Szene

Eurobike im Grenzgelände

Die Eurobike realisiert heuer ihre grösste Erweiterung seit fünf Jahren: Im vorarlbergischen Eichenberg organisiert sie als erste Radmesse Europas einen vorgängigen Demo Day, und mit dem Zeppelinhangar bezieht sie temporär eine 13. Halle. Peter Hummel

Der Name verrät es: Den «Demo Day» hat die Messe Friedrichshafen nicht selbst erfunden, sondern aus den USA importiert. Was sich bei der Interbike in Las Vegas fest etablierte, müsste sich doch auch bei der Eurobike gut machen – als grösste Velomesse Europas kann sie damit FachbesucherInnen auch als einzige einen grossen Praxistest bieten.

Voraussetzungen sind optimal
Die Standortsuche hat sich gelohnt: Die Wahl Eichenbergs oberhalb von  Bregenz könnte sich aus folgenden Gründen als Volltreffer herausstellen.
Lage: Der Panoramaausblick vom knapp 800 Meter hoch gelegenen «Bergdorf» bietet allerschönste Sicht über den Bodensee. Obwohl bereits in Österreich gelegen, beträgt die Distanz zur Messe angenehmerweise nur 35 km oder ebenso viele Autominuten.
Terrain: Mountainbiker finden am Pfänder und Rennradlerinnen auf dem nahen Allgäu-Plateau anspruchsvolle Testreviere.
Regionale Abstützung: Das ganze Dorf war sofort Feuer und Flamme – Kunststück, ist das doch mindestens die Jahrzehntchance, um das von Bodenseetourismus etwas vernachlässigte Eichenberg weltweit in die Medien zu rücken.
Um den hohen Stellenwert des Demo Day zu unterstreichen, wird die Eurobike sogar zur offiziellen Messe-Eröffnung mit dem traditionellen Wirtschaftsgespräch nach Eichenberg einladen.
Alles schön und gut – doch wie siehts mit dem Engagement der Industrie aus? Zu Beginn waren ja viele Hersteller skeptisch. Zum einen, weil sie zweifelten, ob sie neben dem Standaufbau in Friedrichshafen überhaupt das nötige Personal abzweigen können; zum andern, weil sie befürchteten, gar nicht rechtzeitig mit genügend 2008er-Komponenten beliefert zu werden. Inzwischen kann Eurobike-Messeleiter Stefan Reisinger mit Genugtuung verkünden, dass der Demo Day praktisch ausgebucht ist: «Wir haben uns 50 Firmen erhofft – bei rund 70 müssen wir nun einen Anmeldestopp machen, um bei der Premiere die Sache noch gut überblicken zu können.» Es seien die meisten führenden Bike- und Accessoire-Anbieter vertreten. «Der Demo Day wird auf Anhieb zu einem ‹Testival›, das wohl manch arriviertem Bikefestival kaum nachstehen wird», so Reisinger.

Fast perfekter Verkehrsplan
Bleibt noch die Gretchenfrage, ob denn auch genügend Besucher und Besucherinnen den Weg nach Eichenberg finden werden. Oder ob es bei einschlagendem Erfolg nicht gleich zu einem riesigen Verkehrschaos auf der kurvigen Bergstrasse kommt, analog demjenigen in Friedrichshafen. Die Eurobike glaubt, gut gerüstet zu sein: Ein Park-and-Ride-Service ab Lochau und halbstündliche Shuttles ab Friedrichshafen sollen den Individualverkehr von Eichenberg selber fernhalten.
Nur an die per Bahn anreisenden Schweizer Fachbesucher haben die Veranstalter nicht gedacht: Mit dem EuroCity gelangen umweltbewusste EidgenossInnen zwar rasch nach Bregenz, wo ihnen aber der nur stündliche Ländlebus gerade vor der Nase abfährt. Wenn sich da die Messe nicht noch etwas einfallen lässt, wird der Kluge nicht im Zuge reisen, sondern besser den direkten Gratisbus ab Zürich Flughafen reservieren, der eigentlich für Gäste aus Übersee vorgesehen ist …

Ausbau der Messe geht voran
Mit der Zumietung des benachbarten Zeppelinhangars kann die Eurobike die Messefläche auf über 75000 m2 ausdehnen. Diese grösste Erweiterung seit Bezug des neuen Geländes bietet Platz für rund 50 weitere Aussteller, vor allem aus dem City- und Elektrosegment; die Warteliste kann damit etwa halbiert werden. Diese 13. Halle ist als Provisorium für zwei Jahre vorgesehen. Denn etwa zur diesjährigen Eurobike soll auch der Spatenstich für die Erweiterung mit zwei regulären Hallen der bisherigen Bauart erfolgen. Die Messe hofft, dass bis 2009 auch die Nordzufahrt endlich verwirk­licht werden kann.

www.eurobike.de

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