
Die Medienmitteilung des Bundesamtes für Statistik vom Sommer 2007
löste bei Pro Velo Schweiz Erstaunen und Verärgerung aus: «Das bedeutet
also, dass Lenker und Mitfahrer von Motorrädern – gemessen an den von
ihnen zurückgelegten Distanzen – einem 18-fach grösseren Risiko
ausgesetzt sind, tödlich zu verunglücken, als Personen in einem
Personenwagen. Bei Fahrradlenkern ist das Risiko siebenmal grösser.»
Wurde hier mit der richtigen Grundlage gerechnet? Eine Nachfrage bei
Stefan Siegrist, dem Forschungsleiter der Beratungsstelle für
Unfallverhütung BfU, zeigte, dass das Risiko gegenüber dem Autofahren,
gemessen an der Unterwegszeit, «nur» noch dreimal so hoch ist. Wird
berücksichtigt, dass Velos nicht auf Autobahnen fahren dürfen, die als
besonders sicher gelten, dürfte das tatsächliche Risiko für
Velofahrende nochmals kleiner werden. Auf die Frage, ob nun die
zurückgelegte Distanz oder die Unterwegszeit die richtige
Berechnungsgrundlage sei, antwortet Siegrist, dass beide
Berechnungsgrundlagen ihre Berechtigung hätten. Für die
Sicherheitsarbeit stünden sowieso die absoluten Opferzahlen im
Vordergrund und nicht die relativen.
Dass Velofahren Risiken birgt, ist offensichtlich, wenn man bedenkt,
dass schon vergleichsweise harmlose Unfälle beim ungeschützten
Velofahrer schlimme Folgen haben können. Dass der BfU das Tragen eines
Velohelms ein grosses Anliegen ist, obwohl damit kein einziger Unfall
verhindert wird, ist nachvollziehbar. Dem Verband Pro Velo geht es aber
um mehr als die Sicherheit der einzelnen Velofahrerin oder des
einzelnen Velofahrers, nämlich auch um das Sicherheitsimage des
Veloverkehrs als Ganzes.
Fatale Folgen
Das schlechte Image ist mit ein Grund dafür, dass immer weniger Eltern
ihre Kinder das Velo benützen lassen. Die Statistik zeigt einen
deutlichen Rückgang der Velonutzung bei Jugendlichen. Die Folgen davon
sind in mehrfacher Hinsicht fatal: Jugendliche, die nicht Velo fahren,
werden es auch später nicht tun. Es stellt sich die Frage, ob die
Velofahrenden vom Aussterben bedroht sind. Wege, die früher mit eigener
Muskelkraft zurückgelegt wurden, werden immer öfter mit dem
öffentlichen Verkehr oder als Servicefahrt im Auto zurückgelegt. Dies
fördert die körperliche Inaktivität, die von Fachleuten bereits als
Epidemie bezeichnet wird. Und auch den verbleibenden Velofahrenden
erwachsen dadurch Nachteile, weil die fehlende Präsenz von Velos auf
der Strasse deren Sichtbarkeit und Sicherheit vermindert.
Velo- und Sicherheitsförderung
Für Pro Velo gibt es mehrere Gründe, die Förderung des Velofahrens und
die Erhöhung der Sicherheit parallel voranzutreiben. Die beiden
Aktionen «bike to work» und «bike2school» umfassen denn auch
Sicherheitsmodule, die von den Betrieben und Schulen umgesetzt werden
können. Für Schulen ist ein Angebot in Form eines fertig
ausgearbeiteten Halbtageskurses in Vorbereitung, der von Fachleuten
praxisnah auf und um das Schulareal herum durchgeführt werden soll. Die
Initianten dieser Idee sind überzeugt, dass nur das praktische Einüben
des sicheren und korrekten Verhaltens auf dem Velo einen
Sicherheitsgewinn bringen kann. Sie versprechen sich davon, den
aktuellen Abwärtstrend in der Velonutzung durch Jugendliche zu
durchbrechen.