Test

Die Werkzeugkiste für unterwegs

Unterwegs eine Panne zu haben, ist nicht tragisch. Blöd ist nur, wenn man kein Flickzeug dabei hat, und noch blöder, wenn das Werkzeug nicht passt oder nichts taugt. velojournal hat sieben unterschiedliche Sets für unterwegs ausprobiert. Marius Graber

Auf einen Veloausflug oder eine Radreise braucht man nicht viel Werkzeug mitzunehmen. Denn die häufigsten Pannen unterwegs lassen sich mit wenigen Hilfsmitteln beheben. Vielfach ist es bloss ein platter Reifen, eine unpräzise Schaltung, allenfalls eine herausgesprungene Kette oder eine lose Schraube, die Ärger macht. Oder es gilt, «on the road» eine Bremse nachzuziehen. Kettenrisse und Achten in den Rädern sind bei gut gepflegten Fahrrädern eher fiese Ausnahmen.
Greift man für diese Fälle auf ein Velowerkzeugset zurück, hat man die benötigten Schlüssel kompakt zur Hand. velojournal hat sieben unterschiedliche Sets für unterwegs ausprobiert. Weit verbreitet sind Multitools, bei denen die gewünschten Werkzeuge ausgeklappt werden können, ähnlich einem Sackmesser. Das grösste von uns getestete, der Newcomer Lezyne «Stainless 20», umfasst neben Velowerkzeug gleich noch Messer und Flaschenöffner. Durch die vielen Werkzeuge ist es aber etwas zu klobig, um gut damit arbeiten zu können. Am anderen Ende der Skala ist das geradezu «herzige» Parktool-Set zu klein, um damit richtig Kraft aufbringen zu können. Es gilt die Erkenntnis: Je mehr Funktionen in einem Werkzeug vereinigt werden, desto unhandlicher wird es.
Einzelne Werkzeuge sind im Handling einfacher und universeller einzusetzen. Allen voran das SKS «CT Worx», das aus seinem Kunststoffgehäuse zwei Pneuhebel, zwei gestanzte Multi-Gabelschlüssel und einen Kettennietendrücker zaubert. Die Inbusschlüssel im grossen Gehäuse liegen so gut in der Hand, dass die Schrauben damit ordentlich festgezogen werden können. Sehr handlich zeigte sich auch das kleine Rätschenwerkzeug von Topeak. Mit den verschiedenen Inbus-Einsätzen in der Rätsche kann kräftig angezogen werden, selbst an eher schwer zu­­gänglichen Stellen. Für schnelles Schrauben steckt man die Einsätze ins andere Ende des Schlüssels. Jetzt kann gleich gearbeitet werden, wie mit einem Schraubenzieher. Es muss einzig beachtet werden, dass die kleinen Rätscheneinsätze nicht auf dem Waldboden verloren werden.

Gabelschlüssel fehlen meistens
Das klingt alles schön und gut, doch es gibt zwei Probleme. Erstens: Je nach Velo und Flickset fehlen den Werkzeugsets jeweils die passenden Schlüssel. So enthält das SKS als einziges einen 15-mm-Gabelschlüssel, welcher nötig ist, um ein Hinterrad mit einer Nabenschaltung oder ein Pedal zu lösen. Auch Sechskantschrauben oder -muttern können nicht mit allen Tools bearbeitet werden. Gerade an Touren- und Alltagsvelos sind diese aber oft zu finden, an Bikes oder Rennvelos hingegen praktisch nie. Besonders mühsam wird es, wenn Zubehör mit der Kombination Sechskantschraube-Sechskantmutter befestigt ist. Über zwei Maulschlüssel gleicher Grösse verfügt nämlich keines der ausprobierten Velowerkzeuge. Da hilft nur eine zusätzliche Kombizange im Gepäck (oder der Aufruf an alle Velomechaniker, Sechskantschrauben konsequent durch Inbusschrauben zu ersetzen). Und zweitens: Schrauben, die in der Werkstatt mit Profiwerkzeug festgezogen werden, sind unterwegs mit den Multitools oft nicht zu lösen. Typisches Beispiel hierfür sind Pedale, die für den Velotransport im Flugzeug gelöst werden müssen. Daher loht es sich, zu Hause schon mal zu überprüfen, ob man für die wichtigsten Schrauben das passende Werkzeug dabei hat – und ob man sie damit lösen kann.
Ein Wort noch zu den Kettennietendrückern: Ganz auszuschliessen ist ein Kettenriss nicht. Damit die Tour dadurch nicht ein jähes Ende nimmt, ist es gut, einen Kettennietendrücker dabei zu haben. Wirklich unbrauchbar war keiner der ausprobierten, besonders bewährt haben sich die Modelle von Lezyne, BBB und Topeak. Jener des Parktool-Sets hat fast schon Werkstattqualität.

 
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