


«El baño del Papa» basiert auf einer wahren Begebenheit. 1988 besuchte
der Papst Johannes Paul II. auf seiner Uruguay-Reise auch die Stadt
Melo. In der Bevölkerung keimte Hoffnung auf. Man wollte von dieser
Bescherung profitieren. Von enthusiastischen Medienberichten
angestachelt, die von bis zu 50000 Besuchern anlässlich der
bevorstehenden Visite des Pontifex sprachen, entstanden diverse
Businesspläne. Dabei gingen manche Familien halsbrecherische
finanzielle Risiken ein. Sie nahmen Kredite auf, verkauften Hab und Gut
– ganz auf den Papst vertrauend. Mit dem eingelösten Geld wurden
Würste, Tortillas oder Süssigkeiten zum Verkauf während des
Papstbesuchs bezahlt. Den erwarteten Besuchern würde es an nichts
fehlen.
Auch Beta, die fiktive Filmfigur der Regisseure Enrique Fernández und
César Charlone, kann sich dieser Verlockung nicht entziehen. Beta,
dargestellt von Cesar Troncoso, lebt mit seiner kleinen Familie in der
Stadt Melo. Um die Familie zu ernähren, schmuggelt er Waren von
Brasilien über die Grenze nach Uruguay. Ein abenteuerliches
Unterfangen. Mit beladenen Velos pedalen er und seine Mitstreiter
querfeldein heimwärts. Sie umfahren den Grenzposten. Ein Knochenjob,
der nicht immer von Erfolg gekrönt wird. Die Schmuggler müssen sich mit
einem besonders korrupten mobilen Grenzpolizisten herumschlagen.
Zurück von der Arbeit, hat Beta eine Erleuchtung. Er wird nicht wie die
meisten seiner Mitkonkurrenten einen Stand mit Esswaren aufbauen. Davon
gibt es schon genug. Welchem Grundbedürfnis muss ebenfalls Rechnung
getragen werden, besonders nach einem üppigen Mal? Genau, eine
öffentliche Toilette muss her. Je nach Kundenbedürfnis wird es dabei
einen anderen Tarif geben – die Kasse wird klingeln! Mit Hilfe seiner
Tochter Sylvia und seiner Frau Carmen wird zunächst Feldforschung
betrieben. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Selbst die
Verweildauer im geplanten Servicecenter wird beinahe naturgetreu
nachgestellt. Jetzt muss nur noch das benötigte Baumaterial beschafft
werden. Dazu sind aber noch einige Extrafahrten einzulegen. Und die
Zeit wird knapp!
Der Papst kommt – und keiner geht hin
Für Beta ist das Velo ein Arbeitsgerät. Lieber wäre er motorisiert
unterwegs. Er träumt von einem Motorrad. Damit wäre er schneller, und
sein schmerzendes Knie würde entlastet. Von einem knatternden Zweirad
wird er aber noch eine Weile träumen müssen. Denn das Geld fehlt.
Dennoch gibt es Momente, in denen er Radfahren geniessen kann. Kleine
Momente des Glücks, wenn er mit seinem besten Freund um die Wette fährt.
Der Papstbesuch 1988 in Melo endete für die Bewohner in einem Fiasko.
Statt der erwarteten 50000 Besucher erschienen bloss 8000. Der Traum
vom Reichtum platzte.