Sport

Kein Geld für die Züri-Metzgete

Einmal mehr steckt das ProTour-Rennen Züri-Metzgete in finanziellen Schwierigkeiten – eine äusserst blamable Angelegenheit für den Wirtschaftsstandort Zürich. Ein nüchterner Blick auf den krisengeschüttelten Rennsport. Pascal Meisser

Unverschuldet sei man in die Situation geraten, die diesjährige Austragung der Meisterschaft von Zürich – der Züri-Metzgete, wie das traditionsreiche Schweizer Strassenrennen im Volksmund genannt wird – nicht durchführen zu können, teilte im April der Radfahrer-Verein Zürich (RV Zürich) den Medien mit. Für den RV Zürich, der die Rechte an diesem Anlass besitzt, ist diese Situation nicht neu. Verschiedentlich hing die Zukunft des Rennens in den vergangenen Jahrzehnten an einem seidenen Faden. Der Reihe nach sprangen ab den Achtzigerjahren der «Tages-Anzeiger», Ski-Welt­­­cupbegründer Serge Lang, der damalige Tour-de-Romandie-Direktor Daniel Perroud sowie die deutsche Agentur Upsolut als Retter ein. Vor knapp eineinhalb Jahren wechselte die Führung zu Marco Canonica, der als erfolgreicher Organisator des Profirennens GP von Gippingen sowie der Berner Rundfahrt beste Referenzen vorzuweisen hatte.

Fehlende Sponsorenbasis
Seit Januar steht die Züri-Metzgete, die zur exklusiven Serie der ProTour-Rennen zählt, jedoch ohne Direktor da. Canonica hat damals sein Amt niedergelegt, nachdem es ihm nicht gelungen war, einen Hauptsponsor zu finden. Zwar sei zuerst einer gefunden worden, doch nach der Affäre um den gedopten Tour-de-France-Sieger Floyd Landis sei das nicht genannte Unternehmen wieder abgesprungen. Der RV Zürich erklärte danach, das Rennen «unverschuldet» absagen zu müssen.
Die Abhängigkeit von einigen wenigen Geldgebern hatte Canonica bereits bei seinem Amtsantritt in Zürich überrascht. Er wunderte sich hingegen nicht über die immer wieder auftauchenden Probleme, die benötigten Finanzen für den Radsportanlass zusammenzubringen. «In Zürich fehlt eine gesunde Sponsorenbasis», so Canonica. Sie müsse nun über Jahre hinweg langfristig aufgebaut werden, um plötzliche oder unerwartete Finanzausfälle abzufedern.
Ebenfalls erstaunt war Canonica über die Tradition, die rund um die Züri-Metzgete hoch gelobt wird. «Tradition», so der Rennveranstalter, «leitet sich für mein Verständnis nicht nur daraus ab, wie lange ein Rennen bereits existiert, sondern auch daraus, wie es in der Wirtschaft und Politik verankert ist.» Die Züri-Metzgete sei – das  zeigte sich in den vergangenen Jahren exemplarisch – weder das eine noch das andere. «Beim Treffen mit Stadtpräsident Elmar Ledergerber zeigte sich, dass er durchaus interessiert ist, fürs Programm ein Vorwort zu schreiben, ein weitergehendes Engagement der Stadt sei aber undenkbar», hat Canonica damals erfahren. Da half auch das Argument nichts, dass die Fernseh-Live-Übertragung während des Rennens weltweit Gratiswerbung für die Region Zürich sei.
Ganz anders sieht die Situation bei dem ebenfalls von Canonica organisierten GP von Gippingen aus. Das Hauptrennen dort wurde vom Radsport-Weltverband eine Kategorie unterhalb jener der Meisterschaft von Zürich eingestuft. Der Anlass, der neben den Profis auch vielen Nachwuchsfahrern eine Startgelegenheit bietet, geniesst grosse Unterstützung durch die Bevölkerung, durch die regionale Wirtschaft und durch den Kanton. Jahrelange Kontakte zu den regionalen Gewerbetreibenden haben sich ausbezahlt. Finanzielle Schwierigkeiten – das ist in Gippingen ein Fremdwort.

Warten auf die Sanktionen
In Zürich hat man trotz der einstweiligen Absage die Zuversicht nicht verloren. Falls in den nächsten Wochen nicht doch noch ein Geldgeber einsteigt, überlegt sich der Verein, ein Rennen für die Kategorien U23 und Junioren durchzuführen. Danach soll in Ruhe die Austragung des ProTour-Rennens 2008 vorbereitet werden, sofern die Meisterschaft von Zürich dannzumal überhaupt noch in der Liste der ProTour-Rennen figurieren wird. Denn noch ist unklar, ob und mit welchen Sanktionen der RV Zürich zu rechnen hat, wenn die Züri-Metzgete dieses Jahr ausfällt. «Gemäss Vertrag ist der Organisator verpflichtet, das Rennen durchzuführen», sagt Alain Rumpf, der Verantwortliche des Radsport-Weltverbandes UCI. Nicht geregelt seien hingegen die Sanktionen bei Vertragsbruch. Allfällige Massnahmen würden am 7. Juni bei der nächsten Sitzung der ProTour-Kommission besprochen.

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