
Keine der Erwartungen wird Realität: Weder muss man sich die Beine aus
dem Bauch strampeln, wenn man zügig vorwärts kommen will, noch sind die
neuen Klappvelos zappelig zu fahren oder zu lenken. Die beiden neuen
Modelle von Bike Friday und Dahon könnten sogar freihändig gefahren
werden, was bei Velos mit so kleinen Rädern eher eine Ausnahme ist.
Daran ist zu erkennen, dass die Konstrukteure gute Arbeit geleistet
haben. Den Dahon-Entwicklern hat das Schaffhauser Velogeschäft Velowerk
etwas nachgeholfen. velojournal testete das dort modifizierte «Curve
SL»: Es ist in einigen Details nachbearbeitet und zusätzlich mit der
Schlumpf «High-Speed Drive»-Tretlagerschaltung ausgerüstet.
Diese verdoppelt das Gänge-Angebot beinahe und macht aus dem ansonsten
etwas bedächtigen Dahon ein Rennpferd. Im Vergleich dazu ist die
Übersetzung des «Tikit» bescheiden. Auf kurzen Strecken wird man sich
daran zwar nicht stören, wer aber längere Fahrten machen will, kann das
Modell auch mit anderen Schaltungen bestellen.
Die grosse Show bietet das «Tikit» beim Falten. Schon nach wenigen
Versuchen kapiert man den Mechanismus und klappt das Rad tatsächlich in
fünf Sekunden klein. Dazu wird die Sattelstütze aus ihrer Arretierung
nach vorne gekippt. Dies gibt die Verriegelung des hinteren Rahmenteils
frei, worauf über einen Seilzug das Lenkerscharnier geöffnet wird:
alles in allem eher eine Kettenreaktion als ein Faltvorgang. Aber auch
beim Dahon-Modell ist Falten nicht kompliziert, es braucht einfach
etwas mehr Zeit: Sattelstütze runter, Lenker einklappen und Hauptgelenk
falten. Dass das Faltpaket mit einem Nylonriemen zusammengezurrt werden
muss, wirkt bei so viel Hightech jedoch etwas behelfsmässig. Beide
Modelle sind gefaltet zwar nicht superklein, aber genügend kompakt, um
in einem Zug oder Kofferraum ein bescheidenes Plätzchen zu finden.
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1| Bike Friday «Tikit» Es gibt durchaus steifere und damit besser zu fahrende Falträder als das «Tikit». Seine Stärken liegen beim Faltmechanismus: Es ist zurzeit wohl das am einfachsten und schnellsten faltbare Velo und deshalb für Pendler sehr interessant. Besonders angenehm ist, dass es zusammengefaltet auf dem Vorderrad geschoben werden kann, und dass Lenker- und Sattelhöhe nach dem Falten nicht neu eingestellt werden müssen. Dank seinen drei Rahmengrössen und der weit verstellbaren Lenker- und Sattelposition bietet es grossen und kleinen Leuten eine komfortable Sitzposition. Ausstattung: Stahlrahmen, in drei Grössen erhältlich, 16-Zoll-Laufräder, Schwalbe «Marathon» 37-349 Pneus, Shimano-«Sora»-8-Gang-Schaltung, Entfaltung von 2,38 bis 6,05 Meter, V-Brakes, inklusive Schutzbleche. Faltmasse 43 x 88 x 65 cm, Faltzeit ca. fünf Sekunden Gewicht: 11,5 kg Preis: Fr. 2180.– Infos: Bike Friday Europe, Telefon +49 761 276 477, www.bikefriday.de |
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2| Dahon «Curve SL» Wie gut kleine Räder fahren, erlebt man auf dem Dahon. Die Kombination aus steifem Aluminiumrahmen und grossvolumigen «BigApple»-Pneus sorgt für ein ruhiges Fahrverhalten. Dass man auf einem Faltvelo sitzt, gerät zwischendurch in Vergessenheit. Mit dem «High-Speed Drive» erreicht das «Curve SL» die Entfaltung eines Tourenvelos, auch Distanzen von 30 Kilometer und mehr fährt man so gerne. Die Sitzposition kann allerdings kaum angepasst