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| Bedenklich: Obwohl als gesund und effektiv gepriesen, nahm der Veloverkehr von 2000 bis 2005 markant ab. |
Jeder Schweizer und jede Schweizerin legt im Durchschnitt und mit den unterschiedlichen Verkehrsmitteln jährlich
19 000 km zurück, was dem halben Erdumfang entspricht. Mit dem Velo
sind es ganze 264 km oder 1,3 Prozent aller Fahrten. Dies ist nicht nur
sehr wenig, sondern auch weniger als vor fünf Jahren, als es noch 346
km waren. Es sind sogar weniger Kilometer als im Jahre 1984. Natürlich
liesse sich anmerken, mit dem Velo würden ja eher kürzere, dafür mehr
Wege zurückgelegt. Tatsächlich ist der Anteil der Etappen, die mit dem
Velo zurückgelegt werden, mit 5,3 Prozent höher als derjenige der
Distanz. Doch auch der Etappenanteil ist verglichen mit der letzten
Erhebung um einen Prozentpunkt gesunken.
Durchzogene Bilanz
Etwas besser sieht die Bilanz in den grossen Agglomerationen aus. Hier
liegen die Etappenanteile mit 6 bis 7 Prozent höher als im Schweizer
Durchschnitt. Zürich liegt mit 5 Prozent unter dem Schnitt, konnte aber
– wie auch Bern – leicht zulegen. Basel als Spitzenreiterin verzeichnet
einen Rückgang von 8,5 auf 7 Prozent. In den Westschweizer Städten ist
der Anteil auf tiefen 1 Prozent (Lausanne) und 3 Prozent (Genf) stabil
geblieben. Eine detaillierte Auswertung der städtischen Zahlen wird
erst später folgen.
Die IG Velo als nationale Velolobby ist ob dieser Zahlen konsterniert.
Aufgrund der zunehmenden Aktivitäten der öffentlichen Hand, aber auch
der IG Velo, ist der subjektive Eindruck entstanden, die tatsächliche
Velonutzung werde ebenfalls höher. Diese neusten Mobilitätszahlen sagen
etwas anderes. Für Jacqueline Fehr, Präsidentin der IG Velo Schweiz,
müssen diese Resultate ein Weckruf sein: «Es braucht eine Trendwende.
Dazu muss der Veloverkehr in den Agglomerationsprogrammen eine zentrale
Stellung erhalten. Programme, die nicht klar aufzeigen, wie das Angebot
für die Velofahrer ausgebaut wird, müssen vom Bund abgelehnt werden.
Nicht aufs Velo zu setzen, ist geradezu eine Dummheit», sagt sie.
Es wird jedoch nicht genügen, «nur» die Infrastruktur zu verbessern.
Diesbezüglich steht die Schweiz im internationalen Vergleich schon
heute gar nicht schlecht da. Es fehlt aber an einer regelmässigen
Kommunikation, die ein positives Velo-Bild vermittelt. Während wir
täglich über Plakate, Inserate und Kinospots die schöne Welt des Autos
vorgegaukelt bekommen, sehen wir vom Velo im besten Fall eine
Helmreklame, die uns sagt, dass Velofahren gefährlich ist.
Der Nachwuchs schwindet
Ernsthafte Sorgen muss sich die Velolobby über den Rückgang der
Velonutzung bei Kindern und Jugendlichen machen, die nach einem
regelrechten Einbruch vor fünf Jahren noch weiter zurückgegangen ist.
Menschen, die als Kinder nicht Velo fahren, werden dies auch später
nicht tun. Genau hier setzt die IG Velo Schweiz mit der Aktion «bike 2
school» an, die Jugendliche zum Gebrauch des Velos motivieren will. Wie
bei der Infrastruktur braucht es jedoch auch hier ein konsequentes
Engagement der öffentlichen Hand, um eine Trendwende herbeiführen zu
können. Velofachleute sind sich indes einig, dass es viel leichter ist,
Beton zu finanzieren als Kommunikationskampagnen.