Nachtrag 4/2007: Riese und Müller «Intercontinental Black»
In der Köngigsklasse der Reisevelos ist der Preis nicht mehr das
wichtigste Kriterium. Tourenfahrende haben oft klare Ansprüche an ihr
Velo, und diese wollen sie erfüllt haben – egal, was es kostet. Die
Ansprüche sind sehr unterschiedlich, und es gibt kaum Gemeinsamkeiten,
abgesehen von der 26-Zoll-Radgrösse. Diese ermöglicht robuste Räder,
und bietet eine grosser Auswahl, insbesondere auch an breiten Pneus für
schlechte Strassen. Die Ersatzteilversorgung ist weltweit am
einfachsten.
Für Wellblechpisten und Schotterstrassen hat der Hersteller
Tout-Terrain zusammen mit dem Schweizer Rahmenbauer Florian Wiesmann
das vollgefederte «Panamericana» konstruiert. Hier ist der Gepäckträger
in den Rahmen integriert und wird für die Montage der Federelemente und
Gelenke genutzt. Die Federung ist einfach – mit einer Luftpumpe – auf
das Gesamtgewicht abstimmbar. Der «Faiv»-Träger am Vorderrad nimmt
das Gepäck so auf, dass die Federgabel noch gut arbeiten kann. Der
Vorteil dieser Konstruktion zeigt sich im Test: Mit 30 Kilo beladen
fährt sich das Velo ruhig, auch über Schotterstrassen und Schlaglöcher.
Die Schläge werden geschluckt, kleine Unebenheiten herausgefiltert. Die
Hinterradfederung kann blockiert werden, auf der Testfahrt gab es
jedoch keinen Anlass dazu.
Wie viel Komfort eine Federung bringt, zeigt sich vor allem dann, wenn
man dieselbe Strecke mit den beiden anderen getesteten Velos fährt. Mit
dem steifen Stahlrahmen des Aarios «Expedition» war der raue Untergrund
am deutlichsten bei Lenker und Sattel spürbar. Beim BMC «Cargo» mit
seinem Aluminiumrahmen vermochten die etwas breiteren Reifen und die
gefederte Sattelstütze schon einige Erschütterungen zu schlucken. Im
Direktvergleich zum «Panamericana» sind die beiden anderen Modelle aber
seitensteifer und damit etwas präziser zu steuern.
Obwohl sich die Vollfederung bei Mountainbikes mittlerweile
durchgesetzt hat, wird die Frage, ob an ein Tourenvelo eine Federung
gehört oder nicht, heiss diskutiert. Der holländische Ingenieur Peter
Meijers, der schon vor 15 Jahren vollgefederte Tourenvelos
konstruierte, formuliert es so: «Wer vollgefedert fährt, der kocht. Mit
der Vollfederung komme ich entspannter an und bin bereits hinter den
Kochtöpfen, während sich die andern zuerst erholen müssen.»
Bremsen und Schaltung?
Die Diskussion über die technische Ausrüstung kann auch bei den Brems-
und Schaltkomponenten weitergeführt werden: Die Rohloff-Nabenschaltung
beim «Expedition» und «Cargo» ist eine Blackbox, die im Falle eines
Defekts unterwegs nur schwer repariert werden kann, wogegen die
Kettenschaltung am «Panamericana» unkompliziert und weit verbreitet
ist. Bei der Rohloff-Nabe ist die Gefahr eines Defektes allerdings
gering.
Die gleiche Diskussion gibts um die Bremsen: Die Scheibenbremse am
Tout-Terrain-Modell sorgt für mehr Sicherheit, speziell bei Nässe. Die
Technik ist nicht unbedingt defektanfällig, doch wenn dann etwas
passiert, braucht es Ersatzteile, die nicht überall zu finden sind. In
diesem Fall steht man mit der V-Brake besser da: Diese Technik ist
durchschaubar und weit verbreitet.
