
Wer meint, es handle sich bei der Spezi um ein Zusammentreffen von
unentwegten Bastlern, der tut der Spezialradbranche unrecht. Die Szene
ist nicht nur gewachsen, sie ist auch professioneller geworden. Einige
Hersteller haben sich zu ernst zu nehmenden Produktionsbetrieben
entwickelt. Doch auf der Spezi stehen in den drei prallvollen Hallen
neben ausgeklügelter Ingenieurskunst und ausgefeilten Serienprodukten
auch immer noch Prototypen oder zusammengewerkelte Fahrzeuge und
Erfindungen, auf die niemand gewartet hat. Handgeschriebene
Preisschildchen finden sich neben prächtig bebilderten
Hochglanzkatalogen. Das trägt ebenso zur besonderen Stimmung der Spezi
bei wie der Shuttledienst per Liegedreirad-Tatzelwurm für
ÖV-Anreisende. Zur Messe gehören auch das Trike-Rennen für Mutige und
die grosse Hüpfburg der Kinder.
Eine Spezialität der Messe in Germersheim ist der gut organisierte
Testparcours, auf dem über hundert der ausgestellten Fahrzeuge
probegefahren werden können. Das Konzept stösst auf grosses Interesse:
Die BesucherInnen kommen aus ganz Europa, aber auch aus Japan und
Amerika. Und auch die Aussteller reisen aus aller Welt an. Die Spezi
folgt bewusst nicht dem Mainstream in der Velowelt und weckt bei den
Besuchern dennoch manche Begehrlichkeit: Dies oder jenes wäre doch
etwas für die nächste Weihnachts-Wunschliste.
Meilenstein im Liegevelobau
Bestes Beispiel für die Professionalität einzelner Hersteller ist die
an der Spezi erstmals einem internationalen Publikum vorgestellte
«GreenMachine» von Flevobike. Bei diesem Liegevelo verläuft die Kette
komplett im Innern des Rahmens. Die 14-Gang-Rohloff-Schaltung fungiert
als Zwischengetriebe und bildet gleichzeitig das Gelenk für die
gefederte einarmige Hinterradschwinge. Die Holländer haben diesen
Rahmen während fast zehn Jahren entwickelt und versprechen sich vom
Antrieb rund 30000 Kilometer wartungsfreien Lauf. Damit setzt der
kleine Liegevelohersteller einen technischen Meilenstein; der Antrieb
würde wohl auch einem Stadtvelo gut anstehen. Die Felvobike-Macher
lassen durchblicken, dass hierfür Kooperationsgespräche am Laufen sind.
Unübersehbar war bei den Liegevelos der Trend hin zu dreiräderigen
Modellen. Die Standsicherheit, die Möglichkeit, am Berg auch ganz
langsam fahren zu können und der Geschwindigkeitsrausch, der entsteht,
wenn man so knapp über dem Boden den Berg hinunterbraust, scheinen
immer mehr Anhänger zu finden. Der holländische Hersteller Challenge
stellt mit seinem Trike ein besonders schnelles, leichtes und smart
gebautes Modell vor.
Auch zum ersten Mal an einer internationalen Messe wurde das neue
Faltvelo-Modell «Tikit» des amerikanischen Spezialisten Bike Friday
vorgestellt. Das neue Modell eignet sich vor allem für Pendler, während
die bisherigen Falt-Typen aufgrund ihrer guten Fahreigenschaften vor
allem bei Tourenfahrern beliebt sind. «Tikit» lässt sich innert fünf
Sekunden falten und macht damit punkto Geschwindigkeit dem bisherigen
Primus, dem englischen Brompton, Konkurenz. Die Mini-Faltmasse des
Bromptons bleiben aber weiterhin unerreicht. Wird das Velo fahrbereit
gemacht, arretiert die Sattelstütze den Faltmechanismus des Hinterrades
und über einen Seilzug jenen des Lenkers. Es müssen hierfür also weder
Verschraubungen oder Schnellspanner bedient, noch Sattel oder Lenker
verstellt werden. Ist das «Tikit» gefaltet, kann es auf seinem
Vorderrad geschoben werden. Es ist mit einer 8-Gang-Kettenschaltung und
16-Zoll-Laufrädern ausgestattet und wird um die 2000 Franken kosten.
Dreikäsehoch-Dreirad
Hase Spezialräder stellte sein überarbeitetes Trailerbike vor. Neu kann
das Kinder-Liegerad nicht mehr nur an das Velo der Eltern gekoppelt
werden. Es gibt – gegen Aufpreis – auch ein Vorderradlenker-Kit. Damit
kann das Kind autonom herumkurven. Mit wenigen Handgriffen ist das
Kinderliegedreirad aber auch wieder ans Elternrad angedockt. Dieses
Modell bietet Kindern – auch solchen mit einem Handicap –, aber auch
Familien ganz neue Möglichkeiten für Veloausflüge. Wird der Spannsitz
umgeklapt, verwandelt sich das Kindertrike zum Gepäckanhänger. Das
Modell verfügt über eine
9-Gang-Kettenschaltung und wird voraussichtlich rund 1700 Franken kosten.
www.spezialradmesse.de
www.flevobike.nl