
Bastien Girod (Grüne, Zürich), Anita Lachenmeier (Grüne, Basel-Stadt),
Brigit Wyss (SP, Solothurn), Alec von Graffenried (Grüne, Bern), Yvonne
Gilli (Grüne, St. Gallen) – dies einige der neu gewählten
Deutschschweizer Nationalrätinnen und Nationalräte, welche die
Velolobby in Bern stärken werden. Dazu die wieder gewählten Bisherigen,
allen voran Jacqueline Fehr (SP, Zürich) als Pro-Velo-Präsidentin,
Martin Bäumle (Grünliberale, Zürich), Mitglied im VCS-Vorstand, die
Berner SP-Frau Evi Allemann oder Louis Schelbert (Grüne, Luzern) und
Joe Lang (Alternative Liste Zug).
Auch aus der Romandie wird man künftig vermehrt Stimmen hören, die sich
für die Veloförderung einsetzen. Antonio Hodgers (Grüne, Genf),
Lausannes Stadtpräsident Daniel Brélaz (Grüne, Waadt) und seine Partei-
und Kantonskollegin Adèle Thorens. Genf schickt, erstmals überhaupt,
einen Grünen in den Ständerat: Robert Cramer.
Änderungen in Sicht?
velojournal befragte eine Auswahl Bisheriger und neu Gewählter und
wollte zuerst wissen, ob sich bereits eine neue Verkehrspolitik im
Nationalrat abzeichne. Jacqueline Fehr weist darauf hin, dass «für die
Verkehrspolitik letztlich immer die Volksentscheide ausschlaggebend
waren und wenn nötig die Politik der Räte korrigierten». Bastien Girod
denkt, dass auch in Zukunft mit Referenden und Initiativen «die
uneingeschränkte Förderung des motorisierten Individualverkehrs
verhindert werden muss». Evi Allemann will erst ein paar Monate
zuwarten, bis die neue Politik erkennbar wird, denn man wisse von
vielen neu gewählten FDP- und CVP-Leuten nicht, wo sie in Sachen
Velopolitik wirklich stehen. Vieles hänge auch von der neu
zusammengesetzten Verkehrskommission ab. Anita Lachenmeier ist sich
sicher, dass mehr Velo-Vorstösse als bis anhin eingereicht werden, und
sagt: «Ich hoffe auf genügend Verbündete, die diese Forderungen
unterstützen.»
Ob das neue Parlament begreift, was der Langsamverkehr im Kampf gegen
den Klimawandel beitragen kann? «Da ist noch viel Überzeugungsarbeit zu
leisten», ist sich Jacqueline Fehr sicher. Evi Allemann verweist auf
London oder Kopenhagen. Sie hofft, der Nationalrat werde diese
Vorbilder erkennen, «aber die Strassenlobby ist auch im neuen Parlament
sehr stark». Girod und Lachenmeier wollen den RatskollegInnen
klarmachen, dass das Velo das klimafreundlichste Verkehrsmittel ist.
Davon müsste dann auch die Veloförderung profitieren, meinen beide.
Konkret: Was tut sich beim Modalsplit?
Alle reden von Veloförderung – wird sich das bald schon im Modalsplit
zeigen, im Anteil der per Velo oder zu Fuss zurückgelegten Wegstrecken?
Jacqueline Fehr verweist darauf, dass im beschlossenen
Infrastrukturfonds der Velo- und Langsamverkehr bereits berücksichtigt
sei, dafür hatte sie sich eingesetzt. Generell sei heute das Velo in
die Verkehrskonzepte integriert, doch diese Integration müsse noch
selbstverständlicher werden. «Das Potenzial ist noch längst nicht
ausgeschöpft», doppelt Evi Allemann zu diesem Punkt nach. Es brauche
Anreize und eine verursachergerechte Besteuerung der Mobilität, aber
auch eine Lockerung der Treibstoffzoll-Zweckbindung.
Bastien Girod weiss aus einer Untersuchung, dass die Schweiz die
Kyoto-Ziele erreichen könnte, wenn alle Autofahrten unter fünf
Kilometer per Velo zurückgelegt würden. Seine Forderung: Bis ins Jahr
2020 muss der Veloverkehr-Anteil auf vierzehn Prozent verdoppelt
werden. Dazu brauche es den Ausbau der Infrastruktur und nicht zuletzt
eine intelligente Raumplanung und Wohnungspolitik. Anita Lachenmeier
blickt eher skeptisch in die Verkehrs-Zukunft: «Trotz verbesserter
Infrastruktur war der Veloanteil in den letzten Jahren rückläufig», das
mache ihr Sorgen.
Engagement versprochen
Es braucht – das zeigen die Antworten – den persönlichen Einsatz vieler
Politikerinnen und Politiker. Und was tun die Befragten konkret?
Jacqueline Fehr hat als Pro-Velo-Präsidentin den Tatbeweis längst
angetreten. Anita Lachenmeier ist ihrerseits Vorstandsmitglied der IG
Velo beider Basel. Evi Allemann – wie alle Befragten selbst aktive
Velofahrerin – weiss als Verkehrsteilnehmerin, was Veloförderung
heisst. Das darf auch Brigit Wyss von sich behaupten. Und Bastien Girod
– als früherer Greenpeace-Aktivist selten um eine Idee verlegen –
antwortet auf die Frage, ob er sich denn als Vertreter der Velo-Lobby
verstehe: «Aber sicher! Ich fordere schon lange: Mehr Fett statt
(Erd-)Öl verbrennen!»