Szene

Frischer Wind aus Basel

Die Velomesse Twoo in Basel hat ihre Feuertaufe bestanden. Und in der Branche ist die Erkenntnis gereift, dass in der Schweiz durchaus genügend Interesse für zwei verschiedene nationale Veloveranstaltungen besteht. Peter Hummel, Urs Rosenbaum (Mitarbeit)

Allem Vorgeplänkel zum Trotz – schliesslich kamen sie doch alle. Mit direkter Werksbeteiligung waren es zwar nur gerade eine Handvoll grosser Marken, aus dem Ausland etwa Cannondale und Koga, die an der Basler Velomesse Twoo dabei waren. Doch aus dem Inland waren Biketec und Intercycle mit dabei, und etliche andere bekannte Schweizer Marken waren über den Fachhandel vertreten: Canyon, Cresta, Tour de Suisse und Villiger. Dazu kam eine starke Direktvertreiber-Präsenz von Price, Simpel, Stöckli und Thömus sowie der deutsche Rose-Versand. Und diejeinigen, die nicht ausstellten, etwa BMC oder Scott, kamen zumindest als Zuschauer.
Die Messeleitung der Twoo hatte an ziemlich alles gedacht und fast alles richtig gemacht – jedenfalls wesentlich mehr, als dies von einer «Regionalmesse», als die sie der Verband Velosuisse im Vorfeld abklassiert hatte, zu erwarten war. Der Angebotsmix richtete sich an Familien, Kinder und Pendler, aber auch an Biker und Gümmeler. Es gab vielfältige Testgelegenheiten wie den Kids-Funparcours, die ExtraEnergy- und MTB-Teststrecke sowie einen Triathlon-Gegenstrompool. Dazu kamen Attraktionen wie der BMX-Flatlandcontest, eine Trialshow und eine Dirtjump-Competition – mit spektakulärem Anlauf über die Rolltreppe. Den Veranstaltern und Ausstellern war es damit gelungen, Bike-Event-Stimmung in die Halle zu bringen. Zum Gelingen beigetragen hat dabei auch Thömus, der seinen wettererprobten Outdoor-Auftritt mit Zeltdächern, Holzschnitzeln und Raclette in die Halle verschob.
Als Tüpfelchen aufs i gabs noch Produktepremieren. Cresta zeigte den leichtesten Carbon-Trekker, Freecycle ein an Radball-Velos gemahnendes Teenagerbike und Simpel das erste Fahrrad mit Carbon-Zahnriemen. Cannondale zeigte seine bereits an der Eurobike präsentierte Stadtradstudie «On» als Schweizer Premiere. Zum Messeprogramm gehörten auch ein sportmedizinischer Workshop und eine Ausstellerparty.
Zu Kritik Anlass gaben die Basler Mubahalle 3 und deren teilweise ungenügende Beleuchtung sowie die unzeitgemässe «Gaststätte» im Zwischengeschoss. Eine gemütliche Kaffee-Ecke oder gar einen Health Food Corner, der auf die zeitgleich stattfindende Ausstellung «Natur» in der nächsten Halle hätte verweisen können, suchte man leider vergebens. Der einzige grössere Flop auf der Angebotsseite war das komplette Fehlen der angekündigten Veloreiseveranstalter – was allerdings nachvollziehbar war, immerhin waren diese bereits eine Woche zuvor an der gleichenorts abgehaltenen Ferienmesse dabei gewesen.

Hallen- und Outdoor-Event?
Klar ist jedenfalls, dass die Twoo mit 24520 Besucherinnen und Besuchern in vier Tagen einen Achtungserfolg erzielte, auf dem sich aufbauen lässt. Angesichts der über 300000 Besucher der gleichzeitig stattfindenden Muba und des grossen Potenzials der «Velostadt» Basel scheint die Besucherzahl zwar noch steigerungsfähig. Allerdings lud das prächtige Frühlingswetter zu allem andern als zu einem Messebesuch ein.
Immerhin entspricht die Zahl der Eintritte etwa jenen, die an der früheren 2-RAD in Zürich der Velofraktion zugeordnet werden konnten. Das muss insbesondere Velosuisse-Chef Komenda freuen, der ja stets ein Befürworter einer Hallenmesse zum Saisonauftakt war. Von ihm kommt denn auch besonderes Lob: «Die Einbindung eines attraktiven Rahmenprogramms in die Messe ist auf Anhieb besser gelungen, als dies an der 2-RAD je möglich war.» Die gute Akzeptanz der Twoo scheine zu beweisen, dass es in der Schweiz doch zwei Veranstaltungen brauche, die verschiedene Segmente abdeckten: die Twoo als Saisonauftaktsmesse und die BikeDays als «Testival». Sehr schön, wenn die Schweizer Branche nach fünf Jahren des Suchens damit wirklich einen Eventkonsens gefunden hätte.

Der Veloabstellanlagen-Parcours

Imagepmh. Pro Velo und velojournal waren an der Twoo mit einem gemeinsamen Stand vertreten. Sie wollten vom Publikum wissen, wie sie die ausgestellten Abstellanlagen beurteilten. Zu gewinnen gab es ein Villiger-Velo.
Die drei Aussteller UW-Tech, Velopa und Visioplan stellten je ein Modell zur Verfügung, das die BesucherInnen testen konnten. Mit auf die Tour ging ein fünfteiliger Fragebogen. Dessen Auswertung ergab zusammengefasst folgendes Ergebnis:

Ist das Einstellen des Velos einfach und bequem?
88% gaben hier dem Virola-Ständer die Bestnote, vor Big Roof und Kappa. 66% bekundeten Mühe mit dem Pedal Parc von Velopa.

Beschmutzt man sich die Kleider beim Einstellen?
86% verneinten die Frage beim BigRoof, danach kamen Virola und Kappa.

Wie gross ist der Zeitbedarf beim Ein- und Ausparken?
Fast uneingeschränkt, mit 92,6%, erhielt BigRoof hier die Bestnote, vor Virola und Kappa. Über 50% bemängelten den PedalParc-Ständer.

Wie sind die Platzverhältnisse beim Einparken?
Wiederum mit fast 90% schnitt der BigRoof am besten ab, vor Kappa und PedalParc.

Wie ist der Komfort beim An-/Abschliessen?
Hier punkteten die Systeme Kappa und PedalParc mit 78%, knapp vor Cyclemax.

Wenn auch diese Umfrage keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, lassen sich doch einige Aussagen ableiten: Einfache Systeme wie das Big Roof finden die Sympathie der Benutzer auf Anhieb. Systeme, die auch komplexeren Ansprüchen der öffentlichen Hand genügen müssen, können gewöhnungsbedürftig sein, wie das System Pedal­Parc zeigt. Nach mehrmaligem Gebrauch verstummt die Kritik von Erstbenutzern oft.
Letztlich ist es die Summe der Gesamtwertung, die den Ausschlag für die Benutzerfreundlichkeit gibt. Diesbezüglich punktete das System Kappa von Velopa am kräftigsten. Auf Anhieb einen Sympathiebonus ergatterte sich der einzige Newcomer unter den Anbietern: das System Virola. Nicht zuletzt ist auch den Anbietern ein Kränzchen zu winden, denn von den «Felgenkillern» der früheren Generationen bewegt sich die Entwicklung weg auf hohes Niveau. Weiter so!
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