
Die Ausgangslage ist bekannt: Die meisten Velos, die gestohlen
werden, bleiben nicht lange beim neuen «Besitzer», sondern werden nur
kurze Zeit benutzt und dann irgendwo stehen gelassen – spätestens nach
dem ersten Defekt. «Entwendung zum Gebrauch» heissen diese Diebstähle
im Polizeijargon. Die Folge davon sind die vielen Zweiräder, die
irgendwo herumstehen, bis sie von der Polizei eingesammelt werden. Das
kann Monate dauern, denn die Behörden werden meistens erst dann aktiv,
wenn sie sicher sind, dass das Fahrrad auch tatsächlich herrenlos ist.
«Oft reagieren wir auf Hinweise von Liegenschaftsbesitzern», erklärt
Benjamin Lütolf von der St.Galler Stadtpolizei. Lässt sich der Besitzer
nicht feststellen, werden die Fahrräder drei Monate aufbewahrt und dann
weitergegeben – Arbeitlosen- oder Entwicklungshilfeprojekte – oder
verschrottet.
Die Zahl hat sich eingependelt
Wie finden die Velos zurück zu ihrem Eigentümer? Bei der Polizei weist
man darauf hin, dass sich die Velobesitzer die Rahmennummer notieren
sollten. Diese stehe auch auf dem Garantieschein, erinnert Lütolf. Doch
viele Besitzerinnen und Besitzer können die Nummer nicht nennen, wenn
sie eine Diebstahlsanzeige machen.
Um dem Problem der fehlenden Rahmennummern zu begegnen, gibt es diverse
Lösungsversuche. Am populärsten ist zurzeit der BikeRefinder, der sich
dank einer Kooperation mit den Generali-Versicherungen schweizweit
verbreitet: Wer seine Vignette bei Migros, Migrol-Tankstellen, am Kiosk
oder bei Pro Juventute kauft, findet darauf eine Anleitung sowie den
Sticker von BikeRefinder. Die Anmeldung funktioniert denkbar einfach:
Ein SMS mit der Eingabe Reg08 sowie der Vignettennummer an die
Telefonnummer 4636 genügt. Das SMS kostet 1.50 Franken. Ein Jahr lang –
bis die nächste Vignette gekauft werden muss – bleiben die Angaben in
der Datenbank gespeichert. Wird das gestohlene Velo wieder gefunden,
erhält man ein SMS mit Fundort und Kontaktadresse.
Klingt alles ganz einfach. Doch die Anmeldungen bleiben seit dem Start
des Angebots vor vier Jahren hinter den Erwartungen zurück. Konkret
sind es inzwischen rund 100000 Registrierungen bei 1,7 Mio. verkauften
Vignetten mit dem BikeRefinder-Sticker. Etwa 2000 Fundmeldungen trafen
im letzten Jahr beim Vermittlungsdienst ein, 25 Prozent – also rund 500
Velos – konnten ihren Besitzern vermittelt werden. Wie ist die schwache
Registrierungsquote zu erklären? «Die Leute lesen nicht, was sie tun
müssten, oder sind einfach zu bequem», so das Fazit von Sabina Klein,
Geschäftsführerin von BikeRefinder in Ponte Tresa. Auch eine
verbesserte Zugänglichkeit oder weitere Serviceangebote nützten nichts:
Inzwischen kann man sich nämlich über das Internet anmelden, und wer
will, kann neben der Vignettennummer auch noch die Rahmennummer
angeben. Es sei auch nicht so, dass sich die Quote jedes Jahr erhöhe,
weil das Angebot stetig bekannter werde, bedauert Klein. «Die Zahl hat
sich eingependelt.»
Bei 1,7 Millionen verkauften BikeRefinder-Vignetten sind 500 Velos, die
schliesslich wieder ihrem Besitzer zurückgegeben werden konnten, nicht
sehr viel. Doch Sabina Klein gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich die
Zahl der registrierten Velos noch erhöhen werde. Mit einer
Werbekampagne könnte man die Entwicklung zwar beschleunigen, «doch
dafür fehlt das Geld», stellt sie klar. Besser als bei den
Vignettenbesitzern hat sich das System bei den Behörden durchgesetzt.
«Wenn sie den Sticker auf der Vignette sehen, melden sie sich»,
bilanziert Klein. 70 Prozent der Meldungen erfolgten durch Polizei,
Gemeinden und Behörden: «Die Polizei hat ein Interesse daran, die Velos
wieder loszuwerden.»
Ein gutes System
Es gebe bestimmt Eigentümer, denen es nicht viel bedeutet, wenn ihnen
das Gefährt abhanden kommt, sagt Klein. In vielen
Hausratsversicherungen sind die Velos inzwischen zum Neuwert
versichert. Die komfortable Abdeckung zu einem kleinen Aufpreis ist für
die Versicherungsberater trotz 60000 geklauten Velos pro Jahr und rund
dreissig Millionen Franken Schaden immer wieder ein Argument beim
Verkauf der Police. Vom Versicherer Generali, der eigentlich ein
Interesse an möglichst vielen Rückgaben haben müsste, gibt es denn auch
keine Kritik an der tiefen Registrierungsquote. Im Gegenteil: «Wir
beurteilen BikeRefinder als gutes System», erklärt Generali-Sprecherin
Liliane Scherer.
Es gibt auch Alternativen zu BikeRefinder. Das Angebot wird offenbar
mit dem fast gleichlautenden und vor allem in Deutschland aktiven
Bikefinder verwechselt. Dieser Anbieter bietet Veloregistrierungen für
13 Euro an. Dafür erhält man ein aufklebbares Kennzeichen, und für 24
Euro gibt es einen Mikrochip mit einer Identifikationsnummer.
Bikefinder arbeitet laut eigenen Angaben auch in Österreich, in der
Schweiz, in den Beneluxländern und in Dänemark. Andere
Registrierungsprojekte waren glücklos. Etwa der in der Region um Bern
lancierte Bicycode, der in die Lenkstange eingraviert wurde. Dieser
Initiative fehlte die Unterstützung durch die Versicherer. Das Projekt
Securmark bietet inzwischen eine Kennzeichnung von Autos an, von Velos
ist dort allerdings nicht mehr die Rede.