Szene

Rekordmesse an der Grenze

Mit einem neuen Publikums- und Ausstellerrekord konnte die Fachmesse Eurobike ihren Erstligaplatz ausbauen. Die gute Stimmung wurde dieses Jahr aber durch eine am Limit laufende Verkehrsinfrastruktur getrübt. Hat die Rekordmesse ihre Grenzen überschritten? Pete Mijnssen

Tragen die Obstbäume in der Bodenseeregion jeweils schwer an ihren Früchten, ist wieder Eurobike-Zeit. Die wichtigste Fahrradmesse der Welt in Friedrichshafen am Bodensee lässt Aussteller, Publikum und Medienleute aus dem In- und Ausland in Massen anreisen. Die Schattenseiten dieses Rekordergebnisses wurden dieses Jahr deutlich: Wer an die Messe wollte, musste sehr früh aufstehen und kam erst spät nach Hause. Am besten dran war, wer mit dem Velo anreiste. Alle anderen standen lange im Stau.
Nun rächt sich, dass mit dem Bau der neuen Messehallen nicht auch das Verkehrskonzept überdacht wurde. Dem Messegelände fehlt nach wie vor eine Schienenverbindung. Die Besucher-Parkplätze sind rasch voll, der Bus ist wegen fehlender Busspuren keine Alternative. Da das ohnehin magere Übernachtungsangebot in der Region nicht ausgebaut wurde, nimmt der Individualverkehr entsprechend zu. Die Messeleitung selbst vertröstet die Besucherinnen und Besucher auf eine neue Strassenführung, die zusammen mit einem neuen Eingang Ost für 2009 geplant ist. Ob nächstes Jahr wenigstens separate Busspuren die öV-Benutzerinnen und -Benutzer rascher ans Ziel bringen wird, ist Gegenstand einer internen Auswertung.

Spannendes Velobiotop
Von den Zufahrtsproblemen abgesehen, festigte die Eurobike ihren Ruf, das spannendste Velobiotop auf diesem Planeten zu sein. Obwohl der Schwerpunkt auf dem Velosport liegt, waren die Innovationen im Alltagsbereich augenfällig. Gerade dieses Jahr scheinen traditionell sportlich eingestellte Hersteller aus Übersee das «urbanbike» wieder einmal für sich entdeckt zu haben, wie das Modell «Jango» von Giant und das City-Concept-Bike ON von Cannondale zeigten. Aber auch Eu­ropa steht nicht hinten an: Viele Hersteller denken konsequent in Richtung Alltagstauglichkeit, sei es bei der Konzeption (Gazelle «Cabby»), oder beim Styling, und sie arbeiten mit cleverem Marketing wie MTB Cycletech. Ihr Modell «Puravida» ist eine Weiterentwicklung des von velojournal prämierten «Oxymoron» plus einer neuartigen Ganzjahresgarantie (siehe Seite 42).
Überraschend war der Messeauftritt des europäischen Fahrradverbands (ECF), der zusammen mit dem europäischen Branchenverband Coliped von der Politik eine effiziente und nachhaltige Fahrradförderung verlangt. Gefordert wurden unter anderem generell zehn Prozent der Verkehrsgelder für den Fahrradverkehr, ironischerweise genau zu dem Zeitpunkt, wo draussen vor den Hallen der Verkehr zusammenbrach.
Um das eingangs erwähnte Bild mit den dicht behangenen Obstbäumen weiterzuspinnen: Es entstand der Eindruck, dass die Eurobike sich bei aller Farbenpracht zunehmend schwertut mit dem «Einfahren der Ernte» – die Verkehrslogistik klappt nicht mehr. Es bleibt zu hoffen, dass die Messeleitung möglichst bald die richtigen Schritte in die Wege leitet, um den Erfolg nicht zu gefährden.

Eurobike 2007 in Zahlen

53080 Besuchende, plus acht Prozent (davon 34280 Fachbesucher aus 75 Ländern, 18800 Fahrradfans am Publikumstag und 1280 Journalisten aus 32 Ländern). 868 Aus­steller (internationaler Anteil 68 Prozent) in 13 Messehallen, plus fünf Prozent.
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15.05.2012:
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