Film

Mit dem Rad, Kamerad!

In der Komödie «Immer die Radfahrer» von 1958 wiederholen drei Schulkameraden eine Velotour, die sie bereits vor 25 Jahren unternahmen – und begeben sich damit auf eine Zeitreise durch ein halbes Jahrhundert. Bruno Angeli
Der korpulente Eierlikörproduzent Fritz Eilers (Heinz Erhardt), der berühmte Schauspieler Ulrich Salandt (Hans-Joachim Kulenkampff) und der fitte Gymnasialprofessor Johannes Büttner (Wolf Albach-Retty) radeln übermütig los. Dabei trällern sie das Lied «Mit dem Rad, Kamerad!». Ziel ist das kleine fiktive Städtchen Burgsteinach. Schon vor 25 Jahren machte sich das Trio mit seinen Rädern auf diesen Weg. Damals verbrachten die drei Jugendfreunde eine unvergessliche Ferienzeit zusammen. Sie machten in Burgsteinach die Bekanntschaft von jungen Damen. Sie verliebten sich dabei über beide Ohren. Im gesetzten Alter wollen die Kameraden nun diese Zeit wieder heraufbeschwören und freuen sich auf das Wiedersehen mit ihren Jugendlieben. Die Ehefrauen müssen derweil zu Hause bleiben, was bei diesen nicht allzu gut ankommt. Sie werden ihre Göttergatten im Auge behalten.

Spässchen und Konsumkritik
«Immer die Radfahrer» ist ein Buddy-Film. Man merkt, dass die drei Hauptdarsteller mit Spass an der Arbeit waren. Aus heutiger Sicht wirkt der Film zwar etwas bieder, doch manche Spässchen der Herren Erhardt, Kulenkampf und Albach-Retty sind noch immer sehenswert. So reagiert Erhardt etwa auf die Aufforderung «Guckt mal, wie herrlich es da unten ist!» mit: «Wenns da unten so herrlich ist, warum schleppst du uns dann hier hinauf!»
Der Film packt auch gleich ein Stück Konsumkritik mit ein. Zu Beginn befragt Lehrer Büttner seine Schüler, wie sie ihre Ferien verbringen würden. Die meisten verreisen mit «modernen» Verkehrsmitteln, mit Auto und Flugzeug. Einzig Lehrer Büttner scheint noch etwas von altmodischer Feriengestaltung zu halten. Er wird wie jedes Jahr aus Überzeugung per Velo verreisen. In einer anderen Szene wird das «moderne» Reiseverhalten ebenfalls aufgezeigt. Robby, der Sohn des vermögenden Likörfabrikanten Eilers, schwärmt davon, dass er mit seinem schicken Cabriolet – das Papa noch zu bezahlen hat – bereits in Italien war. Papas Schulfreund Büttner fragt nach: «Und, was hat Ihnen dort den grössten Eindruck gemacht?» Juniors Antwort: «Die tollen Strassen. Wir sind überall nur so vorbeigezischt!»
«Immer die Radfahrer» ist in die Jahre gekommen, und auf die Gesangseinlagen von Peter Kraus könnte man getrost verzichten. Dafür entschädigen die schönen Kärntner Landschaften und ein paar Sprüche der Protagonisten, die besonders Velofahrenden im Gedächtnis bleiben dürften.

Die DVD

Image«Immer die Radfahrer»
Österreich, 1958
Regie: Hans Deppe
Drehbuch: Wolf Neumeister
Schauspieler: Heinz Erhardt, Hans-Joachim Kulenkampff, Wolf Albach-Retty, Mady Rahl, Peter Kraus
Schnitt: Renate Jelinek
Musik: Hans Lang
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