
Der Griff am Lenker mutet auf den ersten Augenblick eigenartig an: Man
dreht – und fragt sich, ob da überhaupt etwas passiert: kein Einrasten,
kein Klicken, nichts, was auf Schalten hindeuten könnte. Als würde man
am Lautstärkeregler der Stereoanlage drehen: Nahtlos, ohne Stufen und
absolut geräuschlos verändert die Drehbewegung die Übersetzung, die
damit perfekt ans Gelände angepasst werden kann. Man pedaliert präzise
in der gewünschten Trittfrequenz, was ein sehr kräfteschonendes Fahren
zulässt.
Die im Herbst (vj 6/06) vorgestellte «NuVinci»-Nabe wurde nun über 500
Kilometer in der Praxis getestet, montiert auf Velos von Simpel und
Tour de Suisse, die als einzige Schweizer Hersteller in dieser Saison
Modelle mit dieser Nabe anbieten. Zehn verschiedene Testfahrer und
-fahrerinnen drehten Proberunden. Die Reaktionen hätten
unterschiedlicher nicht sein können: Eine junge Bikerin wünschte sich
als Innovation lieber gleich eine automatische Schaltung. Während der
Werkstatt-Kollege die Nabe nicht geschenkt haben möchte, setzte sich
der Nachbar die stufenlose Schaltung auf den Wunschzettel.
Schaltung gewöhnungsbedürftig
Es bleibt wohl Geschmackssache, ob einem die Eigenheiten der «NuVinci»
passen oder nicht. Die Bewegungen mit der Hand sind relativ aufwändig,
während die damit ausgelösten Schaltsprünge bescheiden bleiben. Der
frei drehende Griff vereinfacht zwar das genaue Schalten, bei einem
flotten Übersetzungswechsel, zum Beispiel bei einer plötzlichen
Steigung, muss jedoch nachgegriffen werden, was bei sportlicher Fahrt
eher störend ist. Ohne Druck auf den Pedalen lässt sich der Griff
leicht drehen, unter Last sind die Kräfte jedoch hoch. Dann braucht es
ein beherztes Zugreifen – oder es muss Druck vom Pedal genommen werden.
Bei Regen wird der Schaltgriff zudem glitschig.
Ideal für leicht coupiertes Gelände
Im Display wird die gewählte Übersetzung mit einem langen orangen
Balken visualisiert. Je leichter der Gang wird, desto stärker krümmt
sich der Balken und symbolisiert einen Hügel, der in dieser Stellung
gefahren werden soll. Allzu steil dürfen die Berge aber nicht werden:
Der Gesamtübersetzungsbereich der «NuVinci» beträgt 350 Prozent, der
schnellste Gang ist 3,5-mal strenger als der leichteste. Eine
27-Gang-Kettenschaltung kommt auf über 500 Prozent. Damit ist die
«NuVinci» ideal für leicht coupiertes Gelände, für längere Touren,
Einkäufe oder Fahrten mit dem Kinderanhänger fehlen aber leichte
Berggänge – und die ganz schnellen für die Ebene.
Fazit
Mit 4,2 Kilo ist «NuVinci» mehr als doppelt so schwer wie eine Shimano
8-Gang-Nabe. Bezogen auf das Velogewicht ist das viel. Im Verhältnis
zum Systemgewicht (Velo plus FahrerIn plus Gepäck) macht der
Unterschied jedoch nur zwei bis drei Prozent aus. Beim Fahren merkt man
das kaum, wenn allerdings ein Velo die Treppe hinaufgetragen wird,
schlägt das Gewicht zu Buche. Im Praxistest beeindruckte den Redaktor
neben der stufenlosen Schaltung die dadurch gewonnene Fahrdynamik ohne
Unterbruch. Kein kratzendes Nebengeräusch, nichts ist zu hören. So
erinnert die neue Technik an eine Stereoanlage mit «gutem Sound».
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1| Simpel.ch «Wegwärts NuVinci» Für den Test stand ein Prototyp zur Verfügung. Das Serienvelo ist schwarz, mit mechanischen Scheibenbremsen und dem Shimano-Alfine-Nabendynamo ausgerüstet. Das Testvelo wog 19,8 Kilo, das Serienmodell dürfte ca. 1,5 Kilo leichter sein. Preis: 1780 Franken. www.simpel.ch , Tel. 0848 55 44 55 |
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2| Tour de Suisse «Palermo NuVinci» Tour de Suisse bietet die «NuVinci»-Nabe als Option bei diversen Modellen an. Zusätzlich können Licht- und Bremssystem sowie Lenker und Farbe gewählt werden. Für den Test stand das Modell «Palermo» zur Verfügung, ausgestattet mit Nabendynamo, Federgabel und V-Brake-Felgenbremsen. Gewicht: 19,7 Kilo, Preis: 1650 Franken. www.tds-rad.ch , Tel. 071 686 85 00 |