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Wie riskant ist Velofahren?

Das Bundesamt für Statistik hält Velofahren für siebenmal gefährlicher als Autofahren, die Beratungsstelle für Unfallverhütung für dreimal gefährlicher. Der Verband Pro Velo macht sich Sorgen um das Sicherheitsimage und will Gegensteuer geben. Christoph Merkli

Die Medienmitteilung des Bundesamtes für Statistik vom Sommer 2007 löste bei Pro Velo Schweiz Erstaunen und Verärgerung aus: «Das bedeutet also, dass Lenker und Mitfahrer von Motorrädern – gemessen an den von ihnen zurückgelegten Distanzen – einem 18-fach grösseren Risiko ausgesetzt sind, tödlich zu verunglücken, als Personen in einem Personenwagen. Bei Fahrradlenkern ist das Risiko siebenmal grösser.»
Wurde hier mit der richtigen Grundlage gerechnet? Eine Nachfrage bei Stefan Siegrist, dem Forschungsleiter der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU, zeigte, dass das Risiko gegenüber dem Autofahren, gemessen an der Unterwegs­zeit, «nur» noch dreimal so hoch ist. Wird berücksichtigt, dass Velos nicht auf Autobahnen fahren dürfen, die als besonders sicher gelten, dürfte das tatsächliche Risiko für Velofahrende nochmals kleiner werden. Auf die Frage, ob nun die zurückgelegte Distanz oder die Unterwegszeit die richtige Berechnungsgrundlage sei, antwortet Siegrist, dass beide Berechnungsgrundlagen ihre Berechtigung hätten. Für die Sicherheitsarbeit stünden sowieso die absoluten Opferzahlen im Vordergrund und nicht die relativen.
Dass Velofahren Risiken birgt, ist offensichtlich, wenn man bedenkt, dass schon vergleichsweise harmlose Unfälle beim ungeschützten Velofahrer schlimme Folgen haben können. Dass der BfU das Tragen eines Velohelms ein grosses Anliegen ist, obwohl damit kein einziger Unfall verhindert wird, ist nachvollziehbar. Dem Verband Pro Velo geht es aber um mehr als die Sicherheit der einzelnen Velofahrerin oder des einzelnen Velofahrers, nämlich auch um das Sicherheits­image des Veloverkehrs als Ganzes.

Fatale Folgen
Das schlechte Image ist mit ein Grund dafür, dass immer weniger Eltern ihre Kinder das Velo benützen lassen. Die Statistik zeigt einen deutlichen Rückgang der Velonutzung bei Jugendlichen. Die Folgen davon sind in mehrfacher Hinsicht fatal: Jugendliche, die nicht Velo fahren, werden es auch später nicht tun. Es stellt sich die Frage, ob die Velofahrenden vom Aussterben bedroht sind. Wege, die früher mit eigener Muskelkraft zurückgelegt wurden, werden immer öfter mit dem öffentlichen Verkehr oder als Servicefahrt im Auto zurückgelegt. Dies fördert die körperliche Inaktivität, die von Fachleuten bereits als Epidemie bezeichnet wird. Und auch den verbleibenden Velofahrenden erwachsen dadurch Nachteile, weil die fehlende Präsenz von Velos auf der Strasse deren Sichtbarkeit und Sicherheit vermindert.

Velo- und Sicherheitsförderung
Für Pro Velo gibt es mehrere Gründe, die Förderung des Velofahrens und die Erhöhung der Sicherheit parallel voranzutreiben. Die beiden Aktionen «bike to work» und «bike2school» umfassen denn auch Sicherheitsmodule, die von den Betrieben und Schulen umgesetzt werden können. Für Schulen ist ein Angebot in Form eines fertig ausgearbeiteten Halbtageskurses in Vorbereitung, der von Fachleuten praxisnah auf und um das Schulareal herum durchgeführt werden soll. Die Initianten dieser Idee sind überzeugt, dass nur das praktische Einüben des sicheren und korrekten Verhaltens auf dem Velo einen Sicherheitsgewinn bringen kann. Sie versprechen sich davon, den aktuellen Abwärtstrend in der Velonutzung durch Jugendliche zu durchbrechen.

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