
Auf einen Veloausflug oder eine Radreise braucht man nicht viel
Werkzeug mitzunehmen. Denn die häufigsten Pannen unterwegs lassen sich
mit wenigen Hilfsmitteln beheben. Vielfach ist es bloss ein platter
Reifen, eine unpräzise Schaltung, allenfalls eine herausgesprungene
Kette oder eine lose Schraube, die Ärger macht. Oder es gilt, «on the
road» eine Bremse nachzuziehen. Kettenrisse und Achten in den Rädern
sind bei gut gepflegten Fahrrädern eher fiese Ausnahmen.
Greift man für diese Fälle auf ein Velowerkzeugset zurück, hat man die
benötigten Schlüssel kompakt zur Hand. velojournal hat sieben
unterschiedliche Sets für unterwegs ausprobiert. Weit verbreitet sind
Multitools, bei denen die gewünschten Werkzeuge ausgeklappt werden
können, ähnlich einem Sackmesser. Das grösste von uns getestete, der
Newcomer Lezyne «Stainless 20», umfasst neben Velowerkzeug gleich noch
Messer und Flaschenöffner. Durch die vielen Werkzeuge ist es aber etwas
zu klobig, um gut damit arbeiten zu können. Am anderen Ende der Skala
ist das geradezu «herzige» Parktool-Set zu klein, um damit richtig
Kraft aufbringen zu können. Es gilt die Erkenntnis: Je mehr Funktionen
in einem Werkzeug vereinigt werden, desto unhandlicher wird es.
Einzelne Werkzeuge sind im Handling einfacher und universeller
einzusetzen. Allen voran das SKS «CT Worx», das aus seinem
Kunststoffgehäuse zwei Pneuhebel, zwei gestanzte Multi-Gabelschlüssel
und einen Kettennietendrücker zaubert. Die Inbusschlüssel im grossen
Gehäuse liegen so gut in der Hand, dass die Schrauben damit ordentlich
festgezogen werden können. Sehr handlich zeigte sich auch das kleine
Rätschenwerkzeug von Topeak. Mit den verschiedenen Inbus-Einsätzen in
der Rätsche kann kräftig angezogen werden, selbst an eher schwer
zugänglichen Stellen. Für schnelles Schrauben steckt man die Einsätze
ins andere Ende des Schlüssels. Jetzt kann gleich gearbeitet werden,
wie mit einem Schraubenzieher. Es muss einzig beachtet werden, dass die
kleinen Rätscheneinsätze nicht auf dem Waldboden verloren werden.
Gabelschlüssel fehlen meistens
Das klingt alles schön und gut, doch es gibt zwei Probleme. Erstens: Je
nach Velo und Flickset fehlen den Werkzeugsets jeweils die passenden
Schlüssel. So enthält das SKS als einziges einen 15-mm-Gabelschlüssel,
welcher nötig ist, um ein Hinterrad mit einer Nabenschaltung oder ein
Pedal zu lösen. Auch Sechskantschrauben oder -muttern können nicht mit
allen Tools bearbeitet werden. Gerade an Touren- und Alltagsvelos sind
diese aber oft zu finden, an Bikes oder Rennvelos hingegen praktisch
nie. Besonders mühsam wird es, wenn Zubehör mit der Kombination
Sechskantschraube-Sechskantmutter befestigt ist. Über zwei
Maulschlüssel gleicher Grösse verfügt nämlich keines der ausprobierten
Velowerkzeuge. Da hilft nur eine zusätzliche Kombizange im Gepäck (oder
der Aufruf an alle Velomechaniker, Sechskantschrauben konsequent durch
Inbusschrauben zu ersetzen). Und zweitens: Schrauben, die in der
Werkstatt mit Profiwerkzeug festgezogen werden, sind unterwegs mit den
Multitools oft nicht zu lösen. Typisches Beispiel hierfür sind Pedale,
die für den Velotransport im Flugzeug gelöst werden müssen. Daher loht
es sich, zu Hause schon mal zu überprüfen, ob man für die wichtigsten
Schrauben das passende Werkzeug dabei hat – und ob man sie damit lösen
kann.
Ein Wort noch zu den Kettennietendrückern: Ganz auszuschliessen ist ein
Kettenriss nicht. Damit die Tour dadurch nicht ein jähes Ende nimmt,
ist es gut, einen Kettennietendrücker dabei zu haben. Wirklich
unbrauchbar war keiner der ausprobierten, besonders bewährt haben sich
die Modelle von Lezyne, BBB und Topeak. Jener des Parktool-Sets hat
fast schon Werkstattqualität.