werden und für grössere Menschen ab 1,85 Meter reicht die Sattelhöhe nicht aus. Die Nachrüstungen von Thomas Lösch vom Velowerk Schaffhausen sind dem Hersteller nicht verborgen geblieben: Unterdessen wurde er von Dahon ins Entwicklungsteam berufen. Ausstattung: Aluminiumrahmen in Einheitsgrösse, 16-Zoll-Räder, Schwalbe «BigApple» 50-305 Pneus, 10-Gang-Getriebe-Schaltung mit 5-Gang-Sturmey-Archer-Nabenschaltung und Schlumpf High-Speed Drive, Entfaltung von 1,47 bis 8,23 Meter, V-Brakes, inklusive Schutzbleche, Ständer. Zusatzausstattung von Velowerk mit «Doublespeed»-Tretlager. Faltmasse: 34 x 74 x 63 cm, Faltzeit ca. 20 Sekunden Gewicht: 11,3 kg Preis: Fr. 2195.–, Standardausführung mit 5-Gang Nabenschaltung: Fr. 1295.– Infos: Velowerk, 052 625 66 54, www.velowerk.ch Dahon Schweiz, 044 867 15 25, www.dahon.ch |
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3| Eigenwilliger Einradanhänger Für den Gepäcktransport haben sich Anhänger auf Touren und Reisen längst als Alternative zu Velotaschen und Gepäckträger bewährt. Der Reiseanhänger «Extrawheel» ist in dieser Klasse ein eigenwilliges Kerlchen und kann mehr als man ihm im ersten Augenblick zutraut. Er rollt auf einem normalen Velovorderrad, das über eine Deichsel beweglich mit dem Zugvelo verbunden ist. Ein riesiges Schutz-«Blech» aus Kunststoff deckt das Rad ab und dient gleichzeitig als Halterung für die beidseitigen, riesigen Gepäcknetze, die bis zu 120 Liter Gepäckvolumen aufnehmen können. Die Grösse der Netze kann über einen schlauen Mechanismus einfach reguliert werden. Die Kupplung zwischen Velo und Anhänger besteht aus zwei kugelförmigen Nocken, welche am Hinterradschnellspanner oder an den Randmuttern angebracht sind. Die Deichsel wird einfach drüber geklemmt und fertig. Man fragt sich, ob das wirklich funktioniert, erst recht in Kombination mit den dünnen, fast schon zerbrechlich wirkenden Stahlstangen der Deichsel. Umso mehr verblüfft die Probefahrt. Vollbepackt ähnelt der Anhänger einem Hängebauchschwein. Der Anhänger ist aber keineswegs so träge wie diese Tiere, sondern folgt – mit 25 Kilo Gepäck beladen – willig allen Lenkbewegungen, ohne aufzuschaukeln oder eine unruhiges Fahrverhalten auszulösen. Selbst auf groben, ruppigen Mountainbike-Pfaden folgt er stets gut kontrollierbar. So wild die Fahrt auch wird: Die Befürchtung, der Anhänger könnte sich von der Kugelkupplung lösen, ist unbegründet. Störend war einzig, dass kompakte, schwere Gegenstände vom Gepäcknetz zu wenig straff auf dem Anhänger gehalten werden und während der Fahrt herumbaumeln. Die Kupplung ist zwar genial einfach, im Handling aber nicht sehr komfortabel. Und sie erfordert viel Kraft, vor allem wenn der Anhänger beladen ist. Für die grosse Velotour bleibt der Anhänger aber die meiste Zeit am Velo, dann stört das nicht. Obwohl der Anhänger im ÖV-Transport ein recht unhandliches Ding wird, ist der «Extrawheel» klar als Touren und Reiseanhänger konzipiert. Dies zeigt sich auch bei den Beladungsmöglichkeiten: So wenig er im Alltag dient, wenn Getränkeharassen oder andere grosse Gegenstände transportiert werden sollen, so einfach und praktisch lässt sich eine ganze Campingausstattung in den Gepäcknetzen verstauen. Gewicht: 5,3 kg (wasserdichte Säcke 1,5 kg) Kapazität: 30 kg, 120 l Preis: Fr. 409.– Zusatzkupplung: Fr. 25.– Infos: Unterwegs, 062 824 84 18, www.extrawheel.com |