
Auch im Jahr seines 125-Jahr-Jubiläums wartet Swiss Cycling mit
einer Hiobsbotschaft aus der Finanzabteilung auf: Wieder einmal wurde
ein Verbandsjahr mit roten Zahlen abgeschlossen, das Defizit beträgt
diesmal 256825 Franken. Damit erhöht sich die Gesamtschuld – wie zu
Zeiten von Ex-Präsident Hugo Steinegger – auf über eine Million
Franken. Diese Zahlen sind derart alarmierend, dass auch die
Revisionsgesellschaft BDO Visura in ihrem Bericht zur Jahresrechnung
festhält, dass Swiss Cycling überschuldet ist und die bestehenden
Liquiditätsschwierigkeiten die Fortführung des Verbandes ernsthaft
gefährden.
Beschränkung auf das Wesentliche
Viktor Andermatt, seit letztem Herbst neuer Geschäftsführer bei Swiss
Cycling, nimmt dies ernst. Der Finanzexperte und Radsportkenner hat aus
diesem Grund ein umfassendes Sanierungskonzept in Angriff genommen. Das
erste Sparpaket umfasst 380000 Franken, also knapp 10 Prozent des
Jahresbudgets von Swiss Cycling. Davon ist auch der Sportbereich nicht
ausgenommen: Kader werden verkleinert, die Begleitpersonen an
internationalen Wettkämpfe reduziert. «Wir müssen uns derzeit auf das
Wesentliche beschränken», so Andermatt. Der 25-Jährige aus Lenzburg
wusste bei seiner Wahl, auf was er sich eingelassen hatte. «Mir war die
prekäre finanzielle Situation bekannt. Aber ich arbeite gerne mit
Zahlen und bin überzeugt davon, dass wir aus diesem Loch wieder
herausfinden.»
Die finanziellen Schwierigkeiten beruhen in erster Linie auf
strukturellen Problemen: Es ist in den letzten Jahren nicht gelungen,
einen grösseren Verbandssponsor zu gewinnen. Daran hat auch der vor
zwei Jahren gewählte Verbandspräsident Melchior Ehrler nichts ändern
können. Die Swiss-Cycling-Basis setzte in den früheren CVP-Nationalrat
die Hoffnung, er möge mit seinem Beziehungsnetz neue Geldgeber für den
Verband finden. Bis dato blieb Ehrler aber wenig erfolgreich.
Andermatt, ebenfalls ein CVP-Politiker, weiss um diese Problematik. Er
will die Sponsorensuche künftig anders angehen: «Wir wollen neu
Bereichssponsoring anbieten. Es soll künftig möglich sein, nur einen
Teilbereich des Verbandes zu unterstützen.» Er hofft, auf diese Weise
einfacher auch an kleinere Sponsoren heranzukommen, die nur in einer
der acht Disziplinen von Swiss Cycling tätig sind. Gleichzeitig soll
der Leistungssport ausgegliedert und in eine neue Rechtsform überführt
werden. Grünes Licht für einen solchen Schritt erhielt der Verband im
März an der Delegiertenversammlung.
Die Restschuld muss weg
Die Ziele von Andermatt sind ambitiös: «Bis 2010 soll die Schuldenlast
auf 200000 Franken reduziert werden.» Diese verbleibende Restschuld
werde dann in drei weiteren Jahren auf null abgetragen. Um dies zu
erreichen, sind hohe Gewinnziele für die nächsten drei Jahre gesetzt
worden: 512000 Franken für 2008 sowie je 350000 Franken für die Jahre
2009 und 2010. Neben den zusätzlichen Sponsoring-Einnahmen soll auch
eine neue Gönnervereinigung mit einem Jahresbeitrag von 600 Franken
dazu beitragen.
Vorerst kämpft der Verband allerdings ums Überleben, und die Zeit
drängt. Noch im laufenden Jahr benötigt Swiss Cycling eine halbe
Million Franken, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten und
zahlungsfähig zu bleiben. Eine stolze Summe, wenn man sich vor Augen
hält, dass 2007 die Sponsoring-Einnahmen nur noch 371000 Franken in die
Verbandskasse spülten.