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Swiss Cycling: Radikaler Sparkurs

Der neue Geschäftsführer von Swiss Cycling hat sich ein sportliches Ziel gesetzt: Bis in sechs Jahren soll der Verband schuldenfrei sein. Die Delegiertenversammlung gab Mitte März grünes Licht für tiefgreifende Reformen. Doch die Krise ist damit noch nicht ausgestanden.

Auch im Jahr seines 125-Jahr-Jubiläums wartet Swiss Cycling mit einer Hiobsbotschaft aus der Finanzabteilung auf: Wieder einmal wurde ein Verbandsjahr mit roten Zahlen abgeschlossen, das Defizit beträgt diesmal 256825 Franken. Damit erhöht sich die Gesamtschuld – wie zu Zeiten von Ex-Präsident Hugo Steinegger – auf über eine Million Franken. Diese Zahlen sind derart alarmierend, dass auch die Revisionsgesellschaft BDO Visura in ihrem Bericht zur Jahresrechnung festhält, dass Swiss Cycling überschuldet ist und die bestehenden Liquiditätsschwierigkeiten die Fortführung des Verbandes ernsthaft gefährden.

Beschränkung auf das Wesentliche
Viktor Andermatt, seit letztem Herbst neuer Geschäftsführer bei Swiss Cycling, nimmt dies ernst. Der Finanzexperte und Radsportkenner hat aus diesem Grund ein umfassendes Sanierungskonzept in Angriff genommen. Das erste Sparpaket umfasst 380000 Franken, also knapp 10 Prozent des Jahresbudgets von Swiss Cycling. Davon ist auch der Sportbereich nicht ausgenommen: Kader werden verkleinert, die Begleitpersonen an internationalen Wettkämpfe reduziert. «Wir müssen uns derzeit auf das Wesentliche beschränken», so Andermatt. Der 25-Jährige aus Lenzburg wusste bei seiner Wahl, auf was er sich eingelassen hatte. «Mir war die prekäre finanzielle Situation bekannt. Aber ich arbeite gerne mit Zahlen und bin überzeugt davon, dass wir aus diesem Loch wieder herausfinden.»
Die finanziellen Schwierigkeiten beruhen in erster Linie auf strukturellen Problemen: Es ist in den letzten Jahren nicht gelungen, einen grösseren Verbandssponsor zu gewinnen. Daran hat auch der vor zwei Jahren gewählte Verbandspräsident Melchior Ehrler nichts ändern können. Die Swiss-Cycling-Basis setzte in den früheren CVP-Nationalrat die Hoffnung, er möge mit seinem Beziehungsnetz neue Geldgeber für den Verband finden. Bis dato blieb Ehrler aber wenig erfolgreich. Andermatt, ebenfalls ein CVP-Politiker, weiss um diese Problematik. Er will die Sponsorensuche künftig anders angehen: «Wir wollen neu Bereichssponsoring anbieten. Es soll künftig möglich sein, nur einen Teilbereich des Verbandes zu unterstützen.» Er hofft, auf diese Weise einfacher auch an kleinere Sponsoren heranzukommen, die nur in einer der acht Disziplinen von Swiss Cycling tätig sind. Gleichzeitig soll der Leistungssport ausgegliedert und in eine neue Rechtsform überführt werden. Grünes Licht für einen solchen Schritt erhielt der Verband im März an der Delegiertenversammlung.

Die Restschuld muss weg
Die Ziele von Andermatt sind ambitiös: «Bis 2010 soll die Schuldenlast auf 200000 Franken reduziert werden.» Diese verbleibende Restschuld werde dann in drei weiteren Jahren auf null abgetragen. Um dies zu erreichen, sind hohe Gewinnziele für die nächsten drei Jahre gesetzt worden: 512000 Franken für 2008 sowie je 350000 Franken für die Jahre 2009 und 2010. Neben den zusätzlichen Sponsoring-Einnahmen soll auch eine neue Gönnervereinigung mit einem Jahresbeitrag von 600 Franken dazu beitragen.
Vorerst kämpft der Verband allerdings ums Überleben, und die Zeit drängt. Noch im laufenden Jahr benötigt Swiss Cycling eine halbe Million Franken, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten und zahlungsfähig zu bleiben. Eine stolze Summe, wenn man sich vor Augen hält, dass 2007 die Sponsoring-Einnahmen nur noch 371000 Franken in die Verbandskasse spülten.

Wechsel im Vorstand

Nach den zahlreichen Rücktritten von Vorstandsmitgliedern im letzten Jahr konnten an der DV vom 15. März die offenen Stellen wieder besetzt werden. Gewählt wurden Johannes Gisin (Lyss), Matteo Galli (Roveredo), Alain Bovay (St-Légier) und Christian Zucol (Rüti ZH); zudem bestätigten die Delegierten formell die letztjährige Ad-interim-Wahl von Doris Turin (Vertreterin Bahn). Neuer Finanzchef wird Martin Bundi, der Bruder des Bike-Elitefahrers Silvio Bundi. Er ersetzt die überraschend aus familiären und persönlichen Gründen zurückgetretene Marianne Kern.
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