Sport

Zwischen den Küsten

Zum ersten Mal gewann ein Schweizer Zweierteam das Race Across America, das anspruchsvollste Radrennen der Welt. Auch andere Teams aus der Schweiz möchten bei der Tour von Küste zu Küste mitfahren – doch oft scheitern sie bereits an der Suche nach Sponsoren. Pascal Meisser

Nach 6 Tagen, 19 Stunden und 30 Minuten hatte die Schinderei endlich ein Ende. Hape Narr (Thayngen) und Urs Samtleben (Egg, ZH), die beiden Fahrer des Teams IWC Schaffhausen, überquerten in Atlantic City im US-Bundesstaat Geor­gia die Ziellinie des Race Across America. Hinter ihnen lagen nicht nur 5000 Kilometer quer durch den Kontinent, sondern auch die Gewissheit, dass die Vorbereitungen auf dieses härteste Radrennen der Welt richtig waren.

Der Faktor Geld
Wer sich ans Race Across America wagt – darunter befinden sich jedes Jahr auch mehrere Schweizer –, braucht drei Dinge: Erstens viel Zeit für ein gezieltes Training, zweitens einen guten Staff und bei Fahrten im Team einen passenden Rennpartner und drittens eine gute, ja originelle Story, um genügend Geld für eine solche Expedition akquirieren zu können. Wer den Anspruch hat, das Rennen im vorderen Teil des Klassements zu beenden, kommt kaum um ein Budget in der minimalen Grössenordnung von
50000 Franken herum. Viel Geld für wenig Werbeeffekt.
Das weiss auch der Luxusuhrenhersteller IWC, Hauptsponsor des Schweizer Zweierteams. Das Schaffhauser Unternehmen sieht sein Engagement vor allem als lokales Sponsoring: «Mit solchen Engagements wollen wir Goodwill für unsere Firma schaffen», sagt Verwaltungsrat Hannes Pantli. «Für uns stimmt die Story. IWC wurde von einem Amerikaner gegründet, nun gehen Schaffhauser nach Amerika, um sportliche Höchstleistungen zu erbringen.» Der Luxusuhrenhersteller war bereits vor zwei Jahren Hauptsponsor des damals vier Fahrer um­­­fassenden Teams aus Schaffhausen. So fiel es Hape Narr, der schon damals mit dabei war, nicht allzu schwer, IWC auch dieses Jahr für ein Engagement zu begeistern.
Nicht alle haben so viel Glück wie Hape Narr, für dieses Rennen sowohl in wirtschaftlicher als auch sportlicher Hinsicht den richtigen Partner zu finden. Nur zu gut weiss dies Johannes Kornacher, der dieses Jahr gerne auch in einem Zweierteam teilgenommen hätte. Mit seinem Projekt Swissteam RAAM begann er ein Jahr vor dem Start damit, Sponsoren zu suchen. Vergeblich: Er bekam trotz hohen Zeitaufwands die nötigen Finanzen nicht zusammen und hatte schliesslich wegen der Sponsoringsuche nicht genügend Zeit zum Training. Und als ob dies nicht der Probleme genug gewesen wären, stellte sich auch noch heraus, dass er und sein Sportpartner ideell nicht zusammenpassten.
Der 51-jährige Zürcher hat aus diesen Erfahrungen seine Lehren gezogen: «Für uns Hobbyfahrer ist das RAAM kein Projekt, das man mit einem genauen Zeitplan durchziehen kann.» Man müsse viel improvisieren, weil man immer wieder an denselben Teufelskreis stosse. Medien berichten nicht über das Projekt, weil es ohne Sponsoren noch zu vage erscheint, die fehlende Medienresonanz schreckt ihrerseits potenzielle Sponsoren ab. Trotzdem gibt Kornacher nicht auf: «Wir konnten dieses Jahr das Teamrennen beobachten und sowohl gute wie auch schlechte Ansätze analysieren. Dies erlaubt uns, bei einem allfälligen Start 2008 einige Fehler zu vermeiden.»

www.raceacrossamerica.org
www.raam2007.ch
www.swissteamraam.ch

Race Across America

Mit 5000 Kilometern und über 30000 Höhenmetern gilt das Race Across America (RAAM) als anforderungsreichstes Radrennen der Welt. Jedes Jahr führt die Strecke von der Ost- zur Westküste, quer über den nordamerikanischen Kontinent. Diese Strecke muss in den Kategorien Einzel, Zweier- oder Viererteam in möglichst kurzer Zeit gefahren werden. Jede Pause geht zulasten der Rennzeit. Deshalb wird versucht, die Schlafzeit auf ein Minimum zu reduzieren. Eine Besonderheit: Die Teilnehmer werden keinen Dopingkontrollen unterzogen.
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