Szene

Die «Fixie Queen» aus Luzern

Die Fahrradkuriere küren jedes Jahr ihre Europameister. Dieses Jahr gewann eine Schweizerin. Regula Huber darf sich bis zum nächsten Sommer stolz «Fixie Queen» nennen, bereits zum zweiten Mal nach 2006. Der Titel ist wenig bekannt, denn die Szene ist klein. Sehr klein sogar.

Regula Huber ist seit sieben Jahren für den Velokurier Luzern unterwegs. Einmal im Jahr trifft sie sich mit ihren europäischen Kolleginnen und Kollegen zur Europameisterschaft, bei der Spass und Geselligkeit fast so viel zählen wie Siege und Auszeichnungen. Dieses Jahr traf sich die Gilde der Kuriere im niederländischen Eindhoven, wo während dreier Tage über 300 Velokuriere um Ehre und Plätze kämpften. Zu den Wettkämpfen gehört unter anderem das Ausdauer-Hauptrennen, bei dem es darum geht, auf einem abgesperrten Terrain während dreier Stunden so viele Briefe und Pakete wie möglich von einem Punkt zu einem anderen zu spedieren. Zu den Teilprüfungen gehört auch Trackstand: möglichst langes Balancieren auf dem Rad an Ort und Stelle, wobei mit fortlaufender Zeit Hände und Füsse vom Rad weggenommen werden müssen. Beim Trackskid wird mit möglichst hoher Geschwindigkeit Anlauf genommen, um dann mit blockiertem Hinterrad eine möglichst weite Distanz zurückzulegen.

Zur Belohnung ein goldenes Rad – und Bier
Wer nun «Fixie King» oder eben «Fixie Queen» werden will, muss nicht nur die Gesamtwertung gewinnen, sondern auch auf einem «Fixie» – einem Starrlaufvelo – unterwegs sein. Beide Voraussetzungen erfüllte Regula Huber dieses Jahr, obwohl sie im Hauptrennen einen folgenschweren Fehler machte und nur Vierte wurde. Dank ihres grossen Vorsprungs im Trackskid, dem Rutschen bei blockiertem Hinterrad, reichte es trotzdem für den zweiten Gesamtsieg bei diesen internationalen Titelkämpfen. Als Lohn gab es ein weisses Starrlaufvelo mit Gold-Kurbeln, -Ketten, -Lenker und -Nabe – und ein erfrischendes Bier mit den Mitstreiterinnen und Mitstreitern.

Von der Posaune zum Velo
Dass Regula Huber sportliche Erfolge einfahren würde, war nicht immer absehbar. Sie stammt aus einer künstlerisch orientierten Familie. Ihre Brüder schlugen eine Laufbahn als Musiker und Schauspieler ein, sie selber ist begeisterte Posaunistin. Zwischenzeitlich spielte sie in einer Brassband und unterrichtet neben dem Kurierfahren Posaune. Es ist noch nicht lange her, dass aus «Gix», so ihr Spitzname, ein Fixie-Fan wurde. «Erst vor zweieinhalb Jahren überrredete mich Päsci, ein Arbeitskollege, eine Fahrt auf einem Starrlaufvelo zu unternehmen», so die dreissigjährige Luzernerin. Und es blieb nicht beim Test. Inzwischen ist sie so begeistert, dass sie in der Freizeit oft auf dem Fixie anzutreffen ist. «Für mich ist es ein ideales Velo. Es ist sehr verschleiss­arm, man muss keine Schaltung einstellen, die Kette wird weniger abgenützt und es ist super bequem zu fahren», so Regula Huber. Auch wenn sie nur einen Gang zur Verfügung hat, hält sie das nicht davon ab, immer wieder mal Richtung Emmental zu fahren. Ein strassenverordnungskonformes Velo benützt sie nur noch, wenn sie muss – zum Beispiel für die Arbeit, denn da sind Fixies verboten.

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