Film

Papa ante Melo

In «El baño del Papa» begleiten wir Beta bei seiner Arbeit als Schmuggler. Als angekündigt wird, dass der Papst seine Stadt besuchen wird, schmiedet er einen besonderen Businessplan. Bruno Angeli
Image
Schmuggler Beta und sein bester Freund sind
angespannt. Bepackt geht es auf den Grenzposten zu.

Image
Sylvia muss Vaters Arbeitsgerät in Schuss bringen.

Image
Expresspost: Beta bleibt nur wenig Zeit, das
Kernstück seines Projektes in Position zu bringen.

«El baño del Papa» basiert auf einer wahren Begebenheit. 1988 besuchte der Papst Johannes Paul II. auf seiner Uruguay-Reise auch die Stadt Melo. In der Bevölkerung keimte Hoffnung auf. Man wollte von dieser Bescherung profitieren. Von enthusiastischen Medienberichten angestachelt, die von bis zu 50000 Besuchern anlässlich der bevorstehenden Visite des Pontifex sprachen, entstanden diverse Businesspläne. Dabei gingen manche Familien halsbrecherische finanzielle Risiken ein. Sie nahmen Kredite auf, verkauften Hab und Gut – ganz auf den Papst vertrauend. Mit dem eingelösten Geld wurden Würste, Tortillas oder Süssigkeiten zum Verkauf während des Papstbesuchs bezahlt. Den erwarteten Besuchern würde es an nichts fehlen.
Auch Beta, die fiktive Filmfigur der Regisseure Enrique Fernández und César Charlone, kann sich dieser Verlockung nicht entziehen. Beta, dargestellt von Cesar Troncoso, lebt mit seiner kleinen Familie in der Stadt Melo. Um die Familie zu ernähren, schmuggelt er Waren von Brasilien über die Grenze nach Uruguay. Ein abenteuerliches Unterfangen. Mit beladenen Velos pedalen er und seine Mitstreiter querfeldein heimwärts. Sie umfahren den Grenzposten. Ein Knochenjob, der nicht immer von Erfolg gekrönt wird. Die Schmuggler müssen sich mit einem besonders korrupten mobilen Grenzpolizisten herumschlagen.
Zurück von der Arbeit, hat Beta eine Erleuchtung. Er wird nicht wie die meisten seiner Mitkonkurrenten einen Stand mit Esswaren aufbauen. Davon gibt es schon genug. Welchem Grundbedürfnis muss ebenfalls Rechnung getragen werden, besonders nach einem üppigen Mal? Genau, eine öffentliche Toilette muss her. Je nach Kundenbedürfnis wird es dabei einen anderen Tarif geben – die Kasse wird klingeln! Mit Hilfe seiner Tochter Sylvia und seiner Frau Carmen wird zunächst Feldforschung betrieben. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Selbst die Verweildauer im geplanten Servicecenter wird beinahe naturgetreu nachgestellt. Jetzt muss nur noch das benötigte Baumaterial beschafft werden. Dazu sind aber noch einige Extrafahrten einzulegen. Und die Zeit wird knapp!

Der Papst kommt – und keiner geht hin
Für Beta ist das Velo ein Arbeitsgerät. Lieber wäre er motorisiert unterwegs. Er träumt von einem Motorrad. Damit wäre er schneller, und sein schmerzendes Knie würde entlastet. Von einem knatternden Zweirad wird er aber noch eine Weile träumen müssen. Denn das Geld fehlt. Dennoch gibt es Momente, in denen er Radfahren geniessen kann. Kleine Momente des Glücks, wenn er mit seinem besten Freund um die Wette fährt.
Der Papstbesuch 1988 in Melo endete für die Bewohner in einem Fiasko. Statt der erwarteten 50000 Besucher erschienen bloss 8000. Der Traum vom Reichtum platzte.

El baño del Papa


Originaltitel: El baño del Papa (Ein Klo für den Papst), Uruguay, 2007.
Regie: Enrique Fernández und César Charlone.
Schauspieler: Cesar Troncoso (Beta), Virginia Méndez (Carmen), Virginia Ruiz (Sylvia), Mario Silva (Valvulina), Henry de León (Nacente), José Arce (Tica), Nelson Lence (Meleyo), Rosario Dos Santos (Teresa), Alex Silva (Gordo Luna), Baltasar Burgos (Capitán Álvarez).
Drehbuch: Enrique Fernández.
Montage: Gustavo Giani.
Musik: Luciano Supervieille, Gabriel Casacuberta.
Kamera: Cesar Charlone.
Produktion: Laroux Cine, Montevideo.
Info: Der Film ist von Januar bis März in verschiedenen Schweizer Städten zu sehen (Baden, Basel, Bern, Luzern, Solothurn, Zürich). Informationen in der Tagespresse.



Write a comment

  • Required fields are marked with *.

If you have trouble reading the code, click on the code itself to generate a new random code.
 

Abo
Kein Flash-Player installiert.

Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
© 2011 velojournalImpressum