Szene

Grosses Bemühen oder Treten an Ort?

Nach dem zweiten Jahr der Kölner Ifma in den neuen Hallen stellen sich Fragen. Ist sie nun eine Business- oder eine Publikumsmesse – und ist sie überhaupt noch nötig? Eine Bestandesaufnahme. Peter Hummel

Nach der diesjährigen Rekord-Eurobike war die Branche froh, in Köln den Messetag ohne Stau zu beginnen. Autobahn- und S-Bahnanschluss gehören ja seit langem zu den Trümpfen von Köln. So konnte ohne Hektik geschäftet und diskutiert werden. Die anwesenden Aussteller zogen denn auch ein positives Fazit. Gleichwohl ist es vermessen, wenn sich die Ifma immer noch «Europas grösste Bike-Businessmesse» nennt – vornehmlich, um damit in die Medien zu kommen, wie die Presseabteilung unumwunden zugibt. Klar ist allerdings, dass die Ifma als reine Fachmesse zu wenig Rückhalt hätte. Das belegt auch das diesjährige Minus von rund hundert Ausstellern. Selbst führende holländische Marken und «feste Werte» wie Batavus, Gazelle und Koga Miyata fehlten. Damit wurde auch der geplante holländische Sonderpavillon still und leise fallen gelassen.

Mediale Resonanz
Die Ifma braucht Publikum – und hat es bei ihrem riesigen Einzugsgebiet auch. Offiziell spricht die Messeleitung von 28000 Privatbesuchern. Das waren zwar 5000 weniger als im Vorjahr, doch die Zahlen der Koelnmesse sind seit Jahren mit Vorsicht zu geniessen. Hinzu kommt der Standortvorteil in der Medienstadt Köln. Was hier stattfindet, hat eine enorm gute Medienab­deckung. Obwohl die internationale Resonanz in den Fachblättern bescheiden geworden ist, gilt die Ifma für Deutschlands Publikumsmedien immer noch als die wichtigste Fahrradmesse.
Dem Publikum wird auch viel geboten: mehrere Testtracks, Bike-Looping, spannende Reisevorträge – und vor allem eine exklusive Cruiser-Ausstellung. Ein harter Kontrast zu den grossteils immer noch «krawattierten» Händlern.
Allerdings fällt auf, dass die Qualität der Präsentationen nicht konstant ist: Sorgten die Kultbike-, Jubiläums-, Cruiser- und Innovations-Sonderschauen vor ein paar Jahren noch für grosse Anerkennung, so war die diesjährige «Carbon-Themenfläche» nur noch banal; statt eines fundierten Abrisses über die ungestüme Entwicklung des «schwarzen Goldes» bot man dem Besucher eine lieblose und zufällige Aufreihung von Fahrrädern.

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