
Im März wurde gestartet, im Juli sind es bereits 100 Stationen mit je
gut 20 Velos im weiteren Zentrum der Stadt Barcelona – 1500 Velos
insgesamt stehen bereit. An speziellen Veloparkerstangen sind die roten
Vehikel an Lenkstangenhaltern eingehängt. Am Kopf jedes Parkings steht
eine Informationssäule mit einem Bildschirm und einem berührungsfreien
Magnetkartenleser. Wer dort seine Bicing-Karte hinhält, bekommt sofort
eine Parkplatznummer zugewiesen. Das entsprechende Velo ist dann
entriegelt. Man hievt es aus dem Parkierbalken, stellt den Sattel mit
dem Schnellverschluss auf die gewünschte Höhe ein, klemmt die Tasche in
die Lenkerhalterung – und los gehts mit den nabengeschalteten
Dreigängern. Der grosse Pluspunkt des Systems zeigt sich nach der
Fahrt: Das Velo kann nämlich an irgendeiner der 100 Stationen in
irgendeinen freien Platz gestellt werden. Bei der Rückgabe ist keine
Abmeldung erforderlich. Einfach kurz warten, bis die Leuchtdiode des
Parkplatzes rot blinkt – und fertig. Weder Reservation noch
Zurückbringen an den gleichen Ort sind nötig. Und wenn es einmal an
einem Standplatz kein Velo mehr hat, zeigt der Bildschirm, wo die
nächsten verfügbaren Fahrräder stehen. Wenn alle Plätze besetzt sind,
zeigt das System auch, wo man einen freien Platz zur Rückgabe findet
und gibt den Nutzern zehn Extraminuten gratis dazu.
Dabei ist das Barceloneser Bicing-System sowieso fast gratis: 24 Euro
pro Jahr kostet die Magnetkarte, die erste halbe Stunde Velofahren ist
immer gratis. Danach kostet die angebrochene halbe Stunde 30 Cent. Doch
Achtung: Bicing ist ein öffentliches Transportsystem, kein Veloverleih
für die Freizeit! Nach zwei Stunden wirds deshalb teuer. Ist das Velo
dann nicht wieder in einen Ständer eingehängt, kostet jede Stunde 3
Euro Busse, und nach der dritten Zeitüberschreitung über die erlaubten
zwei Stunden Nutzung hinaus wird die Karte gesperrt. Ist ein Velo
selbst nach 24 Stunden noch nicht zurück, wird die Kreditkarte der
NutzerInnen – ohne Kreditkarte hat man keine Möglichkeit, beim System
mitzumachen – mit 150 Euro belastet.
Diese rigorosen Strafbestimmungen dienen dazu, das Bicing-System zu dem
zu machen, was es sein will: eine unkomplizierte Ergänzung des Metro-,
Bus- und Tram-Stationen-Netzes. Rasch von Quartier zu Quartier sausen,
statt auf den unpünktlichen Bus oder die Metro zu warten. Unterwegs
einkaufen ist dabei allerdings nicht vorgesehen: Die Bicing-Velos haben
kein Schloss! Nur in den Stationen sind sie sicher abgestellt.
Kampf der Systeme
Das Barceloneser System spricht eine andere Zielgruppe an als alle bei
uns bekannten Variationen des Veloverleihs und ist bedeutend einfacher
zu nutzen als das in Deutschen Städten (Berlin, München, Frankfurt,
Köln und Karlsruhe) aufgebaute Call-a-Bike-System. Dort braucht es
jedesmal einen Anruf per Handy oder aus einer Telefonkabine, damit man
den Code fürs Schloss des jeweilen Fahrrades bekommt. Ausserdem ist
Call-a-Bike in Deutschland deutlich teurer: 6 Cent kostet die Minute,
allerdings höchstens 15 Euro der Tag. Dazu kommt aber eine lange Liste
unterschiedlicher Zuschläge, je nachdem, wo man das Bike abstellt.
Feste Standorte gibts beim deutschen System nur in Stuttgart. Dafür
können die Call-a-Bike-Velos auch mehrere Tage hintereinander genutzt
und unterwegs abgeschlossen werden.
Das Bicing-System in Barcelona will – ganz im Sinne der
VeloCity-Konferenz – etwas anderes: Es will helfen, die
Verkehrsprobleme in der Stadt zu lösen. Es ist genial einfach und kann
gerade in einer Stadt mit Mittelmeerklima einen hohen Anteil
innerstädtischer Fahrten übernehmen. Mehr als 50 000 Mitgliederkarten
wurden in den ersten drei Monaten bereits gelöst. Kein Wunder also,
wimmelt es in der Stadt nur so von fleissig radelnden Bicing-Benutzern
und -benutzerinnen.
www.bicing.com
www.callabike.de