
Der Name verrät es: Den «Demo Day» hat die Messe Friedrichshafen nicht
selbst erfunden, sondern aus den USA importiert. Was sich bei der
Interbike in Las Vegas fest etablierte, müsste sich doch auch bei der
Eurobike gut machen – als grösste Velomesse Europas kann sie damit
FachbesucherInnen auch als einzige einen grossen Praxistest bieten.
Voraussetzungen sind optimal
Die Standortsuche hat sich gelohnt: Die Wahl Eichenbergs oberhalb von
Bregenz könnte sich aus folgenden Gründen als Volltreffer herausstellen.
Lage: Der Panoramaausblick vom knapp 800 Meter hoch gelegenen
«Bergdorf» bietet allerschönste Sicht über den Bodensee. Obwohl bereits
in Österreich gelegen, beträgt die Distanz zur Messe angenehmerweise
nur 35 km oder ebenso viele Autominuten.
Terrain: Mountainbiker finden am Pfänder und Rennradlerinnen auf dem nahen Allgäu-Plateau anspruchsvolle Testreviere.
Regionale Abstützung: Das ganze Dorf war sofort Feuer und Flamme –
Kunststück, ist das doch mindestens die Jahrzehntchance, um das von
Bodenseetourismus etwas vernachlässigte Eichenberg weltweit in die
Medien zu rücken.
Um den hohen Stellenwert des Demo Day zu unterstreichen, wird die
Eurobike sogar zur offiziellen Messe-Eröffnung mit dem traditionellen
Wirtschaftsgespräch nach Eichenberg einladen.
Alles schön und gut – doch wie siehts mit dem Engagement der Industrie
aus? Zu Beginn waren ja viele Hersteller skeptisch. Zum einen, weil sie
zweifelten, ob sie neben dem Standaufbau in Friedrichshafen überhaupt
das nötige Personal abzweigen können; zum andern, weil sie
befürchteten, gar nicht rechtzeitig mit genügend 2008er-Komponenten
beliefert zu werden. Inzwischen kann Eurobike-Messeleiter Stefan
Reisinger mit Genugtuung verkünden, dass der Demo Day praktisch
ausgebucht ist: «Wir haben uns 50 Firmen erhofft – bei rund 70 müssen
wir nun einen Anmeldestopp machen, um bei der Premiere die Sache noch
gut überblicken zu können.» Es seien die meisten führenden Bike- und
Accessoire-Anbieter vertreten. «Der Demo Day wird auf Anhieb zu einem
‹Testival›, das wohl manch arriviertem Bikefestival kaum nachstehen
wird», so Reisinger.
Fast perfekter Verkehrsplan
Bleibt noch die Gretchenfrage, ob denn auch genügend Besucher und
Besucherinnen den Weg nach Eichenberg finden werden. Oder ob es bei
einschlagendem Erfolg nicht gleich zu einem riesigen Verkehrschaos auf
der kurvigen Bergstrasse kommt, analog demjenigen in Friedrichshafen.
Die Eurobike glaubt, gut gerüstet zu sein: Ein Park-and-Ride-Service ab
Lochau und halbstündliche Shuttles ab Friedrichshafen sollen den
Individualverkehr von Eichenberg selber fernhalten.
Nur an die per Bahn anreisenden Schweizer Fachbesucher haben die
Veranstalter nicht gedacht: Mit dem EuroCity gelangen umweltbewusste
EidgenossInnen zwar rasch nach Bregenz, wo ihnen aber der nur
stündliche Ländlebus gerade vor der Nase abfährt. Wenn sich da die
Messe nicht noch etwas einfallen lässt, wird der Kluge nicht im Zuge
reisen, sondern besser den direkten Gratisbus ab Zürich Flughafen
reservieren, der eigentlich für Gäste aus Übersee vorgesehen ist …
Ausbau der Messe geht voran
Mit der Zumietung des benachbarten Zeppelinhangars kann die Eurobike
die Messefläche auf über 75000 m2 ausdehnen. Diese grösste Erweiterung
seit Bezug des neuen Geländes bietet Platz für rund 50 weitere
Aussteller, vor allem aus dem City- und Elektrosegment; die Warteliste
kann damit etwa halbiert werden. Diese 13. Halle ist als Provisorium
für zwei Jahre vorgesehen. Denn etwa zur diesjährigen Eurobike soll
auch der Spatenstich für die Erweiterung mit zwei regulären Hallen der
bisherigen Bauart erfolgen. Die Messe hofft, dass bis 2009 auch die
Nordzufahrt endlich verwirklicht werden kann.
www.eurobike.de