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Besser biken mit grossen Rädern

Grössere Räder an Mountainbikes sollen die Fahrt durchs Gelände erleichtern und die Bike­szene mit einem neuen Trend beglücken. velojournal hat sich mit einem «Twentyniner», wie die Bikes aufgrund des Reifendurchmessers genannt werden, ins Gelände gestürzt. Marius Graber

Die Überlegung ist einfach, einleuchtend und deshalb für einen Trend gut: Je grösser das Rad, desto leichter lässt sich ein Hindernis überwinden. Denn das Rad rollt leichter darüber hinweg. Auf diesem Gedanken basiert die Tendenz zu grösseren Rädern bei Mountainbikes. Und flugs erfindet die Fahrradindustrie eine neue Radgrösse: 29 Zoll. Sozusagen als Königsklasse der fetten Reifen neben den sonst bei Bikes üblichen 26 Zoll oder bei Stadt- und Rennvelo gängigen 28 Zoll. Eigentliche 29-Zoll-Räder sind es allerdings nicht. Denn die «neue» Radgrösse basiert auf konventionellen 28-Zoll-Felgen, die mit fetten Reifen bestückt sind. Mit diesem grösseren Umfang werden sie als 29-Zoll-Räder bezeichnet, vielleicht auch, damit der Eindruck entsteht, als wäre hier etwas Neues erfunden worden.
Im Gelände mit einem 29-Zöller fällt zuerst nicht viel auf: Unser Testbike, das Gary Fisher «HiFi Pro 29» fährt, wie ein Bike eben durch Feld und Wald fährt: Die Federung vorne und hinten bügelt dem Gelände artig die Rauheit weg, die Schaltung funktioniert schnell, präzise und mit wenig Kraftaufwand, die Bremsen verzögern bissig, aber wohldosierbar. Im Steilhang dann das erste Indiz: Durch den grösseren Raddurchmesser ist die kleinste Untersetzung verloren gegangen, die hier sonst für niedrigen Puls sorgt. Dann, bei schneller Fahrt auf dem Waldweg, fühlt es sich so an, als würden die Big-Räder tatsächlich leichter über Bodenwellen, kleine Absätze und Hindernisse gleiten. Die Fahrt scheint etwas flüssiger, harmonischer, als liesse sich das 29-Zoll-Bike durch Unebenheiten weniger aus der Ruhe bringen.

Ab in den Wald
Geht es dann aber auf enge, verwinkelte Pfade, wirkt der «Twentyniner» träger als ein normales Bike, fast schon behäbig. Die Masse der grossen rotierenden Räder lassen schnelle Richtungswechsel nur unwillig zu, der konstruktiv bedingte Radstand trägt das Seine dazu bei.
Böse Zungen behaupten, der 29-Zoll-Trend werde heraufbeschworen, weil beim Mountainbike Federung, Scheibenbremsen und Rahmentechnologie so weit entwickelt seien, dass sich die Industrie dankbar auf jede neue Innovation stürze. Techniker halten dem entgegen, dass es mittlerweile möglich sei, auch grössere Räder so stabil zu bauen, dass sie den Geländeeinsatz überstehen. Für die Rahmenkonstruktion handeln sich die Velohersteller damit freilich einige Nachteile ein: Mit den grösseren Rädern ist es nämlich schwierig, die bewährten Geometrien bei den Bikes einzuhalten, erst recht bei kleinen Rahmengrössen. Der Federung bleibt weniger Platz, sodass man sich beim Hinter- wie beim Vorderrad mit zehn Zentimeter Federweg begnügen muss, was für Biker heutzutage nicht mehr viel ist. Zudem spricht die Federung durch das höhere Gewicht der grossen Räder schlechter an, womit ein Teil des 29-Zoll-Effektes zunichte gemacht wird.
Wir folgern: Der prädestinierte «Twentyniner»-Fahrer ist von mittlerer bis grosser Statur, meidet schmale verwinkelte Waldwege, begehrt keine grosse Federung oder steht gar auf rigide Mountainbikes. Ohne die Cleverness des 29-Zoll-Gedankens schmälern zu wollen: Für einen neuen Trend ist diese Kundengruppe vielleicht doch etwas klein.


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Gary Fisher «HiFi Pro29»

Vollgefederter Aluminiumrahmen, Fox-F29-RLC-29”-Federgabel, Fox-Float-RP23-Dämpfer, Shimano-XT-27-Gang-Kettenschaltung, AVID-Juicy-Seven-Scheibenbremse, Bontrager-Rhythm-Elite-Laufräder.
Gewicht: 12,8 kg
Preis: Fr. 4599.– (andere Modelle ab Fr. 2999.–)
Kontakt: www.garyfisher.com, Trek Fahrrad GmbH,
Tel. 044 824 85 00
Info: 29-Zoll-Bikes werden auch von weiteren Herstellern angeboten, zum Beispiel von Kona, Salsa oder Trek. Unter www.twentyniner.ch gibt es ein Forum zum Thema.

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