Zampieri, Mario Kummer, Serge Laget, u.a.
Musik: Till Brönner
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