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Diebstahl – egal?

1,7 Millionen Velovignetten mit dem zusätzlichen BikeRefinder-Sticker wurden dieses Jahr verkauft, aber nur etwa 100000 Velofahrerinnen und Velofahrer – also rund 6 Prozent davon – liessen ihr Bike auch tatsächlich registrieren. Was sind die Gründe?

Die Ausgangslage ist bekannt: Die meisten Velos, die gestohlen werden, bleiben nicht lange beim neuen «Besitzer», sondern werden nur kurze Zeit benutzt und dann irgendwo stehen gelassen – spätestens nach dem ersten Defekt. «Entwendung zum Gebrauch» heissen diese Diebstähle im Polizeijargon. Die Folge davon sind die vielen Zweiräder, die irgendwo herumstehen, bis sie von der Polizei eingesammelt werden. Das kann Monate dauern, denn die Behörden werden meistens erst dann aktiv, wenn sie sicher sind, dass das Fahrrad auch tatsächlich herrenlos ist. «Oft reagieren wir auf Hinweise von Liegenschaftsbesitzern», erklärt Benjamin Lütolf von der St.Galler Stadtpolizei. Lässt sich der Besitzer nicht feststellen, werden die Fahrräder drei Monate aufbewahrt und dann weitergegeben – Arbeitlosen- oder Entwicklungshilfeprojekte – oder verschrottet.

Die Zahl hat sich eingependelt
Wie finden die Velos zurück zu ihrem Eigentümer? Bei der Polizei weist man darauf hin, dass sich die Velobesitzer die Rahmennummer notieren sollten. Diese stehe auch auf dem Garantieschein, erinnert Lütolf. Doch viele Besitzerinnen und Besitzer können die Nummer nicht nennen, wenn sie eine Diebstahlsanzeige machen.
Um dem Problem der fehlenden Rahmennummern zu begegnen, gibt es diverse Lösungsversuche. Am populärsten ist zurzeit der BikeRefinder, der sich dank einer Kooperation mit den Generali-Versicherungen schweizweit verbreitet: Wer seine Vignette bei Migros, Migrol-Tankstellen, am Kiosk oder bei Pro Juventute kauft, findet darauf eine Anleitung sowie den Sticker von BikeRefinder. Die Anmeldung funktioniert denkbar einfach: Ein SMS mit der Eingabe Reg08 sowie der Vignettennummer an die Telefonnummer 4636 genügt. Das SMS kostet 1.50 Franken. Ein Jahr lang – bis die nächste Vignette gekauft werden muss – bleiben die Angaben in der Datenbank gespeichert. Wird das gestohlene Velo wieder gefunden, erhält man ein SMS mit Fundort und Kontaktadresse.
Klingt alles ganz einfach. Doch die Anmeldungen bleiben seit dem Start des Angebots vor vier Jahren hinter den Erwartungen zurück. Konkret sind es inzwischen rund 100000 Registrierungen bei 1,7 Mio. verkauften Vignetten mit dem BikeRefinder-Sticker. Etwa 2000 Fundmeldungen trafen im letzten Jahr beim Vermittlungsdienst ein, 25 Prozent – also rund 500 Velos – konnten ihren Besitzern vermittelt werden. Wie ist die schwache Registrierungsquote zu erklären? «Die Leute lesen nicht, was sie tun müssten, oder sind einfach zu bequem», so das Fazit von Sabina Klein, Geschäftsführerin von BikeRefinder in Ponte Tresa. Auch eine verbesserte Zugänglichkeit oder weitere Serviceangebote nützten nichts: Inzwischen kann man sich nämlich über das Internet anmelden, und wer will, kann neben der Vignettennummer auch noch die Rahmennummer angeben. Es sei auch nicht so, dass sich die Quote jedes Jahr erhöhe, weil das Angebot stetig bekannter werde, bedauert Klein. «Die Zahl hat sich eingependelt.»
Bei 1,7 Millionen verkauften BikeRefinder-Vignetten sind 500 Velos, die schliesslich wieder ihrem Besitzer zurückgegeben werden konnten, nicht sehr viel. Doch Sabina Klein gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich die Zahl der registrierten Velos noch erhöhen werde. Mit einer Werbekampagne könnte man die Entwicklung zwar beschleunigen, «doch dafür fehlt das Geld», stellt sie klar. Besser als bei den Vignettenbesitzern hat sich das System bei den Behörden durchgesetzt. «Wenn sie den Sticker auf der Vignette sehen, melden sie sich», bilanziert Klein. 70 Prozent der Meldungen erfolgten durch Polizei, Gemeinden und Behörden: «Die Polizei hat ein Interesse daran, die Velos wieder loszuwerden.»

Ein gutes System
Es gebe bestimmt Eigentümer, denen es nicht viel bedeutet, wenn ihnen das Gefährt abhanden kommt, sagt Klein. In vielen Hausratsversicherungen sind die Velos inzwischen zum Neuwert versichert. Die komfortable Abdeckung zu einem kleinen Aufpreis ist für die Versicherungsberater trotz 60000 geklauten Velos pro Jahr und rund dreissig Millionen Franken Schaden immer wieder ein Argument beim Verkauf der Police. Vom Versicherer Generali, der eigentlich ein Interesse an möglichst vielen Rückgaben haben müsste, gibt es denn auch keine Kritik an der tiefen Registrierungsquote. Im Gegenteil: «Wir beurteilen BikeRefinder als gutes System», erklärt Generali-Sprecherin Liliane Scherer.
Es gibt auch Alternativen zu BikeRefinder. Das Angebot wird offenbar mit dem fast gleichlautenden und vor allem in Deutschland aktiven Bikefinder verwechselt. Dieser Anbieter bietet Veloregistrierungen für 13 Euro an. Dafür erhält man ein aufklebbares Kennzeichen, und für 24 Euro gibt es einen Mikrochip mit einer Identifikationsnummer. Bikefinder arbeitet laut eigenen Angaben auch in Österreich, in der Schweiz, in den Beneluxländern und in Dänemark. Andere Registrierungsprojekte waren glücklos. Etwa der in der Region um Bern lancierte Bicycode, der in die Lenkstange eingraviert wurde. Dieser Initiative fehlte die Unterstützung durch die Versicherer. Das Projekt Securmark bietet inzwischen eine Kennzeichnung von Autos an, von Velos ist dort allerdings nicht mehr die Rede.

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