
Die wichtigsten Dinge hat man gerne in Griffnähe. Das ist auch beim
Velofahren so. Statt umständlich im Rucksack oder in Velotaschen zu
kramen, bietet sich eine Lenkertasche für die wichtigsten Utensilien
an. Braucht man etwas, muss nicht erst abgestiegen werden, um Zugriff
zu bekommen. Je nachdem erreicht man das Wichtigste sogar während der
Fahrt. Gerade für den Fotoapparat ist das praktisch, damit das schöne
Sujet nicht längst verschwunden ist, wenn man endlich die Kamera
gezückt hat. Aber auch Portemonnaie, Handy, Kugelschreiber,
Sonnenbrille, eine kleine Zwischenverpflegung, eine Karte oder ein
Reiseführer sind in der Lenkertasche schnell griffbereit. Lenkertaschen
eignen sich auch zum Mitführen von Ausweisen, Pässen, Tickets und
Ähnlichem, bleiben sie doch während der Fahrt immer im Blickfeld.
Steigt man ab, können sie einfach vom Rad genommen und mit einem
Schulterriemen bequem getragen werden.
Langes Wühlen entfällt
So praktisch die Lage der Tasche am Lenker auch ist – zu üppig sollte
man sie nicht bepacken. Hängt viel Gewicht über dem Vorderrad, wird das
Fahrverhalten negativ beeinflusst: Der Lenker neigt dann dazu, auf die
eine oder andere Seite zu schwenken und muss dementsprechend fester im
Griff gehalten werden. Daher ist eine grosse Tasche nicht in jedem Fall
besser. Sie verführt dazu, Unnötiges einzupacken. Kommt hinzu, dass
heute nicht mehr so viel Platz benötigt wird, denn die Alltagsdinge
werden kleiner und kleiner: Kam vor ein paar Jahren noch eine grosse
Spiegelreflexkamera inklusive verschiedener Objektive mit auf die Tour,
begnügen sich mittlerweile viele mit einer kompakten Digitalkamera,
welche nur noch einen Bruchteil des Platzes benötigt. Daher bietet auch
die kleinste Tasche in unserer Auswahl, die Ortlieb «Ultimate 5
compact», schon ausreichend Platz für die wichtigsten Dinge.
Doch Platz alleine ist nicht alles: Die Taschen unterscheiden sich
stark in ihrer Aufteilung und der Menge an Zusatzfächern. Sehr gut
gefallen haben diesbezüglich die Modelle von Vaude und Abus: Mit den
klug konzipierten Aussen- und Innentaschen findet sich für jeden
Ausrüstungsgegenstand ein geeigneter Platz. Langes Wühlen entfällt.
Nur kein Wasser reinlassen
Angesichts der wertvollen Fracht ist es bei den Lenkertaschen besonders
wichtig, dass auch bei anhaltendem Regen oder einem Wolkenbruch kein
Wasser eindringt. Diesbezüglich können die Modelle in zwei Gruppen
eingeteilt werden: einerseits jene Taschen, deren wasserdichtes
Material nicht genäht, sondern verschweisst ist. In der
velojournal-Auswahl sind die Tasche von Agu sowie die beiden
Ortlieb-Taschen nach diesem Muster gefertigt. Auf der anderen Seite
stehen jene Taschen, die durch eine zusätzliche Regenhaube, die bei
Bedarf über die Tasche gestülpt wird, wetterfest gemacht werden. Diese
Taschen sind genäht und können dadurch sehr einfach mit Aussen- und
Innentaschen versehen werden, die das Handling vereinfachen – so lange
es nicht regnet. Bei Regen werden die Fächer samt Karte durch die Hülle
überdeckt. Einzig die Regenhüllen von Arkel und Abus waren
diesbezüglich perfekt: Sie haben ein Sichtfenster eingearbeitet, damit
man auch bei Regen auf die Karte sieht. Wer Regenfahrten oder zumindest
regenreiche Gegenden liebt, wird mit einer verschweissten Tasche besser
fahren. Mitunter auch deshalb, weil sich diese bei Regen noch genau so
gut bedienen lässt wie bei Sonnenschein.
Halterungen
Da in der Lenkertasche üblicherweise das Wichtigste und oft auch
Wertvollste verstaut wird, ist es von Vorteil, wenn die Teile einfach
und schnell vom Velo genommen und danach wieder sicher fixiert werden
können. Hierfür sind alle Modelle mit einem Halter versehen, der am
Velo fixiert wird und mit einem Klickverschluss ausgerüstet ist. Bei
den meisten Taschen ist dies das Haltesystem der deutschen Firma
Klickfix. Dieses hat sich über Jahre bewährt, funktioniert sehr einfach
und ist fast schon zum Standard geworden, sodass sich darauf auch
anderes Accessoires und eine grosse Auswahl an Körben montiert lassen.
Sogar die Ortlieb-Taschen passen hier drauf.
Einen ganz eigenen Weg geht Basil. Dieser Halter wird nicht am Lenker,
sondern am Lenkervorbauschaft befestigt, sofern ein solcher vorhanden
ist – was zum Beispiel bei Mountainbikes mit dem Ahead-System nicht der
Fall ist. In diesem Fall muss ein spezieller Adapter gekauft werden.
Auf den Basil-Halter wiederum passen die Basil-Lenkerkörbe, sodass in
den Ferien die Tasche, im
Alltag aber der Korb verwendet werden kann. Arkel hat ebenfalls ein
eigenes Befestigungssystem, welches in der Montage sehr flexibel ist,
sodass es an alle erdenklichen Lenkerformen montiert werden kann.
Gerade die Montage bietet manchmal Probleme: Für schmale Rennlenker
sind die Taschen oft etwas breit, bei Multipositionslenkern kommen sie
mit dem Lenkerrohr ins Gehege, was mit einer Adapterverlängerung gelöst
werden kann. Allerdings kommt die Tasche damit noch weiter von der
Lenkachse weg, wodurch sich das Fahrverhalten verschlechtert.
Neu auch mit GPS-Fach
Sehr praktisch sind die Kartenfächer, die auf dem Taschendeckel fixiert
werden können. So hat man die Karte während der Fahrt immer im Auge und
muss nicht in den Taschen wühlen, wenn der Weg verworren wird. In
regenreichen Gebieten ist natürlich auch hier die wasserdichte Version
von Vorteil, wenn auch das Ein- und Auspacken der Karte etwas mühsamer
ist. Gefallen hat diesbezüglich das Modell von Abus: Neben dem
Kartenfach hat es im Deckel ein Fensterchen und ein Fach für ein
GPS-Gerät eingearbeitet, damit dieses bestens im Blick bleibt. Auch
Ortlieb hat auf die GPS-Technik reagiert und bietet zur «Ultimate M»
als Zubehör eine anknöpfbare, wasserdichte GPS- oder Kartentasche an.
Fazit
Die Lenkertaschen sind mit all diesen technischen Finessen, die ihnen
auch einen deutlichen Outdoor-Touch verleihen, klar auf Touren
ausgelegt. Obwohl: Auch im Alltag wäre eine kleine Tasche, die
praktisch am Velo angebracht werden kann, ganz praktisch. Hierfür ist
aber eine modischere Optik gefragt. Diesen Schritt schaffen die Ortlieb
«Ultimate 5 compact» und das umfangreiche Sortiment von Zwei. Mit dem
Verzicht auf Aussentaschen und Kartenfach sind sie auf der Tour etwas
weniger funktionell, gehen dafür im Ausgang als modisch astreine
Handtasche durch und erobern sich so vielleicht bei vielen Frauen einen
Platz unter den Lieblingshandtaschen.