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Gutes Design ist nur der erste Schritt

Der weltgrösste Velohersteller Giant will sich künftig nicht nur mit sportlichen Velos profilieren, sondern auch mit Citybikes. Im Interview mit velojournal erklärt Geschäftsführer Tony Lo seine Idee einer neuen Citybike-Kultur und was Giant unternimmt, um mehr Leute aufs Velo zu bringen. Urs Rosenbaum

velojournal: Mr. Lo, Giant hat am letzten Eurobike-Designwettbewerb mit dem Alltagsvelo «City Storm» die höchste Auszeichung gewonnen. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?
Tony Lo: Für uns ist dieser Preis sehr wichtig. Unsere sportlichen Bikes gehören bereits zur Welt­spitze, doch wir wollen auch im Citybike-Segment zu den Besten gehören. Der Eurobike Award bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was zeichnet das «City Storm» aus?
Es steht für eine neue Citybike-Kultur. Ein globales Design steht beim «City Storm» im Vordergrund – vergleichbar mit dem iPod, der auch weltweit wegen des Designs geschätzt wird. Damit wollen wir die Menschen ansprechen, die noch nicht Velo fahren und mit der heutigen technikorientierten Ausrichtung des Velomarkts nichts anfangen können.

Reicht gutes Design, um Leute aufs Velo zu bringen?
Natürlich braucht es noch mehr. Ein ansprechendes Design war erst der erste Schritt. Damit die Menschen gerne aufs Velo steigen, braucht es auch neue Verkaufsstrategien und bessere Rahmenbedingungen im Verkehr.

Wie setzt Giant diese Ziele konkrekt um?
Zurzeit arbeiten wir weltweit an einem neuen Verkaufskonzept. Giant soll zu einer starken Marke bei unseren Partnerhändlern werden – im optimalen Fall zur einzigen. Je weniger Marken im Laden vorhanden sind, desto mehr können sich die Kundinnen und Kunden darauf konzentrieren, welches Velo am besten zu ihnen passt. Wir regen sogar Geschäfte an, die nur ein einziges Kundensegment bedienen. In Taiwan eröffnete kürzlich der erste Giant-Shop, der sich ausschliesslich an Frauen richtet.

Abgesehen von der vereinfachten Auswahl des richtigen Modells – welche Vorteile haben Velofahrende von einem Einmarken-Shop?
Längerfristig stärkt dies die grossen Marken und ihre Fähigkeit, schöne und ausgereifte Velos auf den Markt zu bringen. Aktuell gibt es zu viele zu kleine Fahrradfirmen. Diese können das Velo technisch weiterentwickeln, aber keine neuen Kunden ansprechen, die nicht schon Velo fahren.

Ist dies das Problem der Fahrradbranche?
Es ist ein Teil davon. Ein anderer ist, dass sich die Hersteller fast ausschliesslich unter Gleichgesinnten bewegen und dadurch die Perspektive für die Bedürfnisse der Kunden verlieren.

Stichwort Rahmenbedinungen: Wie engagiert sich Giant in diesem Bereich?
In unserer Heimat Taiwan fördern wir Image und Nutzung von Velos. Früher fuhr nur Velo, wer sich weder Auto noch Roller leisten konnte. Seit zehn Jahren setzen wir uns bei der Regierung dafür ein, dass Velowege gebaut werden. 1997 existierten lediglich 100 Kilometer solcher Wege, heute sind es mehr als 1200 Kilometer, und in drei Jahren werden es 2600 Kilometer sein.
Daneben halten wir unsere Mitarbeiter dazu an, selbst Velo zu fahren. Vom Kader erwarten wir, dass es sich künftig selbst regelmässig aufs Bike schwingen wird. Wer diesen persönlichen Bezug zum Produkt nicht bieten kann, ist bei uns am falschen Platz. Ich selbst besitze acht verschiedene Velos und benutze diese regelmässig.

Und steigen die Taiwanesen um auf das Velo?
Langsam setzt sich bei uns das Bewusstsein durch, dass Velofahren gesund, umweltschonend und praktisch, weil platzsparend ist. Der Absatz an Velos auf dem Heimmarkt wuchs in den letzten Jahren um vierzig Prozent.

Wie sieht das Engagement ausserhalb Taiwans aus?
Wir engagieren uns bei EcoMobility (www.ecomobility.org), einer weltweit aktiven Lobby für nachhaltige Verkehrsentwicklung. In Nordamerika unterstützen wir zahlreiche Organisationen, weil dort grosser Handlungsbedarf besteht. In Europa sind wir weniger stark engagiert, weil hier die Veloförderung im internationalen Vergleich schon weit fortgeschritten ist.

Welchen Stellenwert hat der Umweltschutz in der Firmenstrategie von Giant?
Der Schutz der Natur ist ein wichtiger Aspekt in der von uns angestrebten Velokultur. Das Velo ist ein gutes Mittel, um den steigenden CO2-Verbrauch zu bremsen.

Gleichzeitig ist Giant aber auch einer der grössten Hersteller von Carbonrahmen. Und diese haben keine sehr gute Umweltbilanz.
Wir produzieren schon seit Jahren Carbonrahmen im gehobenen Sportsegment. Dank unserer grossen Erfahrung und den hohen Produktionsstandards arbeiten wir sehr energieeffizient. Dennoch setzen wir auch in Zukunft nur dort auf Carbon, wo es seine Vorteile ausspielen kann. City- oder Trekkingbikes mit Carbonrahmen wird es von Giant nicht geben.

www.giant-bicycles.com
www.komenda.ch

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