Weblinks
www.aarios.ch
www.bmc-racing.com
www.tout-terrain.de
www.r-m.de
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1| Aarios «Expedition» Zuerst fällt der steife Rahmen auf, der für ein direktes Lenkverhalten sorgt. Aarios baut ihn mit der traditionellen Muffen-Technik. Die Ausstattung ist durchdacht und geizt nicht mit edlen, guten Teilen. Gefallen hat die fein dosierbare Avid Ultimate V-Brake. Von viel Praxisnähe zeugen die grossen Flaschenhalter und die tiefe Befestigungsmöglichkeit der Hinterradtaschen am Stolz-Gepäckträger. Dies sorgt für mehr Platz auf dem Gepäckträger und trägt zum guten Fahrverhalten bei. Wie bei Aarios üblich, können Ausstattungswünsche (Farbe, Lenker, Schaltung, Bremsen usw.) berücksichtigt werden. Ausstattung: Stahlrahmen aus konifiziertem CrMo-Rohr (7 Rahmengrössen von 48 bis 60 cm), Stahl-Starrgabel, Rohloff 14-Gang Nabenschaltung, Avid-Ultimate-V-Brake-Felgenbremsen, Stolz-Gepäckträger vorne und hinten. Gewicht: 16,9 kg Preis: Fr. 5490.– Ausstattung: 4 Fahrverhalten mit Gepäck: 4 Komfort: 2.5 |
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2| BMC «Cargo» Für das erste Reisevelo entwarf BMC einen Multifunktions-Rahmen. Dieser lässt alle Möglichkeiten für die Schalt- und Bremskomponenten offen, auch fürs spätere Aufrüsten. Gepäckträger, Schutzbleche, Ständer usw. werden vom Händler nach Kundenwunsch montiert. Wer will, kann das Velo auch mit einer Federgabel bestellen. Zu bemängeln gab es die provisorisch wirkende Rohloff-Kabelführung. Mit dem «Cargo» schuf BMC eine gute, leichte Basis für ausgedehnte Reisen. Ausstattung: Aluminiumrahmen (4 Grössen von 43 bis 58 cm), Aluminium-Starrgabel, Rohloff 14-Gang-Nabenschaltung, Magura HS33 hydraulische Felgenbremsen, Tubus-Gepäckträger vorne und hinten. Gewicht: 14,2 kg Preis: Fr. 4629.– (Basispreis Fr. 2499.–, Aufpreis für Rohloff Fr. 1800.– plus Fr. 330.– für Gepäckträger, Ständer und Pedalen) Ausstattung: 3 Fahrverhalten mit Gepäck: 3.5 Komfort: 3 |
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3| Tout-Terrain «Panamericana gold 27» Viel Technik, viel Komfort: Das «Panamericana» setzt Vertauen in die Technik voraus und revanchiert sich mit unerwartet hohem Fahrkomfort sowie mit leicht bedienbaren Bremsen. Der schön verarbeitete Rahmen wird in Deutschland geschweisst. Gefallen hat die durchwegs hochwertige Ausstattung, von der Schaltung bis zum verstellbaren Syntace VRO-Lenker. Details wie Lenkeinschlagbegrenzer und sorgfältige Lichtkabelverlegung zeugen von der Liebe zum Detail und von der Erfahrung des Herstellers. Das Velo wird ab Fr. 4290.– als Komplettvelo mit verschiedenen Schaltungsvarianten oder als Rahmensatz angeboten. Ausstattung: CrMo-Stahl-Rahmen (4 Grössen von 47 bis 57 cm), Hinterradfederung mit 80 mm Federweg, Federgabel Rockshox Tora mit 100 mm Federweg, Shimano XT 27-Gang-Kettenschaltung, Shimano-XT-Scheibenbremsen, im Rahmen integrierter Gepäckträger. Gewicht: 16,8 kg Preis des getesteten Velos: 6285.– Franken (Basispreis 5990.– plus Gepäckträger vorne 295.–). Ausstattung: 4 Fahrverhalten mit Gepäck: 3 Komfort:4 |
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4| Riese und Müller «Intercontinental Black» Je schlechter die Strassen und je mehr Gepäck, desto stärker kommt der Komfortvorteil des «Intercontinental» zur Geltung. Dazu tragen auch die Ergo-Lenkergriffe, der verstellbare Vorbau und der Gel-Sattel bei. Anlass zum Nörgeln geben einzig Details: Die Hinterradtaschen werden in der unteren Einhängeposition nicht sehr gut abgestützt. Für die bei Reiseradlern beliebten grossen Wasserflaschen fehlt im Rahmen der Platz, und zum Anpassen auf Körper- und Gepäckgewicht wäre ein Luftfederelement praktischer. Dieses gibt es als Extra oder beim teureren Modell, dem «Intercontinental Sahara», das mit Scheibenbremsen, Rohloff-Nabenschaltung und Nabendynamolichtanlage ausgerüstet ist: Es kostet 5699 Franken. Für Individualisten wird vom Intercontinental auch nur der Rahmen angeboten. Ausstattung: Aluminiumrahmen mit integriertem Gepäckträger (drei Rahmengrössen 49, 54, 60 cm), Hinterradfederung mit 100 mm Federweg, Marzocchi-«MX Pro»-Luftfedergabel mit 100 mm Federweg, Shimano-«XT»/«Deore»-27-Gang-Kettenschaltung, hydraulische Felgenbremse Magura «HS33», Faiv-Gepäckträger für Federgabeln Gewicht: 18,5 kg Preis: 3738 Franken (Basispreis Fr. 3449.– plus Gepäckträger vorne Fr. 289.–) Bezugsquelle: Riese und Müller, Tel.: 0049 6151 36686 0 Ausstattung: 3 Fahrverhalten mit Gepäck: 3 Komfort:4 Das «Intercontinental»-Testvelo war zusätzlich mit einem Vorderrad-Gepäckträger ausgerüstet. |
Bewertungsskala:
4 = sehr gut
3 = gut
2 = genügend
1 = ungenügend