Kultur

Pletscher: Gepäckträger und Stützen

Pletscher – der Name steht auf praktisch jedem Velogepäckträger, und die Veloständer respektive -stützen sind mit ESGE angeschrieben – sie werden seit je aber auch bei Pletscher hergestellt. In der Fabrik im zürcherischen Marthalen arbeiten vierzig Personen an Hundertausender-Stückzahlen. René Hornung

«Einige Millionen Velos sind mit Pletscher-Gepäckträgern ausgerüstet, davon rund zwei Millionen mit dem patentierten System-Gepäckträger», weiss Paul-André Wirth, CEO des Familienunternehmens Gebrüder Pletscher. «Bis in den Sommer hinein hatten wir aufgrund der hohen Nachfrage vor allem bei der neuen, verstellbaren Stütze ‹Zoom› und beim neuen Gepäckträger-Modell ‹Mercur System› mit Lieferproblemen zu kämpfen.» Dank der besseren Erschliessung neuer Märkte – vor allem in Frankreich – sei die Produktion massiv gestiegen. «Wir sind», so stellt Wirth fest, «gut auf Kurs.»
Die Firma Pletscher geht auf ein Aluminiumdruckguss-Unternehmen zurück, das 1917 gegründet worden war. Ab 1926 wurden Veloteile hergestellt, vor dem Zweiten Weltkrieg gar eine Stütze mit einem deutschen Reichspatent. Seit 1934 werden Alugepäckträger produziert, 1948 wurde das Serienmodell CS entwickelt, das – leicht abgewandelt – bis heute hergestellt wird und immer noch nach Frankreich und in die USA verkauft wird. In den Achtzigerjahren wurde dann das Sortiment von Gepäckträgern und Stützen ausgebaut.
Den Bereich Kundenguss, vor allem Druckgussteile für die deutsche Automobilindustrie, hat Pletscher 2004 aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben und konzentriert sich seitdem ausschliesslich auf Eigenprodukte für die Fahrradindustrie.

System für vielerlei Behälter
Was einst ein simpler Gepäckträger war, gibt es heute in verschiedenen Ausführungen als «Easy fix»-System mit Dutzenden von Accessoires: Körbe, Taschen, Koffer oder Kindersitze auf federnden Rahmen. All dies lässt sich aufstecken. Für die Montage am Mountainbike gibts das neue System «Quick Rack» mit Schnellverschluss.
Rund neunzig Prozent der Gepäckträgerproduktion wird exportiert. Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Dänemark, Belgien sowie weitere nordeuropäische Länder sind die wichtigsten Märkte. Pletscher findet man auch in den USA und in Asien. Spanien und Portugal werden zurzeit neu erschlossen. Pletscher arbeitet jeweils mit einem Vertreter pro Land. In der Schweiz läuft der Vertrieb über Grosshändler – nicht über den Fachhandel. «Zwischen den verschiedenen europäischen Ländern sind die Unterschiede bei den Kundenwünschen immer noch sehr gross», stellt Wirth fest. In den Niederlanden beispielsweise setzten sich die Träger mit Federklammern nur zögerlich durch; der Spanngummi sei dort noch immer beliebter.
Das bringt uns zur Frage: Wie hält es Pletscher mit dem Gewicht? Die klassischen Gepäckträger wiegen um die 500 Gramm, die neuen «Easy fix»-Modelle zwischen 800 und 900 Gramm. «Bei einem City- oder Trekkingbike sind diese Unterschiede nicht ausschlaggebend», so Paul-André Wirth: «Wer statt eines Gepäckträgers mit Federklammer eine Seitentasche am Velo befestigt, schleppt sofort mehr Gewicht herum.» Zu einem Pletscher-Gepäckträger brauche man im Alltag keine zusätzlichen Seitentaschen, denn die Träger sind für 25 Kilo Ladung ausgelegt – im hauseigenen Labor wird ihre Stabilität mit deutlich höheren Gewichten getestet.

Boom bei den Stützen
In der laufenden Produktion boomen vor allem die Stützen: «Das neue, verstellbare Modell ‹Zoom› ist solid schweizerisch gebaut. Verstellbarkeit war ein Kundenwunsch», sagt Wirth. Bei der Entwicklung habe man sich alle Konkurrenzmodelle angeschaut und festgestellt: Nichts ist wirklich stabil. So entwickelte Pletscher eine Höhenverstellung mit zwei Schrauben. Daneben bleibt der herkömmliche Aluständer, der mit der Säge auf die richtige Länge zugeschnitten wird, im Sortiment. Dazu gibts die Doppelständer: So steht das Fahrrad sicher.
Zu Hunderttausenden verlassen die Stützen dieses Jahr das Werk in Marthalen. Sie sind alle mit der doppelten Markenbezeichnung ESGE/Pletscher bedruckt. Das hat einen Grund: Pletscher produzierte seit je die Modelle für ESGE. Als dieses Unternehmen vor zehn Jahren in Schwierigkeiten kam, hat Pletscher die Marke ESGE aufgekauft. «Vor allem in Deutschland und den Niederlanden war ESGE der bekanntere Name als Pletscher», begründet Wirth die Weiterführung der Marke.
Die Firma will weiter wachsen und sich dabei auch auf das an Bedeutung zunehmende Alterssegment 50 plus konzentrieren, «auf Kundinnen und Kunden mit hohen Anforderungen an die Qualität und die Ausstattung ihres Velos», wie Wirth erklärt.

Abo
Kein Flash-Player installiert.

Nachrichten

15.05.2012:
11.05.2012:
8.05.2012:
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
© 2011 velojournalImpressum