Dr. V. Love
Dr. V. Love
Kampftrinker auf dem Velo
Lieber Dr. V. Love
Ich lese velojournal selten, da ich mich normalerweise auf vier Rädern
fortbewege. Doch nun brauche ich den Rat eines Veloexperten, denn
überall begegnen mir betrunkene Velofahrer! Vor einigen Tagen sah ich
einen besoffenen Velofahrer hinfallen – er hatte den Mittelstreifen mit
dem Trottoir verwechselt. Ich konnte nur lachen: selber schuld! Doch
mein Spass hört dort auf, wo diese Trunkenbolde andere gefährden.
Gestern zerkratzte ein besoffener Biker mein Auto. Welche Gesetze
gelten da eigentlich – gegen diese Landplage auf Rädern?
Bruno M.
Lieber Herr Merdriver
Trunkenheit im Strassenverkehr ist eine ernste Sache. Für den
motorisierten Verkehr gilt heute ja praktisch die Nulltoleranz. Egal,
ob betrunkener Balkan-Raser oder Agglo-Stenz – allen entzieht die
Polizei sofort den Führerausweis.
Betrunkenen RadfahrerInnen geht es gleich. Sofern diese ein «Billett»
haben, wird ihnen der Ausweis entzogen, auch wenn sie eigentlich «nur»
alkoholisiert mit dem Velo unterwegs sind. Diese Praxis beeindruckt
hartgesottene Öko-Biker freilich kaum. Sie kratzen lieber am Lack der
Nobelkarossen, als dass sie selber autofahren würden, also greift der
Führerscheinentzug nicht.
Allerdings gibt es noch einen anderen Paragrafen: Velofahrenden, «die
an einer Sucht leiden, die die Fahreignung ausschliesst», kann das
Radfahren untersagt werden. Hier müsste meiner Meinung nach angesetzt
werden, hier müsste das Gesetz mit voller Härte zur Anwendung kommen!
Denn sowohl Alkoholismus als auch krankhafte Zerstörungswut sind ganz
klar Süchte.
Die einzige Alternative ist ein generelles Alkoholverbot für
Radfahrende – analog zu den Beschränkungen für Jugendliche, die ja nun
in mehreren Gemeinden am Abend nicht mehr auf die Strasse dürfen. Ich
fürchte allerdings, dass solche Verbote nur wenig bewirken.
Deshalb könnte der Staat – ein radikaler neuer Ansatz – doch das
inzwischen in Mode gekommene Koma-Saufen weiter fördern. Dies hätte
zwar minimale gesundheitliche Nachteile, würde aber die
«Trink-Schlufis» davon abhalten, auf ihr Velo zu steigen. Ganz nach dem
Motto: Lieber eine Alkoholleiche vor meiner Tür als ein Kratzer in
meinem Lack.
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