
Wer sich schwitzend den Weg nach oben erarbeitet, sehnt sich nicht
gerade nach Abgasen und möchte schon gar nicht in den Strassengraben
gedrückt werden. «Es ist eine Zumutung, mit dem Velo über Bergstrassen
zu fahren», sagt Simon Bischof, Präsident des vor drei Jahren
gegründeten Vereins FreiPass, der die gelegentliche Sperrung von Pässen
für den motorisierten Verkehr anstrebt. Der 45-jährige Klavierlehrer
weiss um die Nöte der Velofahrenden. Er pedalte über fast 70 Pässe im
In- und Ausland. Als langfristiges Ziel setzt sein Verein, der
mittlerweile 300 Mitglieder und SympathisantInnen zählt, auf je einen
autofreien Schweizer Pass pro Sommerwochenende. Bischof macht den
Vergleich mit anderen «Schonräumen» wie den Ruheabteilen in
Eisenbahnzügen oder rauchfreien Zonen, die von der Öffentlichkeit
ebenfalls akzeptiert werden.
Alpeninitiative macht mit
Noch organisieren Bischof und seine drei VorstandskollegInnen aber erst
einzelne Veranstaltungen. Im vergangenen Sommer erhielt FreiPass die
Bewilligung, den Lukmanier, der das Tessin mit Graubünden verbindet,
für einige Stunden zu sperren. Dieses Jahr ist der Furkapass dran. Am
Samstag, 11. August, gehört die 22 Kilometer lange Strecke zwischen
Realp im Kanton Uri und dem Walliser Ort Gletsch von 15 bis 19 Uhr den
Velofahrenden. Für die mehr als 1000 Höhenmeter, die es vom Wallis aus
bis zur Passhöhe (2431 Meter) zu überwinden gibt, rechnet Bischof
anderthalb bis drei Stunden, je nach körperlicher Verfassung der
TeilnehmerInnen. Wer es gemütlicher nehmen möchte, dem empfiehlt er den
Aufstieg an der Urner Seite mit etwa 650 Metern Höhenunterschied. Auf
beiden Routen bietet sich die Möglichkeit einer betreuten Gruppenfahrt,
inklusive Flickservice, Erster Hilfe und mentaler Unterstützung.
Allerdings werde ein Grossteil der Teilnehmenden erfahrungsgemäss
einzeln starten, so Bischof: «Velofahrer sind Individualisten»,
kommentiert er. Auch dieses Jahr sind Wanderer ebenfalls eingeladen,
von der autofreien Strasse zu profitieren – schon am Lukmanier wurden
etliche Nordic Walker und Kinderwagen gesichtet. FreiPass bevorzuge
Veranstaltungen am späten Samstagnach-
mittag, damit die Teilnehmenden nach dem Erreichen des Ziels nicht
sofort wieder abreisen, sondern die Nacht in der Region verbringen,
erläutert Bischof. Eine Strassensperrung sei nur mit der Unterstützung
des einheimischen Gewerbes sinnvoll: «Es soll auch lokale Wertschöpfung
geben.» Neben zwei Hotels in direkter Passnähe stehen etwas tiefer
gelegen weitere Unterkünfte zur Verfügung (Der Anmeldetalon kann dem
aufgeklebten Flyer entnommen werden). Am Abend des 11. August wird der
Verein Alpen-Initiative, der sich an dieser Veranstaltung von FreiPass
beteiligt, das Mahnfeuer entfachen, mit dem er traditionell auf sein
Anliegen aufmerksam macht: die Verlagerung von Gütertransporten auf die
Schiene.
Voll auf die Bremse
Für die Heimreise am nächsten Tag wird die Strasse nicht mehr gesperrt
sein. Denn während der Abfahrt stören sich Velo- und Autofahrer
weniger. Im Gegenteil: Auf dem Velo können Geschwindigkeiten von bis zu
70 Kilometer pro Stunde erreichen. Vorsicht ist deshalb geboten.
Bischof erinnert sich gut, wie er einst fast mit einem bergaufwärts
fahrenden Car kollidierte, der die Kurve schnitt. «Es half nur noch
eine Vollbremsung.» FreiPass plant weitere Passüberfahrten, etwa über
den Susten, den Gotthard oder den Oberalppass. n
www.freipass.ch
www.alpeninitiative.ch