
Regula Huber ist seit sieben Jahren für den Velokurier Luzern
unterwegs. Einmal im Jahr trifft sie sich mit ihren europäischen
Kolleginnen und Kollegen zur Europameisterschaft, bei der Spass und
Geselligkeit fast so viel zählen wie Siege und Auszeichnungen. Dieses
Jahr traf sich die Gilde der Kuriere im niederländischen Eindhoven, wo
während dreier Tage über 300 Velokuriere um Ehre und Plätze kämpften.
Zu den Wettkämpfen gehört unter anderem das Ausdauer-Hauptrennen, bei
dem es darum geht, auf einem abgesperrten Terrain während dreier
Stunden so viele Briefe und Pakete wie möglich von einem Punkt zu einem
anderen zu spedieren. Zu den Teilprüfungen gehört auch Trackstand:
möglichst langes Balancieren auf dem Rad an Ort und Stelle, wobei mit
fortlaufender Zeit Hände und Füsse vom Rad weggenommen werden müssen.
Beim Trackskid wird mit möglichst hoher Geschwindigkeit Anlauf
genommen, um dann mit blockiertem Hinterrad eine möglichst weite
Distanz zurückzulegen.
Zur Belohnung ein goldenes Rad – und Bier
Wer nun «Fixie King» oder eben «Fixie Queen» werden will, muss nicht
nur die Gesamtwertung gewinnen, sondern auch auf einem «Fixie» – einem
Starrlaufvelo – unterwegs sein. Beide Voraussetzungen erfüllte Regula
Huber dieses Jahr, obwohl sie im Hauptrennen einen folgenschweren
Fehler machte und nur Vierte wurde. Dank ihres grossen Vorsprungs im
Trackskid, dem Rutschen bei blockiertem Hinterrad, reichte es trotzdem
für den zweiten Gesamtsieg bei diesen internationalen Titelkämpfen. Als
Lohn gab es ein weisses Starrlaufvelo mit Gold-Kurbeln, -Ketten,
-Lenker und -Nabe – und ein erfrischendes Bier mit den Mitstreiterinnen
und Mitstreitern.
Von der Posaune zum Velo
Dass Regula Huber sportliche Erfolge einfahren würde, war nicht immer
absehbar. Sie stammt aus einer künstlerisch orientierten Familie. Ihre
Brüder schlugen eine Laufbahn als Musiker und Schauspieler ein, sie
selber ist begeisterte Posaunistin. Zwischenzeitlich spielte sie in
einer Brassband und unterrichtet neben dem Kurierfahren Posaune. Es ist
noch nicht lange her, dass aus «Gix», so ihr Spitzname, ein Fixie-Fan
wurde. «Erst vor zweieinhalb Jahren überrredete mich Päsci, ein
Arbeitskollege, eine Fahrt auf einem Starrlaufvelo zu unternehmen», so
die dreissigjährige Luzernerin. Und es blieb nicht beim Test.
Inzwischen ist sie so begeistert, dass sie in der Freizeit oft auf dem
Fixie anzutreffen ist. «Für mich ist es ein ideales Velo. Es ist sehr
verschleissarm, man muss keine Schaltung einstellen, die Kette wird
weniger abgenützt und es ist super bequem zu fahren», so Regula Huber.
Auch wenn sie nur einen Gang zur Verfügung hat, hält sie das nicht
davon ab, immer wieder mal Richtung Emmental zu fahren. Ein
strassenverordnungskonformes Velo benützt sie nur noch, wenn sie muss –
zum Beispiel für die Arbeit, denn da sind Fixies verboten.