
Nach der diesjährigen Rekord-Eurobike war die Branche froh, in Köln den
Messetag ohne Stau zu beginnen. Autobahn- und S-Bahnanschluss gehören
ja seit langem zu den Trümpfen von Köln. So konnte ohne Hektik
geschäftet und diskutiert werden. Die anwesenden Aussteller zogen denn
auch ein positives Fazit. Gleichwohl ist es vermessen, wenn sich die
Ifma immer noch «Europas grösste Bike-Businessmesse» nennt –
vornehmlich, um damit in die Medien zu kommen, wie die Presseabteilung
unumwunden zugibt. Klar ist allerdings, dass die Ifma als reine
Fachmesse zu wenig Rückhalt hätte. Das belegt auch das diesjährige
Minus von rund hundert Ausstellern. Selbst führende holländische Marken
und «feste Werte» wie Batavus, Gazelle und Koga Miyata fehlten. Damit
wurde auch der geplante holländische Sonderpavillon still und leise
fallen gelassen.
Mediale Resonanz
Die Ifma braucht Publikum – und hat es bei ihrem riesigen Einzugsgebiet
auch. Offiziell spricht die Messeleitung von 28000 Privatbesuchern. Das
waren zwar 5000 weniger als im Vorjahr, doch die Zahlen der Koelnmesse
sind seit Jahren mit Vorsicht zu geniessen. Hinzu kommt der
Standortvorteil in der Medienstadt Köln. Was hier stattfindet, hat eine
enorm gute Medienabdeckung. Obwohl die internationale Resonanz in den
Fachblättern bescheiden geworden ist, gilt die Ifma für Deutschlands
Publikumsmedien immer noch als die wichtigste Fahrradmesse.
Dem Publikum wird auch viel geboten: mehrere Testtracks, Bike-Looping,
spannende Reisevorträge – und vor allem eine exklusive
Cruiser-Ausstellung. Ein harter Kontrast zu den grossteils immer noch
«krawattierten» Händlern.
Allerdings fällt auf, dass die Qualität der Präsentationen nicht
konstant ist: Sorgten die Kultbike-, Jubiläums-, Cruiser- und
Innovations-Sonderschauen vor ein paar Jahren noch für grosse
Anerkennung, so war die diesjährige «Carbon-Themenfläche» nur noch
banal; statt eines fundierten Abrisses über die ungestüme Entwicklung
des «schwarzen Goldes» bot man dem Besucher eine lieblose und zufällige
Aufreihung von Fahrrädern.