Szene

Spezialmaterial

Das süddeutsche Städtchen Germersheim verwandelt sich jeden Frühling zum Mekka für Velo-EnthusiastInnen. In den Stadthallen findet dann die Spezi statt, die internationale Messe für Liegeräder, Dreiräder, Elektrovelos, Tandems, Faltvelos und Sonderkonstruktionen. Marius Graber

Wer meint, es handle sich bei der Spezi um ein Zusammentreffen von unentwegten Bastlern, der tut der Spezialradbranche unrecht. Die Szene ist nicht nur gewachsen, sie ist auch professioneller geworden. Einige Hersteller haben sich zu ernst zu nehmenden Produktionsbetrieben entwickelt. Doch auf der Spezi stehen in den drei prallvollen Hallen neben ausgeklügelter Ingenieurskunst und ausgefeilten Serienprodukten auch immer noch Prototypen oder zusammengewerkelte Fahrzeuge und Erfindungen, auf die niemand gewartet hat. Handgeschriebene Preisschildchen finden sich neben prächtig bebilderten Hochglanzkatalogen. Das trägt ebenso zur besonderen Stimmung der Spezi bei wie der Shuttledienst per Liegedreirad-Tatzelwurm für ÖV-Anreisende. Zur Messe gehören auch das Trike-Rennen für Mutige und die grosse Hüpfburg der Kinder.
Eine Spezialität der Messe in Germersheim ist der gut organisierte Testparcours, auf dem über hundert der ausgestellten Fahrzeuge probegefahren werden können. Das Konzept stösst auf grosses Interesse: Die BesucherInnen kommen aus ganz Europa, aber auch aus Japan und Amerika. Und auch die Aussteller reisen aus aller Welt an. Die Spezi folgt bewusst nicht dem Mainstream in der Velowelt und weckt bei den Besuchern dennoch manche Begehrlichkeit: Dies oder jenes wäre doch etwas für die nächste Weihnachts-Wunschliste.

Meilenstein im Liegevelobau
Bestes Beispiel für die Professionalität einzelner Hersteller ist die an der Spezi erstmals einem internationalen Publikum vorgestellte «GreenMachine» von Flevobike. Bei diesem Liegevelo verläuft die Kette komplett im Innern des Rahmens. Die 14-Gang-Rohloff-Schaltung fungiert als Zwischengetriebe und bildet gleichzeitig das Gelenk für die gefederte einarmige Hinterradschwinge. Die Holländer haben diesen Rahmen während fast zehn Jahren entwickelt und versprechen sich vom Antrieb rund 30000 Kilometer wartungsfreien Lauf. Damit setzt der kleine Liegevelohersteller einen technischen Meilenstein; der Antrieb würde wohl auch einem Stadtvelo gut anstehen. Die Felvobike-Macher lassen durchblicken, dass hierfür Kooperationsgespräche am Laufen sind.
Unübersehbar war bei den Liegevelos der Trend hin zu dreiräderigen Modellen. Die Standsicherheit, die Möglichkeit, am Berg auch ganz langsam fahren zu können und der Geschwindigkeitsrausch, der entsteht, wenn man so knapp über dem Boden den Berg hinunterbraust, scheinen immer mehr Anhänger zu finden. Der holländische Hersteller Challenge stellt mit seinem Trike ein besonders schnelles, leichtes und smart gebautes Modell vor.
Auch zum ersten Mal an einer internationalen Messe wurde das neue Faltvelo-Modell «Tikit» des amerikanischen Spezialisten Bike Friday vorgestellt. Das neue Modell eignet sich vor allem für Pendler, während die bisherigen Falt-Typen aufgrund ihrer guten Fahreigenschaften vor allem bei Tourenfahrern beliebt sind. «Tikit» lässt sich innert fünf Sekunden falten und macht damit punkto Geschwindigkeit dem bisherigen Primus, dem englischen Brompton, Konkurenz. Die Mini-Faltmasse des Bromptons bleiben aber weiterhin unerreicht. Wird das Velo fahrbereit gemacht, arretiert die Sattelstütze den Faltmechanismus des Hinterrades und über einen Seilzug jenen des Lenkers. Es müssen hierfür also weder Verschraubungen oder Schnellspanner bedient, noch Sattel oder Lenker verstellt werden. Ist das «Tikit» gefaltet, kann es auf seinem Vorderrad geschoben werden. Es ist mit einer 8-Gang-Kettenschaltung und 16-Zoll-Laufrädern ausgestattet und wird um die 2000 Franken kosten.

Dreikäsehoch-Dreirad
Hase Spezialräder stellte sein überarbeitetes Trailerbike vor. Neu kann das Kinder-Liegerad nicht mehr nur an das Velo der Eltern gekoppelt werden. Es gibt – gegen Aufpreis – auch ein Vorderradlenker-Kit. Damit kann das Kind autonom herumkurven. Mit wenigen Hand­­griffen ist das Kinderliegedreirad aber auch wieder ans Elternrad angedockt. Dieses Modell bietet Kindern – auch solchen mit einem Handicap –, aber auch Familien ganz neue Möglichkeiten für Veloausflüge. Wird der Spannsitz umgeklapt, verwandelt sich das Kindertrike zum Gepäckanhänger. Das Modell verfügt über eine
9-Gang-Kettenschaltung und wird voraussichtlich rund 1700 Franken kosten.

www.spezialradmesse.de
www.flevobike.nl

Abo
Kein Flash-Player installiert.

Nachrichten

15.05.2012:
11.05.2012:
8.05.2012:
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
© 2011 velojournalImpressum