Film
Unbewältigte Vergangenheit
Japanische Zeichentrickfilme haben viele Anhänger. Der Grund dafür sind Werke wie «Das Mädchen, das durch die Zeit sprang». Ein gelungener Animationsfilm voller Komplikationen, der stilgerecht umgesetzt wurde. Bruno Angeli
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Einmal mehr ist Makoto zu spät dran. |
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Beherzt springt Makoto Konno in die Vergangenheit. |
Vor 43 Jahren erschien in Japan eine Fortsetzungsgeschichte mit dem
Titel «Toki wo kakeru shôjo». Diese Story des Autors Yasutaka Tsutsui
stiess beim jungen Publikum auf Begeisterung. Fans kürzten den Titel
bald liebevoll zu «Tokikake» ab. «Tokikake» wurde seither mehrmals für
das Fernsehen und Kino adaptiert. 2006 lieferte die Geschichte auch die
Grundlage für einen aufwändigen Zeichentrickfilm. Dass die
Animations-version aus dem Studio Mad House nur noch eine Anlehnung an
die Originalvorlage ist, wird bald klar. So heisst die Heldin in «Das
Mädchen, das durch die Zeit sprang» Makoto Konno. Sie ist eine
17-jährige Schülerin mit unterdurchschnittlichen Noten, die mit ihren
Schulfreunden Chiaki Mamiya und Kôsuke Tsuda am liebsten Baseball
spielt. Doch die Macher haben zur Original-Geschichte eine schöne
Verbindung geschaffen: Der Heldin aus der ursprünglichen Story, Kazuko
Yoshiyama, begegnen wir auch im Animationsfilm. Sie taucht als Makotos
Tante auf.
Talent und Verantwortung
Makoto entkommt wie durch ein Wunder dem Tod: Bei einem Bahnübergang
versagen die Bremsen ihres Velos. Sie fährt in die Bahnschranke, fliegt
darüber und stürzt dem herannahenden Zug entgegen. Dabei wird Makoto
von einem rätselhaften Bilderstrudel erfasst. Als sie leicht benommen
zu sich kommt, befindet sie sich auf einmal vor der Bahnschranke auf
dem Boden, und der Zug ist erst in Anfahrt. Sie ist durch die Zeit
gesprungen. Mit diesem neuen Talent ausgestattet, beginnt Makoto damit,
unangenehme Erlebnisse aus der Vergangenheit zu korrigieren. Ermöglicht
werden diese Sprünge in die Vergangenheit durch eine kleine,
nussförmige Maschine, die Makoto per Zufall in der Schule findet. Was
die Schülerin zunächst allerdings nicht weiss: Die Maschine verliert
bei jedem Sprung Energie. Das heisst: Diese Energie ist endlich.
Makoto springt in die Vergangenheit und korrigiert eine zuvor
vermasselte Prüfungsaufgabe. Sie findet immer mehr Gefallen daran,
Vergangenes zu beeinflussen. Sie springt, um ihr Lieblings-Dessert zu
verspeisen, um Schulfreunde zu verkuppeln oder zur Abwechslung mal
pünktlich in der Schule zu erscheinen. Doch bald muss Makoto erkennen,
dass sie die Welt immer stärker durcheinanderbringt, je mehr Sprünge
sie unternimmt. Verschiedene Menschen geraten ihretwegen in grosse
Schwierigkeiten. Kompliziert wird ihr Leben zusätzlich, als ein Junge
ihr seine Liebe gesteht. Ein Junge, hinter dem sich ein Geheimnis
verbirgt, in das auch sie verwickelt ist …
Tsutsui, der Schöpfer von «Tokikake», gilt mit mehr als hundert
veröffentlichten Romanen und Novellen als einer der produktivsten und
fantasievollsten Autoren Japans. In deutscher Sprache ist von ihm der
Krimi «Mein Blut ist das Blut eines anderen» 2006 erschienen. Tsutsui,
der «Marx, genauer Groucho Marx» als sein grösstes Vorbild bezeichnet,
ist mit der Umsetzung des Trickfilms zufrieden: «Ich rede mir ein, dass
mein Roman, wenn ich ihn heute geschrieben hätte, dem Drehbuch geähnelt
hätte. Die Figur Kazuko Yoshiyama ist nicht zeitlos – die neue
Generation von Tokikake muss meiner Meinung nach so aussehen.»
Das Mädchen, das durch die Zeit sprang
Originaltitel: «Toki wo kakeru shôjo» /
«The Girl Who Leapt Through Time», Japan, 2006
Regie: Mamoru Hosoda
Originalautor: Yasutaka Tsutsui (Kadokawa Shoten)
Drehbuch: Satoko Okudera
Character Design: Yoshiyuki Sadamoto
Leitung Animation: Yuri Hayakawa, Masashi Ishihama, Chikashi Kubota
Künsterische Leitung: Nizô Yamamoto
Musik: Kiyoshi Yoshida
Kamera: Yoshihiro Tomita
Schnitt: Shigeru Nishiyama
Animationsproduktion: Mad House
Produzenten: Takashi Watanabe, Yûichirô Saito
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