Szene

Das Velo verliert an Boden

Alle fünf Jahre wird das Mobilitätsverhalten der in der Schweiz lebenden Bevölkerung im sogenannten Mikrozensus gründlich untersucht. Die neuesten Zahlen zeigen, dass die Velonutzung deutlich zurückgegangen ist. Die IG Velo Schweiz ist erstaunt und besorgt. Christoph Merkli
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Bedenklich: Obwohl als gesund und effektiv
gepriesen, nahm der Veloverkehr
von 2000 bis 2005 markant ab.

Jeder Schweizer und jede Schweizerin legt im Durchschnitt und mit den unterschiedlichen Verkehrsmitteln jährlich
19 000 km zurück, was dem halben Erdumfang entspricht. Mit dem Velo sind es ganze 264 km oder 1,3 Prozent aller Fahrten. Dies ist nicht nur sehr wenig, sondern auch weniger als vor fünf Jahren, als es noch 346 km waren. Es sind sogar weniger Kilometer als im Jahre 1984. Natürlich liesse sich anmerken, mit dem Velo würden ja eher kürzere, dafür mehr Wege zurückgelegt. Tatsächlich ist der Anteil der Etappen, die mit dem Velo zurückgelegt werden, mit 5,3 Prozent höher als derjenige der Distanz. Doch auch der Etappenanteil ist ver­glichen mit der letzten Erhebung um einen Prozentpunkt gesunken.

Durchzogene Bilanz
Etwas besser sieht die Bilanz in den grossen Agglomerationen aus. Hier liegen die Etappenanteile mit 6 bis 7 Prozent höher als im Schweizer Durchschnitt. Zürich liegt mit 5 Prozent unter dem Schnitt, konnte aber – wie auch Bern – leicht zulegen. Basel als Spitzenreiterin verzeichnet einen Rückgang von 8,5 auf 7 Prozent. In den Westschweizer Städten ist der Anteil auf tiefen 1 Prozent (Lausanne) und 3 Prozent (Genf) stabil geblieben. Eine detaillierte Auswertung der städtischen Zahlen wird erst später folgen.
Die IG Velo als nationale Velolobby ist ob dieser Zahlen konsterniert. Aufgrund der zunehmenden Aktivitäten der öffentlichen Hand, aber auch der IG Velo, ist der subjektive Eindruck entstanden, die tatsächliche Velonutzung werde ebenfalls höher. Diese neusten Mobilitätszahlen sagen etwas anderes. Für Jacqueline Fehr, Präsidentin der IG Velo Schweiz, müssen diese Resultate ein Weckruf sein: «Es braucht eine Trendwende. Dazu muss der Veloverkehr in den Agglomerationsprogrammen eine zentrale Stellung erhalten. Programme, die nicht klar aufzeigen, wie das Angebot für die Velofahrer ausgebaut wird, müssen vom Bund abgelehnt werden. Nicht aufs Velo zu setzen, ist geradezu eine Dummheit», sagt sie.
Es wird jedoch nicht genügen, «nur» die Infrastruktur zu verbessern. Diesbezüglich steht die Schweiz im internationalen Vergleich schon heute gar nicht schlecht da. Es fehlt aber an einer regelmässigen Kommunikation, die ein positives Velo-Bild vermittelt. Während wir täglich über Plakate, Inserate und Kinospots die schöne Welt des Autos vorgegaukelt bekommen, sehen wir vom Velo im besten Fall eine Helmreklame, die uns sagt, dass Velofahren gefährlich ist.

Der Nachwuchs schwindet
Ernsthafte Sorgen muss sich die Velolobby über den Rückgang der Velonutzung bei Kindern und Jugendlichen machen, die nach einem regelrechten Einbruch vor fünf Jahren noch weiter zurückgegangen ist. Menschen, die als Kinder nicht Velo fahren, werden dies auch später nicht tun. Genau hier setzt die IG Velo Schweiz mit der Aktion «bike 2 school» an, die Jugendliche zum Gebrauch des Velos motivieren will. Wie bei der Infrastruktur braucht es jedoch auch hier ein konsequentes Engagement der öffentlichen Hand, um eine Trendwende herbeiführen zu können. Velofachleute sind sich indes einig, dass es viel leichter ist, Beton zu finanzieren als Kommunikationskampagnen.

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