
«Einige Millionen Velos sind mit Pletscher-Gepäckträgern ausgerüstet,
davon rund zwei Millionen mit dem patentierten System-Gepäckträger»,
weiss Paul-André Wirth, CEO des Familienunternehmens Gebrüder
Pletscher. «Bis in den Sommer hinein hatten wir aufgrund der hohen
Nachfrage vor allem bei der neuen, verstellbaren Stütze ‹Zoom› und beim
neuen Gepäckträger-Modell ‹Mercur System› mit Lieferproblemen zu
kämpfen.» Dank der besseren Erschliessung neuer Märkte – vor allem in
Frankreich – sei die Produktion massiv gestiegen. «Wir sind», so stellt
Wirth fest, «gut auf Kurs.»
Die Firma Pletscher geht auf ein Aluminiumdruckguss-Unternehmen zurück,
das 1917 gegründet worden war. Ab 1926 wurden Veloteile hergestellt,
vor dem Zweiten Weltkrieg gar eine Stütze mit einem deutschen
Reichspatent. Seit 1934 werden Alugepäckträger produziert, 1948 wurde
das Serienmodell CS entwickelt, das – leicht abgewandelt – bis heute
hergestellt wird und immer noch nach Frankreich und in die USA verkauft
wird. In den Achtzigerjahren wurde dann das Sortiment von Gepäckträgern
und Stützen ausgebaut.
Den Bereich Kundenguss, vor allem Druckgussteile für die deutsche
Automobilindustrie, hat Pletscher 2004 aus wirtschaftlichen Gründen
aufgegeben und konzentriert sich seitdem ausschliesslich auf
Eigenprodukte für die Fahrradindustrie.
System für vielerlei Behälter
Was einst ein simpler Gepäckträger war, gibt es heute in verschiedenen
Ausführungen als «Easy fix»-System mit Dutzenden von Accessoires:
Körbe, Taschen, Koffer oder Kindersitze auf federnden Rahmen. All dies
lässt sich aufstecken. Für die Montage am Mountainbike gibts das neue
System «Quick Rack» mit Schnellverschluss.
Rund neunzig Prozent der Gepäckträgerproduktion wird exportiert.
Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Dänemark, Belgien
sowie weitere nordeuropäische Länder sind die wichtigsten Märkte.
Pletscher findet man auch in den USA und in Asien. Spanien und Portugal
werden zurzeit neu erschlossen. Pletscher arbeitet jeweils mit einem
Vertreter pro Land. In der Schweiz läuft der Vertrieb über Grosshändler
– nicht über den Fachhandel. «Zwischen den verschiedenen europäischen
Ländern sind die Unterschiede bei den Kundenwünschen immer noch sehr
gross», stellt Wirth fest. In den Niederlanden beispielsweise setzten
sich die Träger mit Federklammern nur zögerlich durch; der Spanngummi
sei dort noch immer beliebter.
Das bringt uns zur Frage: Wie hält es Pletscher mit dem Gewicht? Die
klassischen Gepäckträger wiegen um die 500 Gramm, die neuen «Easy
fix»-Modelle zwischen 800 und 900 Gramm. «Bei einem City- oder
Trekkingbike sind diese Unterschiede nicht ausschlaggebend», so
Paul-André Wirth: «Wer statt eines Gepäckträgers mit Federklammer eine
Seitentasche am Velo befestigt, schleppt sofort mehr Gewicht herum.» Zu
einem Pletscher-Gepäckträger brauche man im Alltag keine zusätzlichen
Seitentaschen, denn die Träger sind für 25 Kilo Ladung ausgelegt – im
hauseigenen Labor wird ihre Stabilität mit deutlich höheren Gewichten
getestet.
Boom bei den Stützen
In der laufenden Produktion boomen vor allem die Stützen: «Das neue,
verstellbare Modell ‹Zoom› ist solid schweizerisch gebaut.
Verstellbarkeit war ein Kundenwunsch», sagt Wirth. Bei der Entwicklung
habe man sich alle Konkurrenzmodelle angeschaut und festgestellt:
Nichts ist wirklich stabil. So entwickelte Pletscher eine
Höhenverstellung mit zwei Schrauben. Daneben bleibt der herkömmliche
Aluständer, der mit der Säge auf die richtige Länge zugeschnitten wird,
im Sortiment. Dazu gibts die Doppelständer: So steht das Fahrrad
sicher.
Zu Hunderttausenden verlassen die Stützen dieses Jahr das Werk in
Marthalen. Sie sind alle mit der doppelten Markenbezeichnung
ESGE/Pletscher bedruckt. Das hat einen Grund: Pletscher produzierte
seit je die Modelle für ESGE. Als dieses Unternehmen vor zehn Jahren in
Schwierigkeiten kam, hat Pletscher die Marke ESGE aufgekauft. «Vor
allem in Deutschland und den Niederlanden war ESGE der bekanntere Name
als Pletscher», begründet Wirth die Weiterführung der Marke.
Die Firma will weiter wachsen und sich dabei auch auf das an Bedeutung
zunehmende Alterssegment 50 plus konzentrieren, «auf Kundinnen und
Kunden mit hohen Anforderungen an die Qualität und die Ausstattung
ihres Velos», wie Wirth erklärt.