
Nach 6 Tagen, 19 Stunden und 30 Minuten hatte die Schinderei endlich
ein Ende. Hape Narr (Thayngen) und Urs Samtleben (Egg, ZH), die beiden
Fahrer des Teams IWC Schaffhausen, überquerten in Atlantic City im
US-Bundesstaat Georgia die Ziellinie des Race Across America. Hinter
ihnen lagen nicht nur 5000 Kilometer quer durch den Kontinent, sondern
auch die Gewissheit, dass die Vorbereitungen auf dieses härteste
Radrennen der Welt richtig waren.
Der Faktor Geld
Wer sich ans Race Across America wagt – darunter befinden sich jedes
Jahr auch mehrere Schweizer –, braucht drei Dinge: Erstens viel Zeit
für ein gezieltes Training, zweitens einen guten Staff und bei Fahrten
im Team einen passenden Rennpartner und drittens eine gute, ja
originelle Story, um genügend Geld für eine solche Expedition
akquirieren zu können. Wer den Anspruch hat, das Rennen im vorderen
Teil des Klassements zu beenden, kommt kaum um ein Budget in der
minimalen Grössenordnung von
50000 Franken herum. Viel Geld für wenig Werbeeffekt.
Das weiss auch der Luxusuhrenhersteller IWC, Hauptsponsor des Schweizer
Zweierteams. Das Schaffhauser Unternehmen sieht sein Engagement vor
allem als lokales Sponsoring: «Mit solchen Engagements wollen wir
Goodwill für unsere Firma schaffen», sagt Verwaltungsrat Hannes Pantli.
«Für uns stimmt die Story. IWC wurde von einem Amerikaner gegründet,
nun gehen Schaffhauser nach Amerika, um sportliche Höchstleistungen zu
erbringen.» Der Luxusuhrenhersteller war bereits vor zwei Jahren
Hauptsponsor des damals vier Fahrer umfassenden Teams aus
Schaffhausen. So fiel es Hape Narr, der schon damals mit dabei war,
nicht allzu schwer, IWC auch dieses Jahr für ein Engagement zu
begeistern.
Nicht alle haben so viel Glück wie Hape Narr, für dieses Rennen sowohl
in wirtschaftlicher als auch sportlicher Hinsicht den richtigen Partner
zu finden. Nur zu gut weiss dies Johannes Kornacher, der dieses Jahr
gerne auch in einem Zweierteam teilgenommen hätte. Mit seinem Projekt
Swissteam RAAM begann er ein Jahr vor dem Start damit, Sponsoren zu
suchen. Vergeblich: Er bekam trotz hohen Zeitaufwands die nötigen
Finanzen nicht zusammen und hatte schliesslich wegen der
Sponsoringsuche nicht genügend Zeit zum Training. Und als ob dies nicht
der Probleme genug gewesen wären, stellte sich auch noch heraus, dass
er und sein Sportpartner ideell nicht zusammenpassten.
Der 51-jährige Zürcher hat aus diesen Erfahrungen seine Lehren gezogen:
«Für uns Hobbyfahrer ist das RAAM kein Projekt, das man mit einem
genauen Zeitplan durchziehen kann.» Man müsse viel improvisieren, weil
man immer wieder an denselben Teufelskreis stosse. Medien berichten
nicht über das Projekt, weil es ohne Sponsoren noch zu vage erscheint,
die fehlende Medienresonanz schreckt ihrerseits potenzielle Sponsoren
ab. Trotzdem gibt Kornacher nicht auf: «Wir konnten dieses Jahr das
Teamrennen beobachten und sowohl gute wie auch schlechte Ansätze
analysieren. Dies erlaubt uns, bei einem allfälligen Start 2008 einige
Fehler zu vermeiden.»
www.raceacrossamerica.org
www.raam2007.ch
www.swissteamraam.ch