Szene

Die Furka für einmal autofrei

Schön wäre es, mit dem Velo die Bergstrassen zu befahren, ohne dass dabei ständig Autos vorbeibrausen. Der Basler Klavierlehrer Simon Bischof liess diesem Wunsch Taten folgen und gründete den Verein FreiPass. Kristin Kranenberg

Wer sich schwitzend den Weg nach oben erarbeitet, sehnt sich nicht gerade nach Abgasen und möchte schon gar nicht in den Strassengraben gedrückt werden. «Es ist eine Zumutung, mit dem Velo über Bergstrassen zu fahren», sagt Simon Bischof, Präsident des vor drei Jahren gegründeten Vereins FreiPass, der die gelegentliche Sperrung von Pässen für den motorisierten Verkehr anstrebt. Der 45-jährige Klavierlehrer weiss um die Nöte der Velofahrenden. Er pedalte über fast 70 Pässe im In- und Ausland. Als langfristiges Ziel setzt sein Verein, der mittlerweile 300 Mitglieder und SympathisantInnen zählt, auf je einen autofreien Schweizer Pass pro Sommerwochenende. Bischof macht den Vergleich mit anderen «Schonräumen» wie den Ruheabteilen in Eisenbahnzügen oder rauchfreien Zo­nen, die von der Öffentlichkeit ebenfalls akzeptiert werden.

Alpeninitiative macht mit
Noch organisieren Bischof und seine drei VorstandskollegInnen aber erst einzelne Veranstaltungen. Im vergangenen Sommer erhielt FreiPass die Bewilligung, den Lukmanier, der das Tessin mit Graubünden verbindet, für einige Stunden zu sperren. Dieses Jahr ist der Furkapass dran. Am Samstag, 11. August, gehört die 22 Kilometer lange Strecke zwischen Realp im Kanton Uri und dem Walliser Ort Gletsch von 15 bis 19 Uhr den Velofahrenden. Für die mehr als 1000 Höhenmeter, die es vom Wallis aus bis zur Passhöhe (2431 Meter) zu überwinden gibt, rechnet Bischof anderthalb bis drei Stunden, je nach körperlicher Verfassung der TeilnehmerInnen. Wer es gemütlicher nehmen möchte, dem empfiehlt er den Aufstieg an der Urner Seite mit etwa 650 Metern Höhenunterschied. Auf beiden Routen bietet sich die Möglichkeit einer betreuten Gruppenfahrt, inklusive Flickservice, Erster Hilfe und mentaler Unterstützung. Allerdings werde ein Grossteil der Teilnehmenden erfahrungsgemäss einzeln starten, so Bischof: «Velofahrer sind Individualisten», kommentiert er. Auch dieses Jahr sind Wanderer ebenfalls eingeladen, von der autofreien Strasse zu profitieren – schon am Lukmanier wurden etliche Nordic Walker und Kinderwagen gesichtet. FreiPass bevorzuge Veranstaltungen am späten Samstagnach-
mittag, damit die Teilnehmenden nach dem Erreichen des Ziels nicht sofort wieder abreisen, sondern die Nacht in der Region verbringen, erläutert Bischof. Eine Strassensperrung sei nur mit der Unterstützung des einheimischen Gewerbes sinnvoll: «Es soll auch lokale Wertschöpfung geben.» Neben zwei Hotels in direkter Passnähe stehen etwas tiefer gelegen weitere Unterkünfte zur Verfügung (Der Anmeldetalon kann dem aufgeklebten Flyer entnommen werden). Am Abend des 11. August wird der Verein Alpen-Initiative, der sich an dieser Veranstaltung von FreiPass beteiligt, das Mahnfeuer entfachen, mit dem er traditio­nell auf sein Anliegen aufmerksam macht: die Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene.

Voll auf die Bremse
Für die Heimreise am nächsten Tag wird die Strasse nicht mehr gesperrt sein. Denn während der Abfahrt stören sich Velo- und Autofahrer weniger. Im Gegenteil: Auf dem Velo können Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer pro Stunde erreichen. Vorsicht ist deshalb geboten. Bischof erinnert sich gut, wie er einst fast mit einem bergaufwärts fahrenden Car kollidierte, der die Kurve schnitt. «Es half nur noch eine Vollbremsung.» FreiPass plant weitere Passüberfahrten, etwa über den Susten, den Gotthard oder den Oberalppass. n

www.freipass.ch
www.alpeninitiative.ch

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